Klage gegen Regionaltrasse steht

Mit einem Geschenk verabschiedete Horst Gesell (rechts) Johannes Schuster (links), der sich nach 24 Jahren aus der Gruppe der Vorstandsprecher der Bürgeraktion zurückzieht. Bild: kro
Lokales
Waldsassen
30.11.2015
18
0

"Es waren Lügen von ganz oben bis unten", empörte sich Horst Gesell. Nun lägen nach einer Zählung aktuelle Zahlen vor: 800 Lastwagen donnern täglich durch Waldsassen. Der Sprecher der Bürgeraktion sparte auch im weiteren Verlauf der Versammlung nicht mit harscher Kritik.

Die vor rund 20 Jahren ins Leben gerufene Bürgeraktion "Mitmachen lohnt - Echte Umgehung - Tatsächliche Entlastung" hatte am Freitag zur Jahreshauptversammlung in den Gasthof Schmid-Papierer geladen. Das Treffen war hervorragend besucht. Vorstandssprecher Horst Gesell stellte heraus: "Wir haben es nun Schwarz auf Weiß." Die Umgehung von Waldsassen laufe nicht über Schirnding-Arzberg-Marktredwitz, "die Umgehung von Waldsassen ist eine Ost-West-Magistrale durch Waldsassen".

800 Lastwagen täglich - das Straßenbauamt habe für 2025 die Hälfte prognostiziert. Falschinformationen hätten nun ein Ende, nachdem all das eingetreten sei, was die Bürgeraktion schon vor 20 Jahren gesagt habe. Somit seien alle Lärm- und Feinstaubwerte falsch, die das Straßenbauamt beim Erörterungstermin vorgestellt habe, so Gesell. "Eine Frechheit, so in eine Erörterung zu gehen." Größere Städte müssten sich Verkehrskonzepte überlegen, um Feinstaubbelastungen aus der Stadt zu bekommen. Und was mache Waldsassen, es hole sich 1000 Lastwagen und mehr in die Stadt. Das Bundesverkehrsministerium habe schon vor 20 Jahren festgestellt, dass nur eine echte Umgehung die zu erwartende Verkehrsflut meistern könne. Doch die Mehrheitsfraktion habe sich mit ihrem "Nick-Anhang" zusammen mit dem Straßenbauamt entgegen aller Aussagen kompetenter Fachleute für ein Provisorium Bahntrasse entschieden. Gesell wörtlich: "Gott sei Dank hat das Gericht diese vorzügliche Planung der Mehrheitsfraktion 2003 als menschenverachtend verworfen."

"Rumgeeiere"

Den Erörterungstermin des Straßenbauamts bezeichnete Horst Gesell als "Rumgeeiere". Das Straßenbauamt habe wohl noch gar nicht bemerkt, dass die Grenze offen sei "und der internationale Lkw-Verkehr durch Waldsassen rollt". Die Bürgeraktion habe schon vor 20 Jahren erkannt, dass nur eine echte Umgehung die Verkehrsprobleme löse. Sie habe mit Weitblick erkannt, welcher Verkehr auf Waldsassen zurolle. Eine echte Umgehung würde für die Waldsassener Bürger keinerlei Belastung und Kosten bringen. Gesell weiter: Die Kapplwaldtrasse sei nie die Trasse der Bürgeraktion gewesen. "Dass wir noch keine Umgehung haben, liegt an der Mehrheitsfraktion, die an der Bahntrasse festhält." Er hoffe, "dass das Gericht für die Menschen entscheidet, für eine gute Zukunft Waldsassens, damit sich künftige Generationen über eine weiträumige Umgehung freuen können".

Hoch motiviert

Johannes Schuster ging noch detaillierter auf den Erörterungstermin vom 22. Juli dieses Jahres ein. "Das Blabla war nur schwer zu ertragen." Er werde weiterhin den Finger in die offene Wunde legen, auch wenn er nun nach 24 Jahren als Vorstandssprecher der Bürgeraktion ins zweite Glied trete. Der dritte Vorstandssprecher der Bürgeraktion, Ludwig Wolf, verwies darauf, dass die Bürgeraktion sehr gut aufgestellt und hoch motiviert sei. Die Klage gegen die Regionaltrasse sei vorbereitet und finanziell gesichert.

Wolf wehrte sich gegen eine "menschenverachtende Verkehrslösung", die gegen den Mehrheitswillen der Einwohner verwirklicht werden solle. Durch diese "Stadtdurchfahrung" würden nur Nachteile entstehen. Wolf: "Haben sich nicht der Bürgermeister und die Stadträte durch Amtseid verpflichtet, Schaden von der Stadt und den Bürgern abzuwenden?" Die Umgehung von Waldsassen könnte längst fertig sein, so Wolf. Doch das habe die CSU verhindert. Die CSU sei 1990/91 der Meinung gewesen, Waldsassen bekomme zwei Straßen. Die gleiche Fraktion habe vier Jahre lang eine echte Umgehung gefordert "und erklärte damals die Bahntrasse ausdrücklich für untauglich, ehe sie später die Bahntrasse plötzlich wollte". Er habe den Eindruck, dass der Waldsassener Stadtrat zum beliebigen Spielball des Straßenbauamts geworden sei, so Wolf. Die Bürgeraktion fordere deshalb eine Sperrung des Lkw-Transit-Verkehrs durch Waldsassen, bis eine echte Umgehung realisiert sei. Dies werde auch von der Mehrheit der Waldsassener unterstützt.
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2015 (9610)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.