Einsam über die Alpen

Radtour
Lokales
Waldsassen
06.11.2015
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Radtour

Er hätte es einfacher haben können. Gerard Soler-Mampel wählte aber die komplizierte Variante, um bei der Abstimmung über die Zukunft der autonomen Region Katalonien dabei zu sein. Jetzt kehrte der 22-Jährige von seiner Radtour in die Heimat zurück.

Der Industrie-Design-Student, der beim Fahrradhersteller Ghost seit Februar ein einjähriges Praktikum absolviert, erzählte im Frühjahr in der Firma von seinem geplanten Trip nach Katalonien: Einen Monat mit dem Fahrrad nach Moià - zur Familie, die eine Autostunde nördlich von Barcelona lebt. Danach wieder zurück mit dem Rad. Wieder einen Monat. Während des Urlaubs ins Wahllokal, um bei der Volksbefragung für die Unabhängigkeit Kataloniens zu stimmen.

Friedrichshafen-Madrid

Schnell war klar: Die erste Hälfte der ausgedehnten und ungewöhnlichen Radtour sollte eine Marketing-Aktion werden. Mit dem Rad von der Fahrrad-Fachmesse Eurobike in Friedrichshafen zur Messe Unibike in Madrid - so der Plan. Ghost stellte für die Tour ein Hightech-Sportgerät bereit - das Bike ROAMR mit einem speziellen Getriebe und Federung und einem Taschensystem, das Gerard Soler-Mampel entworfen hat.

3500 Kilometer

Die Leistung, die Gerard in den acht Wochen vollbracht hat, ringt selbst ambitionierten Hobby-Bikern allergrößten Respekt ab: Vom 30. August bis 30. Oktober legte der sympathische Katalane, der in der Nähe von Barcelona studiert, gut 3500 Kilometer mit dem Fahrrad zurück. Auf der Hinfahrt in die Heimat war er bis 18. September unterwegs. Darin eingeschlossen auch Ruhetage, außerdem der letzte Abschnitt mit dem Zug. 14 Tage dauerte die Alpenüberquerung. Gerard blieb von größeren Pannen und Unfällen verschont. Die Nächte verbrachte er im Zelt, das er - zusammen mit Luftmatratze und Schlafsack - in den Taschen am Lenker transportierte.

Nur ausnahmsweise quartierte sich der Abenteurer in kleinen Hotels oder Hütten ein. "Meine Sachen mussten ja wieder trocken werden", erzählt Gerard über die Umstände der Tour nach widrigem Wetter. Außerdem nutzte er das Internet, um seinen Sponsoren Bilder und kurze Videos zu schicken. Sie lassen die Strapazen erahnen, die Gerard auf seiner Tour bewältigte: Die Pässe waren vielfach nur mehr schmale Pfade, verliefen über Stein- und Geröll-Felder. Mitunter musste Gerard das Rad auch tragen.

Zweifel auf 3500 Meter

"Warum tust du dir das an?": Derartige Gedanken kamen dem Katalanen während der Tour nicht. "Ich hatte immer ein gutes Gefühl und stand der Sache positiv gegenüber." Nur einmal kamen ihm Zweifel. Auf 3500 Meter Höhe verlief sich der Abenteurer bei starkem Nebel in unwegsamer und lebensfeindlicher Umgebung.

Orientierung am Seil

"Ich konnte nicht weiter als zehn Meter sehen", erinnert sich Gerard. "Vier Kilometer musste ich das Bike durch den Schnee schieben." Als er zum Pass kam, suchte er eine Hütte als Orientierungspunkt, verfehlte ihn aber und lief eine Stunde lang im Kreis - wie sich später herausstellen sollte. Die Masten eines Lifts bzw. Seil der Bergbahn waren die einzige Hilfe, sich zurecht zu finden. "Das GPS arbeitete nicht korrekt." Dann endlich fand er den richtigen Pfad, um dann nach gut 20 Kilometer wieder zu Tal zu kommen.
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