Geschäftsfelder mit Zuwächsen

Der Produktionsstandort der Ziegelwerk Waldsassen AG Hart-Keramik in Schirnding. Links das 1994 eingeweihte Poroton-Werk, in dem nun Mantel-Ziegelsteine für Schornsteine gefertigt werden. Bild: hfz
Lokales
Waldsassen
30.03.2015
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Ziegel bilden schon längst nicht mehr die Grundlage für den wirtschaftlichen Erfolg des Baustoff-Herstellers. Deshalb richtet sich die Ziegelwerk Waldsassen AG Hart Keramik neu aus. Das Unternehmen konzentriert sich auf Produkte, die Wachstum versprechen.

Das traditionsreiche Familienunternehmen will sich vor diesem Hintergrund ausschließlich auf die Fertigung von Keramik-Schornsteinrohren und Lemix-Platten konzentrieren. Sitz der Verwaltung ist Waldsassen, die Produktionsanlagen sind im oberfränkischen Nachbarort Schirnding ansässig.

Von zweistelligen Zuwachsraten und einem Exportanteil von 58 Prozent bei Keramikrohren in Jahr 2014 sowie von einer deutlich steigenden Nachfrage berichtet Aufsichtsratsvorsitzender Anton Wolfgang Hart in einer Pressemitteilung zur anstehenden Veränderung zum 1. April. Dem gegenüber stehe aber der seit längerer Zeit zurückgehende Absatz von Ziegeln.

Vertrieb über Wienerberger

"Um die wirtschaftliche Basis langfristig zu erhalten und Arbeitsplätze in der Region zu sichern, zieht die Unternehmensleitung Konsequenzen", heißt es. Der Vertrieb von Poroton-Ziegeln in der Region wird von der Wienerberger GmbH übernommen. Diese habe zugesichert, die langjährig erfahrenen und gut vernetzten Vertriebsmitarbeiter sowie die Anwendungstechnik aus dem Ziegelbereich zu übernehmen. Im Schirndinger Werk II werden in Zukunft ausschließlich Ziegel-Mantelsteine produziert, die ähnlich wie die anderen erfolgreichen Hart-Produkte überregional verkauft werden können. Von der Neupositionierung betroffen ist der Fuhrpark. Er geht auf das Logistikunternehmen Wormser in Herzogenaurach über. Drei Fahrzeuge bleiben in Schirnding stationiert, werden aber ebenfalls künftig von Wormser betrieben. Die Spedition hat angeboten, die 7 Mitarbeiter des Hart-Fuhrparks bei ihm einzustellen, da auch der Werksfernverkehr Bestandteil der Übernahme ist.

"Jeder, der Hart Keramik, seine jahrhundertealte Ziegeltradition und auch mich persönlich kennt, wird sich vorstellen können, wie schwer uns dieser sehr schmerzhafte Schritt gefallen ist", sagt Anton W. Hart. Doch könne man den Ziegelbereich sowie den Fuhrpark nicht länger mit Hilfe der hohen Zuwächse aus den anderen Geschäftsfeldern quer subventionieren. Angesichts der über 100 Mitarbeiter und ihrer Familien wäre es verantwortungslos, eine wertvolle Tradition des Unternehmens dem wirtschaftlichen Wohlergehen überzuordnen.

"Die Wiedervereinigung hat uns in den 1990er Jahren noch einmal einen enormen Wachstumsschub bei Poroton-Ziegeln gebracht", berichtet Hart. Damals entstand das moderne Ziegelwerk II in Schirnding. Seitdem ist der Ziegelmarkt insgesamt dramatisch rückläufig. Betrug das Bauvolumen 1994/1995 noch 600 000 neue Wohneinheiten (WE) pro Jahr, so sank dieser Wert bis 2012 auf nur noch 160.000 WE. So setzte bereits vor über 15 Jahren ein Konzentrations- und Bereinigungsprozess ein, in dessen Folge viele Ziegelwerke aufgeben mussten. Dass sich der Markt wieder zu neuen Höhen entwickelt, glaubt Hart nicht: "Unser Ziegel-Absatzgebiet umfasst die nördliche Oberpfalz, Teile von Oberfranken und das Vogtland bis hin zum tschechischen Bäderdreieck. Genau diese Regionen sind aber keine Wachstumsgebiete." Dagegen spreche allein schon die Demografie.

Arbeitsplatz-Sicherung

"Mit unseren überregionalen Wachstumsprodukten Keramik-Schornsteinrohre und Lemix Lehmbauplatten sowie den im Werk II produzierten Ziegel-Mantelsteinen werden wir von diesen Problemen in Zukunft weitaus weniger tangiert sein. So können wir langfristig zur Sicherung von Arbeitsplätzen in der Region beitragen", sagte Hart abschließend.
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