Freikarten kosten trotzdem Geld

Nicht nur die ganz großen Stadien sind für die Groundhopper interessant. Roland Bauer (von links), Christian Richtmann, Florian Hanss und Matthias Schuster mischten sich bei der rumänischen Drittliga-Partie zwischen dem FC Dinamo Bukarest II und FC Viitorul Axintele unter die 200 Zuschauer. Bild: hfz
Lokales
Waldsassen
20.02.2015
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Zweimal machten sich die Stiftland-Groundhopper im vergangenen Jahr Richtung Südosteuropa auf. Die Touren liefen unter dem Namen "Balkan-Trips". Dabei erlebten die Fußball-Narren einen großzügigen Verband. Aber sie gerieten auch an einen Funktionär, der sich mit seinen Eintrittskarten sein Gehalt ein wenig aufbesserte.

Seit mittlerweile zehn Jahren gibt es die Stiftland-Groundhopper. Aber trotz aller Erfahrung beim Planen: "Bei jeder Fußball-Tour gibt es etwas Unerwartetes." Und auch beim Rückblick auf das Jahr 2014 erzählt Matthias Schuster einige dieser Geschichten. Er ist einer der Chefs der Groundhopper.

Zu der Truppe zählen rund zwölf Fußball-Narren. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, möglichst viele Stadien in möglichst vielen Ländern zu besuchen. 2014 kamen 60 Stadien (Grounds) und mit Mazedonien, Bulgarien, Albanien, Bosnien-Herzegowina, Rumänien und Moldawien 6 neue Länderpunkte dazu. "Die Höhepunkte waren sicher die beiden Balkan-Trips", sagt Schuster, der bis vor einigen Jahren seine Schuhe für den SV Waldsassen schnürte. Die Hopper haben nun offiziell 44 Länderpunkte und rund 300 Grounds vorzuweisen.

Neuer Spielplan

Ein wahrer Glücksfall für die Stiftländer ist die neue Terminierung der EM-Qualifikationsspiele. "Dadurch, dass an sechs aufeinanderfolgenden Tagen gespielt wird, kann man richtig schöne Touren zusammenstellen", erklärt der 31-Jährige. Und das nutzten die Hopper auch gleich beim ersten Balkan-Ausflug im Oktober aus. Zu dritt ging's von Memmingen mit dem Flugzeug nach Skopje. Am Abend verfolgten sie in der National-Arena Philipp II das EM-Quali-Spiel zwischen Mazedonien und Luxemburg. Die Karten besorgten sich die Stiftländer an der Tageskasse für drei Euro.

Am nächsten Tag brachte sie ein privates Taxi - "den hatte ich schon vorher übers Internet gebucht" - von Skopje ins 230 Kilometer entfernte Sofia. Dort duellierten sich am Abend Bulgarien und Kroatien. "Das war ein heißes Spiel vor fast 30 000 Zuschauern. Es kam zu mehreren Unterbrechungen, da beide Fanlager mit Pyrotechnik nicht geizten", erinnert sich Schuster. Nach der Partie führte der Weg direkt zurück ins Hostel nach Skopje.

Tags darauf fuhren sie durch den Kosovo weiter nach Albanien. Ziel war die Arena in Elbasan. Dort trägt das albanische Nationalteam seine Spiele aus, da das Nationalstadion in der Hauptstadt Tirana renoviert wird. Zum Duell gegen Dänemark war die Euphorie riesig, da die Albaner sehr gut im Rennen um ein EM-Ticket lagen. "Das Match war komplett ausverkauft. In der ganzen Stadt herrschte Chaos. Mit so einem Ansturm hatten wir nicht gerechnet und so standen wir ohne Karten da." Auch auf den Schwarzmarkt blieben die Stiftländer zunächst erfolglos. Kurz vor Spielbeginn sicherten sie sich aber doch noch ihre Karten. Ein "gut gekleideter Mann" verkaufte ihnen drei Haupttribünen-Tickets für jeweils 80 Euro. Eigentlich hätten eine Karte 8000 Leke (etwa 57 Euro) gekostet. "Später stellte sich heraus, dass uns ein Offizieller des albanischen Fußballverbands die Tickets angedreht und sich so noch ein paar Euros nebenbei verdient hatte."

Massenweise Pyrotechnik

Nach einem spielfreien Tag machte sich die Truppe Richtung Sarajevo auf. Dort stand das Spiel Bosnien-Herzegowina gegen Belgien auf dem Programm. Karten sicherten sich die drei für rund 15 Euro in der Fußgängerzone. "Der Verband hatte offenbar Freikarten verteilt und die Leute wandelten sie einfach in Bargeld um", sagt Schuster. Vor dem Stadion erlebten die Stiftländer wieder die typische südländische Atmosphäre. "Die haben massenweise Pyrotechnik abgebrannt. Das war eine super Stimmung."

Nach dem Spiel brachte sie ein Taxifahrer nach Belgrad. Nach zwei Stunden Schlaf im Hotel machten sich die Fußball-Fans zum Rückflug auf. Fazit: Der Trip umfasste rund 1800 Kilometer. Dabei durchquerten sie mit Mazedonien, Bulgarien, Kosovo, Albanien, Montenegro, Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Serbien in sechs Tagen acht Länder. "Das ging echt an die Substanz: lange Strecken mit dem Auto und kaum Schlaf. Dafür entschädigte die teils grandiose Landschaft, tolle Grounds und viele hilfsbereite Menschen."

Beim zweiten Ausflug nach Südosteuropa im November schauten sich vier Hopper unter anderem in Bukarest ein Drittliga-Spiel vor gut 200 Zuschauern und das EM-Quali-Duell zwischen Rumänien und Nordirland an. Von der rumänischen Hauptstadt ging's weiter in die 440 Kilometer entfernte moldawische Hauptstadt Chisinau. Dort war das Spiel Moldawien gegen Lichtenstein. "Im Hotel des liechtensteinischen Teams hatte uns deren Verband kostenlos Tickets hinterlegt", erklärt Schuster.

Von "einem Trip der anderen Art" spricht der 31-Jährige beim Rückblick auf das Champions-League-Quali-Spiel zwischen Celtic Glasgow und KR Reykjavik. Da wegen der Commenwealth Games Celtic auf das Murrayfield Stadium in Edinburgh ausweichte, wollten Schuster und ein Kumpel dort unbedingt dabei sein. Da in dieser Arena eigentlich nur Rugby-Spiele sind. Als Transportmittel wählte sie den Bus. Alleine die Busfahrt von Köln bis nach Edinburgh dauerte über 21 Stunden. Nach der Ankunft schauten sich die beiden die Stadt an und abends saßen sie im Stadion. Nach dem Spiel stiegen die Fußball-Narren gleich wieder in den Bus Richtung Heimat. "Geschlafen haben wir nur im Bus." Insgesamt legten sie innerhalb von drei Tagen 3500 Kilometer zurück.

Beim Ausblick auf 2015 verweist Schuster "auf ein ganz heißes Duell": Denn im April schauen die Hopper zum Belgrader-Derby. Zudem soll der Länderpunkt Kasachstan fallen.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.stiftland-groundhopper.de
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