Einst drei Bibliotheken im Ort

Das Büchereiteam im Jubiläumsjahr mit (von rechts) Andrea Burger, Ursa Pilz, Marianne Kunz, Gerda Sommer und Gerhard Laab. Bild: hfz
Lokales
Waldsassen
18.07.2015
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Die Stadtbücherei gibt es seit nunmehr 80 Jahren. Zum Jubiläum gab es bereits eine Autorenlesung. Am Montag folgt ein Lesecafé, verbunden mit dem Start für den Sommerferien-Leseclub.

Als die neue "Volks- und Grenzlandbücherei" im Sommer 1935 ihre Pforten eröffnete, war sie schon die dritte Bibliotheks-Einrichtung am Ort. Mönche des Klosters im Mittelalter und dann wieder in der Barockzeit hatten jeweils eine imposante Büchersammlung angelegt.

Die zweite Bücherei wurde im Januar 1914 vom damaligen Stadtpfarrer und Dekan Josef Bäuml (1855 - 1924) initiiert und bestand in der bescheidenen Vereinsbibliothek des kath. Preßvereins, die in einem Raum der "Rettungsanstalt", also im heutigen Seniorenheim St. Maria stationiert war. Man verband damit das Anliegen, dem Volk in einer kritischen Ära eine gute und aufbauende Literatur an die Hand zu geben und somit auch zur verstärkten religiösen Volksbildung beizutragen. Später wurden diese Bücher ein Teil der Pfarrbibliothek im Jugendheim.

Als sich im Zuge der Weltwirtschaftskrise ab 1929 die Arbeitslosen-Zahlen auch im Stiftland dramatisch erhöhten, richtete man staatlicherseits das Augenmerk auch auf die Volksbüchereien, insbesondere im Grenzgebiet, um hier angesichts der latenten "tschechischen Grenzpropaganda" mit deutscher Literatur ein Gegengewicht aufzubauen, aber auch, um den Menschen über die Öde und Gefahr leerer Stunden hinweghelfen. Zu dieser Zeit gab es schon eine staatl. Beratungsstelle für die Volksbüchereien bei der Staatsbibliothek in München, die mehrfach auf Verbesserungen in den jeweiligen Orten drängte. In ein neues Stadium kam das Büchereiwesen, als im Dritten Reich das Grenzland im Gau "Bayer. Ostmark" zusammengeschlossen wurde.

So liefen im April 1935 die ersten Vorbereitungen an, um auch in der Klosterstadt eine städtische "Volks- und Grenzlandbücherei" zu etablieren. Die Leitung dieser neuen Einrichtung übertrug man dem damaligen Hauptlehrer Josef Landgraf, Jahrgang 1894, der aus Pleystein stammte und seit 1928 in Waldsassen wirkte. Er stieg später zum Rektor der Knabenschule auf und ist 1976 verstorben. In einem Schnellkurs war er im Frühjahr 1935 in sein Amt eingewiesen worden.

Anfangs war die Bücherei in der heutigen Markgraf-Diepold-Grundschule untergebracht. Die ersten Regale, Tische und Stühle hatte die örtliche Schreinerei Johann Hack geliefert. Anfang Juli waren auch die ersten Kisten mit 150 Büchern aus Bayreuth als Grundstock eingetroffen.

Modellstatus

Am Samstag, 13. Juli 1935 fand dann die feierliche Eröffnung der ersten "Volks- und Grenzlandbücherei" in der Bayer. Ostmark statt, wobei man ihr eine Art Modellstatus zuwies. Zur Eröffnungsfeier hatte sich neben dem Stadtrat und den Vertretern der Schulen und Behörden auch Prominenz eingefunden, an ihrer Spitze Bezirksoberamtmann Adam Vogl aus Tirschenreuth, der rührige Leiter der Gauvolksbüchereistelle Bayreuth Josef Wutz und rechtskundiger Bürgermeister Josef Hierl, die allesamt die besonderen Aspekte und die Bedeutung dieser neu geschaffenen Einrichtung priesen. Natürlich sah der NS-Staat die Grenzlandbüchereien auch als ein Instrument zur "nationalen Volkserziehung" und befanden sich unter den ersten Büchern auch Werke zum Dritten Reich. Da die neue Bibliothek von der Bevölkerung angenommen wurde, kam es nach und nach zur Erweiterung und zur Aufstockung des Bücherbestandes auf rund 500 Bände. Die Leihgebühr betrug 10 Pfennig pro Buch für zwei Wochen. Als in die "Schemmschule" 1943 ein Reserve-Lazarett einzog und im Frühjahr 1945 gar die amerikanische Besatzungsmacht, wurde es still um die Volksbücherei.

Domizil ideal und zentral

1962 zog die Bücherei um ins frühere Verwaltungsgebäude Johannisplatz 2 und erfuhr damit eine Neubelebung. 1973 erhielt die Bücherei neue Räume im gerade freigewordenen, vormaligen Rathaus. Ende Oktober 1988 ist endlich das sanierte und neugestaltete Haus Johannisplatz 9 / 11 bezogen worden. Dort erhielt die Stadtbücherei ihr ideales und zentrales Domizil. Zur Einweihung kam damals Kultusminister Hans Zehetmair nach Waldsassen.

Zum guten Ruf der Stadtbücherei beigetragen haben seit Gründung auch alle bisherigen Büchereifachkräfte - angefangen von Rektor Josef Landgraf über Frau Evi Zwerenz und Theo Rosner bis hin zum Büchereiteam. Ihm gehören an Marianne Kunz, Ursa Pilz, Andrea Burger und Gerda Sommer und Gerhard Laab.
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