Es fing mit einem Holzscheit an

Am Bild "Präfrontaler Cortex" hat Wolfgang Horn ein Jahr lang täglich gearbeitet. Bilder: Grüner
Lokales
Waldsassen
16.10.2015
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Von einer alten Trauerweide, die einst bei Netzstahl stand, stammt der gewaltige Stamm-Abschnitt, den Wolfgang Horn hier bearbeitet. Insgesamt besteht das Kunstwerk aus drei dieser Kolosse. Jeder enthält im Innern eine Glasscheibe aus Lambertsglas, die 360 Grad in der Horizontalen gedreht werden kann. Dadurch sind die angestrahlten verschiedenfarbigen Glasscheiben in der Lage, immer wieder neue, bunte Lichtstrahlen in den Raum zu projizieren.

"Wenn mir was einfällt, schreibe ich es schnell irgendwo auf, mache eine Skizze und irgendwann einmal, wird es vielleicht was." Die Holz-Skulpturen von Wolfgang Horn sind oft mehrere Meter hoch, wiegen bis zu einer Tonne und entstehen im Garten, der Garage oder im Keller.

Wolfgang Horn ist Prokurist und Geschäftsleiter der Vertriebsabteilung bei der "Gleißner Wohnschau" in Tirschenreuth. Dort arbeitet er seit knapp 20 Jahren. Vorher war er 16 Jahre lang in der Schreinerei Alfons Grillmeier in Waldsassen beschäftigt. Als er dort seine Schreinerlehre begann, war gerade sein Vater verstorben - eine schwere Zeit für den damals 17-Jährigen. "Der Alfons war für mich so eine Art Vaterersatz", schwärmt er noch heute von seinem Lehrherrn. Bei ihm entdeckte Wolfgang seine Liebe zum Holz. Damals ahnte er noch nicht, dass er eines Tages aus diesem Material riesige Skulpturen schaffen würde. "Angefangen hat alles, als ich merkte, dass ich plötzlich ein Holzscheit nicht einschüren wollte, weil ich es dafür viel zu schön fand." Auch heute stapeln sich viele davon im Keller und warten darauf, dass ich sie irgendwann veredle. Ich sehe im Holz einfach mehr, als die meisten Menschen und dass dieses Material eher weibliche Formen hat, empfinde ich keineswegs als störend."


Seine künstlerische Ader entdeckte Wolfgang Horn erst, nachdem er seine Arbeitsstelle gewechselt hatte. "Ich suchte einen kreativen Ausgleich." Abstrakte Acrylbilder und Fotografie waren anfangs die probaten Mittel dafür. "Alles was dem Auge gefällt, ist mein Ding, sagt der Hobby-Künstler." Schon bei seiner Malerei setzte Horn auf Größe. Eines seiner Werke, an dem er 2003 täglich gearbeitet hat, "und wenn es manchmal nur ein Pinselstrich war", misst gigantische 3,6 mal 1 Meter. Im Radio hörte er damals einen Bericht zu dem Phänomen "Präfrontaler Cortex", jenem Teil des Frontallappens der Großhirnrinde, der steuert wie lange es dauert bis ein Mensch einen Gedanken ausspricht. Kinder überlegten nicht, sagten alles sofort.

Menschen mittleren Alters überlegten sehr lange und alte Menschen reagierten wieder eher wie Kinder. Diese Tatsachen haben ihn zu dem Bild inspiriert, das als Leihgabe in der Tirschenreuther Volksbank zu bestaunen ist.

Think Big

Bei seinen Fotografien setzt Horn in der Hauptsache auf kontrastreiche Schwarzweiß-Umsetzungen. Architektur, seine Holzskulpturen und aussagekräftige Landschaften sind die bevorzugten Motive. Malerei und Fotografie machen lediglich 20 Prozent seines kreativen Schaffens aus.

Der Stoff aus dem Wolfgang Horn seine fantastischen Träume komponiert ist aber eindeutig das Holz. Dabei gilt "think Big", je größer, desto besser. Und da liegt auch gleich das grundsätzliche Problem. Denn von Anfang an ist der Bildhauer auf der Suche nach einer entsprechend großdimensionierten Werkstatt mit Lagermöglichkeit.

Im Moment hat er die Garage, den Keller und, im Sommer, den Garten in Beschlag, um seine Ideen umzusetzen. Diesbezüglich lobt er seine Frau Birgit: "Nicht jede toleriert das." Ein großer Traum des Künstlers ist eine spezielle Ausstellung für Sehbehinderte und Blinde. Auch deshalb sind die Oberflächen seiner Werke akribisch glatt geschliffen. "Die Objekte müssen so glatt sein, dass allein durch Berührung die Formen vor dem geistigen Auge erkennbar werden. Meine Werke sind im Wortsinn ertastbar." Bei der Titelwahl setzt Horn auf Latein. Damit ließe sich in einem Wort sehr viel ausdrücken. Nachdem die älteste Tochter der Familie, Jennifer diese Sprache studiert, ist sie fit, wenn es darum geht, passende Titel zu finden. Die jüngere Tochter, Nathalie studiert an der Designerschule in Selb und greift dem Papa bei seinen Skizzenzeichnungen unter die Arme.

Zehn Ster Holz gelagert

Ein Freund, Edwin Weiß ist Forstwirt und unterstützt Horn dahingehend, dass er bei seiner täglichen Arbeit die Augen für außergewöhnliche Hölzer offen hält. Auch Privatleute rufen ihn oft an und geben ihm Tips, wenn sie irgendwo Holzteile entdecken, die für den Bildhauer interessant sein könnten. Etwa zehn Ster hat Wolfgang Horn im Moment gelagert.

Er verwendet alles, was in unserer Region wächst. Am meisten schätzt er Kirsche, deren Maserung sich mit Spezialöl extrem "anfeuern" lasse und deren Oberfläche dann stark an Glas erinnere. Echtes Glas von Lamberts sowie Eisen- oder Blechteile verarbeitet er in seinen Werken auch, aber eher sporadisch.

Leuchtende Augen bekommt er, wenn er erfährt, dass ein jahrhundertealter Stadel abgerissen wird. "Für viele ist das ein Haufen Müll, für mich eine wahre Schatzkammer, weil so altes Holz einfach perfekt zu verarbeiten und in seiner Wirkung nahezu unübertrefflich ist."

Im Kopf oder bei der Arbeit

Wenn Wolfgang Horn bei der Arbeit ist, vergisst er alles um sich herum, einschließlich der Zeit. Seine Werke entstehen entweder grob im Kopf oder direkt bei der Arbeit. An Werkzeugen benutzt er alles, von der Kettensäge über Bandschleifer, Bildhauerstechbeitel bis hinunter zum superfeinen Schleifpapier.
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