Große Werke, kleines Publikum

Zuhörer haben ihre Setzwein-Bücher mit in die Lesung gebracht, um sie vom Autor signieren zu lassen. Bild: ubb
Lokales
Waldsassen
20.07.2015
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"Hier wollte ich schon immer einmal vorlesen", sagte Bernhard Setzwein im Bibliothekssaal. Dort war es zwar viel zu heiß. Dennoch genossen etwa 20 Zuhörer den Abend.

Im Hintergrund glänzten die mit silbergrauer Patina überzogenen uralten Werke einstiger Zisterziensermönche im matten Schimmer der antiken Leselampe, als etwa 20 Zuhörer angespannt Bernhard Setzweins Vortrag zuhörten. Sogar der hölzerne Atlant im Hintergrund schien aufmerksam zu lauschen, als der wohl berühmteste zeitgenössische Schriftsteller Bayerns von den Erlebnissen seiner Protagonisten in seiner Trilogie erzählte.

Starke Charaktere

Setzwein ist einer, der ein wenig aufmerksamer zuzuhören vermag als andere, der hinter die Fassaden der Menschlichkeit hören kann. Es sind die feinen Nuancen und Spitzfindigkeiten, die seinen Schreibstil einmalig machen. Seine Hauptdarsteller sind extrem starke Charaktere, lebendiger als manch Lebender kommen sie daher. Kaum vorstellbar, dass Bohumila, Wirtin des Wirtshauses "Die grüne Jungfer" im fiktiven tschechischen Dorf Hlavanice, nur eine Romanfigur sein soll.

So und nicht anders

Der Baulöwe Multerer aus Deutschland will die beschauliche Idylle mit dem Bau einer Hühnerfarm zerstören. Köstlich, wie die Einheimischen es schaffen, dieses "Hühner-KZ" zu verhindern. Herrlich auch die überspitzt beschriebenen Anstrengungen des Spitzels Lovec, dessen einzige Lebensaufgabe es scheint, Mucha zu bespitzeln. So und nicht anders war es, als sich die Grenzen öffneten und die Menschen hüben und drüben völlig überfordert waren mit diesen neu gewonnenen, beidseitigen Freiheiten.

Amüsant zu hören waren aber auch Auszüge aus Setzweins Wanderung von Pilsen nach Prag gemeinsam mit den Schriftstellerkollegen Harald Grill und Friedrich Brandl. Dort dreht sich vieles um "Verirrungen" beim Verlaufen auf der Wegstrecke und einiges um eine "Schnitzel-Testreise" in dörflich geprägten Gasthäusern wie in Wilchenreuth.

Vom Schnitzel zum Bier nach Bärnau: Die dortige Zoiglstube hat ungeahnte Berühmtheit erlangt. Als Glossenschreiber nahm Setzwein das untergärige Bier zum Thema für eine Münchener Zeitung. "Zoigl" war am Ende der Lesung dann auch das Schlüsselwort für Ludwig Spreitzer, der den Schriftsteller anfangs eingeführt hatte. Aus Mangel eines eigentlich vorzubereitenden Geschenkes für den Vortragenden, was sich meist in Form eines Blumenstraußes ausdrückt, lud Spreitzer den Waldmünchener kurzerhand zum Waldsassener Zoigl ein.

Also marschierte man nach dem Signieren etlicher Bücher und nach viel Applaus vom Publikum in besagte Richtung. Ob sich der Restabend gleichermaßen fortgesetzt hat wie beim Bärnauer Zoigl bleibt "top secret". Schließlich muss selbst ein berühmter Autor auch das eine oder andere Mal ohne jegliche Öffentlichkeit ein Bier trinken dürfen.

Die neuen Projekte

Neue Projekte des Autors dürfen öffentlich gemacht werden: Setzwein, der unter anderem ein Theaterstück über "den letzten Henker von Weiden" geschrieben hat, arbeitet an einem Werk über Dieter Bonhoeffer, der im KZ Flossenbürg ermordet wurde. Aufgeführt soll das Drama nächstes Jahr in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg durch das Landestheater Oberpfalz (LTO) werden.
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