Gesangs-Quartett Keimzelle

Ein Konzert in der Basilika um Weihnachten (Bild) bildete den Auftakt der Feierlichkeiten zum 150-jährigen Bestehen des Männergesangvereins. In einer Woche wird das Jubiläum mit einem Festabend und einem Festgottesdienst gewürdigt. Archivbild: kgg
Lokales
Waldsassen
12.06.2015
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Der Männergesangverein unter Leitung von Peter Kohl blickt auf sein 150-jähriges Bestehen zurück. Doch die bewegte und komplexe Geschichte beginnt schon lange vor 1865.

Am 23. Juni 1863 wurde der erste Waldsassener "Sängerbund" ins Leben gerufen. Damals war noch kaum zu erahnen, welch stolze Entwicklung deutsches Liedgut in Waldsassen nehmen würde. Keimzelle des ersten Sängerbundes war eigentlich ein Männer-Gesangs-Quartett.

Gründungsvorstand und musikalischer Leiter war der Lehrer Johann Baptist Reiß (1822 - 1891), der 1860 nach Waldsassen gekommen war. Wegen seiner Verdienste um die örtliche Schulbildung und auch als Kantor wurde Reiß im Oktober 1885 zum Ehrenbürger ernannt und ist 1891 verstorben.Die Vereinsgründung 1863 fiel in eine Ära, in der sich bald eine Art Aufbruchstimmung ergab, wie der voranschreitende Eisenbahnbau, die Etablierung des Frauenklosters und die wenige Jahre später einsetzende Industrialisierung. Da auch in den Nachbar-Städten Tirschenreuth, Mitterteich und Eger gleichartige Vereine entstanden waren, gab es rege Kontakte, einen fruchtbaren kulturellen Austausch und verzeichnete man zahlreiche Aktivitäten.

Im dritten Anlauf

Nachdem es ab 1875 um den Verein still geworden war, kam es 1887 zu einer kurzen Neubelebung des Sängerbundes. Am 2. Juli 1892 erfolgte dann eigentlich im dritten Anlauf die Gründung des "Männer-Gesangvereins der Porzellanfabrik Waldsassen". Die Initiatoren waren diesmal die sangesfreudigen Mitarbeiter der aufstrebenden Porzellanfabrik. Viele stammten aus dem Egerland und waren im Stiftland heimisch geworden. Nach dem ersten Stiftungsfest im Sommer 1893 stieß Schuhmachermeister Rudolf Fischer zum Verein, der aus Altkinsberg stammte, musikalisch hoch befähigt war und das Amt des Vorstandes übernahm. 1894 entfiel die Einschränkung, um den Verein auch in der Bürgerschaft zu verwurzeln. Rudolf Fischer hat 1901 auch den Musikverein begründet und ist 1922 verstorben.

Einen glanzvollen Höhepunkt im Vereinsleben bildete die Fahnenweihe im Juli 1905 mit Tirschenreuth als Patenverein. Als Fahnenjunker trat dabei Karl Pleier aus Pechgrün in Erscheinung. In den folgenden Jahren entstanden mit dem "Liederkranz" und dem Arbeitergesangverein zwei weitere Gesangvereine am Ort.

Pokal bringt Schulterschluss

Der aufstrebenden und engagierten Vereinsentwicklung in den Friedensjahren folgten durch den Ersten und den Zweiten Weltkrieg jeweils herbe Rückschläge. Die Wiederbegründung nach dem Zusammenbruch erfolgte schon am 24. Mai 1946, doch konnte es vorerst nur langsam aufwärts gehen. Aufgrund eines Silberpokals, der sich schon seit 1935 im Besitz des Vereins befindet, entschloss man sich Anfang der 1960er Jahre zum "Schulterschluss" mit dem Vorgängerverein.

Sängerbund-Nachfolger

Dabei wurde mit Zustimmung des Fränkischen Sängerbundes "1865" als Gründungsjahr festgelegt, das auch auf dem Pokal genannt wird. Damit darf sich der MGV seither als förmlicher Rechtsnachfolger des ersten Sängerbundes betrachten, dessen exakte Gründung aber erst 1989 einwandfrei geklärt werden konnte.

Eine hohe Auszeichnung bildete auch die Verleihung der Karl-Friedrich-Zelter-Plakette im Mai 1965 in Ottobeuren durch den damaligen Bundespräsidenten Dr. Heinrich Lübke sowie die glanzvolle Feier des 100-jährigen Gründungsfestes im September 1965.

Universaler Klangkörper

Seither hat sich der MGV mit zahlreichen Konzerten, Gottesdiensten und musikalischen Auftritten in der Öffentlichkeit erfolgreich präsentiert und konnte sich dank der Fähigkeiten seiner Chorleiter Heinrich Bornschlegl, Anton Zimmert, Otto Rieger und Andreas Sagstetter zu einem universalen Klangkörper entwickeln, der mit dem Kulturleben der Klosterstadt untrennbar verbunden ist.
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