Einst nur drei Straßennamen

Ein Ausschnitt aus dem Katasterplan (Uraufnahme) mit der Altstadt von Waldsassen von 1840, gezeichnet und signiert von August von Fabris. Bild: Bayerische Vermessungsverwaltung/hfz
Lokales
Waldsassen
20.10.2015
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Vor gut 175 Jahren, entstand der Katasterplanes für den Markt Waldsassen. Gut 200 Häuser samt Straßen, Plätzen und Wegen und umgebende Fluren sind darin enthalten.

Der verantwortliche Geometer war damals August von Fabris, ein Schwiegersohn des früher in Waldsassen amtierenden Landrichters Troppmann. In der Oberpfalz erfolgte die topografische Geländeaufnahme in den Jahren 1831 bis 1840. Die auf diese Weise entstandenen Messtischblätter sind im Maßstab 1 : 5000 gehalten und umfassen jeweils eine Fläche von 1600 Tagwerk - 545,16 Hektar.

Eine stolze Leistung

Anschließend wurden die Angaben und Daten in den Grundsteuerkatastern zusammengefasst und von den Rentämtern registriert und fortgeführt. In diesem Zusammenhang wurden auch die Flurstück-Nummern für die Gemarkung Waldsassen eingeführt. So entstanden von Bayern rund 20 000 Karten im gleichen Maßstab, eine stolze Leistung.

Abteischloss Behördensitz

Der Markt Waldsassen umfasste 1840 das zentrale Bau-Quartier, wie es sich durch die Ansiedlung der Gebrüder Geisel ab 1614 allmählich entwickelt hatte, ferner die heutige Karolinenstraße (Vorstadt), die Egerer Straße und die heutige Prinz-Ludwig-Straße. Zum Gebäudebestand gehörten auch die Pfarrkirche und die historischen Amtsgebäude für die Behörden, insbesondere das Abteischloss als Sitz des Landgerichts und das Kastengebäude als Sitz des Zollamts und des Rentamts. Im Klosterkomplex hatte sich die Kattunfabrik der Familie Rother einquartiert. Die Karte führte nur drei Straßennamen, nämlich die "Kloster-Gasse" (heute Johannisplatz), den Klosterplatz (heute Basilikaplatz) und die Straße "Am Rohrbrunnen" (heute die Kolpingstraße). Die Straßen waren kaum gepflastert. Das Leben im "Acker-Bürger-Markt" war noch sehr beschaulich und behäbig. Als Verkehrsmittel gab es nur Gespanne, aber noch keine Eisenbahn.

An der Talseite wurde Waldsassen damals noch von zwei Bächen berührt - von der Wondreb und vom Mühlbach, der im ehemaligen Klostergarten in die Wondreb mündete. Die Flurkarte von 1840 trägt auch all die angestammten Flurnamen, wie sie sich bereits seit etwa 1620 in den alten Flurplänen vorfinden. In diesem Zusammenhang wurden auch die Flurstück-Nummern für die Gemarkung Waldsassen eingeführt, wobei die Häuser mit fortlaufenden Nummern versehen waren. Die Pfarrkirche und heutige Basilika trug die etwa die Haus-Nummer 197. (Info-Kasten)
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