Flucht kein Verbrechen

Sehr gut besucht war am Donnerstag der Informationsabend zum Thema Asyl und Flüchtlinge im Jugendheim. Dazu eingeladen hatten die beiden Kirchen und die Stadt Waldsassen. Bild: pz
Lokales
Waldsassen
01.08.2015
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Halb- und Unwahrheiten sind mitunter im Spiel, wenn es um Asylsuchende geht. "Sie können Multiplikatoren für dieses Thema werden", sagte Stadtpfarrer Thomas Vogl zu den Zuhörern. Unter ihnen auch junge Männer, die im Stiftland Zuflucht gefunden haben.

Die Kirchen sowie die Stadt Waldsassen hatten zu dem Informationsabend im Jugendheim-Festsaal eingeladen. Referentinnen waren Julia Zeitler von der Caritas und AWO-Kreisgeschäftsführerin Angelika Würner. Neben Bürgermeister Bernd Sommer war am Donnerstag auch Diakon Fritz Lieb von der evangelischen Gemeinde mit dabei. Beide Referentinnen, die sich um die aktuell 425 Asylbewerber in der Erstaufnahme-Einrichtung in Tirschenreuth und in den 17 dezentralen Einrichtungen im Landkreis kümmern, erzählten von ihrer praktischen Arbeit.

"Gehen Sie hin"

"Man hört viel, aber man weiß wenig", fasste Julia Zeitler zusammen und riet den Zuhörern die Asylsuchenden zu besuchen. "Gehen Sie hin", legte sie allen ans Herz, die sich authentisch informieren wollen. "Das sind ganz normale Menschen wie wir auch." Und sie freuten sich über jedes Gespräch.

Julia Zeitler erläuterte das Asylverfahren und die rechtlichen Hintergründe. Helfer der Caritas wie auch der AWO begleiteten Asylsuchende bei Behördengängen oder beim Arzt oder sind Vermittler bei Problemen in Kindergärten oder Schulen. "Waldsassen ist gut organisiert - mit am besten im Landkreis", freute sich Julia Zeitler wie später auch Angelika Würner über die Strukturen in der Klosterstadt, die sich frühzeitig gebildet hätten. Namentlich genannt wurden dabei Felix Wolf und Markus Scharnagl. Von einem "wichtigen Impuls" mit einem positiven Effekt sprach Stadtpfarrer Thomas Vogl und meinte den "Runden Tisch" und die Bürgerhilfe Asyl als Ergebnis.

Vieles laufe schon, sagte Julia Zeitler und nannte etwa die Deutschkurse. Manches ließe sich auch noch ausweiten - Fahrdienste und einfache, lebenspraktische Dinge - etwa die Betreuung der Kinder. "Junge Väter können mit den Jungs kicken gehen." Das Alter aber spiele bei einem ehrenamtlichen Engagement für Asylsuchende keine Rolle. "Ein freundliches Wort und einfach nett sein, das geht in jeder Altersgruppe."

"Flucht ist kein Verbrechen", sagte Angelika Würner, die von vielen persönlichen Erlebnissen mit den Asylsuchenden erzählte, auch von deren lebenswichtigen Bedürfnissen. Und dass immer wieder nachts das Telefon klingelt: "Mama, bitte komm schnell", so der Hilferuf. Sogar bei Geburten habe sie schon Flüchtlingsfrauen begleitet. "Die wollen das", erklärte die AWO-Geschäftsführerin. Sie betonte ausdrücklich für die Flüchtlinge im Ehrenamt tätig zu sein. Angelika Würner sprach auch das Dublin-Verfahren an, wonach Asylsuchende dorthin ausgeliefert werden, wo sie schon registriert wurden - etwa in Südosteuropa. Doch dort drohten vielfach Haft oder Misshandlungen. Dabei fiel auch der Begriff "Kirchenasyl"; die genauen Orte müssten aber geheim bleiben.

Vollgetankt und versichert

"Es gibt so viele Dinge, die gemacht werden müssen, wo sich jeder einbringen kann", sagte Würner weiter. Die AWO-Autos stünden für Fahrdienste zur Verfügung, seien vollgetankt und gut versichert. Auch eine besondere Beförderungs-Erlaubnis sei nicht nötig, "... weil Sie es kostenlos machen", sagte Angelika Würner auf eine Anfrage eines Zuhörers. "Wir können Ihnen halt nicht die Zeit bezahlen, die Sie dafür aufwenden."

Dank für die Aufnahme

Markus Scharnagl - Mitglied der "Bürgerhilfe Asyl" - war mit einigen Flüchtlingen gekommen, die mit Beifall begrüßt wurden. Eine der jungen Leute heißt Aram. Er ist zusammen mit seinem Bruder aus der syrischen Grenzstadt Kobane geflohen. Der 19-Jährige bedankte sich in einer kurzen Ansprache für die Aufnahme in Waldsassen und für die großherzige Unterstützung. (Info-Kasten)
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