Kloster kündigt Mitarbeitern

Traurige Gesichter im Kloster Waldsassen sind ein eher seltener Anblick. Gestern musste Äbtissin Laetitia Fech 14 weltlichen Mitarbeitern mitteilen, dass ihre Tätigkeit für die Abtei spätestens Ende September endet. Unser Bild zeigt von links: Thorsten Walther, Sr. M. Sophia, Äbtissin Laetitia und Dr. Jan R. Schmid. Bild: Grüner
Lokales
Waldsassen
02.03.2015
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"Es ist die schwerste Entscheidung, die ich während meiner Amtszeit treffen musste", sagte Äbtissin Laetitia Fech am Montag bei einem Gespräch mit unserer Zeitung. Am Vormittag hatte die Klosterchefin bei einer Betriebsversammlung alle 14 weltlichen Mitarbeiter von deren Entlassung informiert.

Arbeitslos wird aber niemand. Das Kloster hat für neue Arbeitsplätze in anderen Firmen gesorgt, darunter der Maschinenring, die Katholische Jugendfürsorge oder die Reinigungsfirma Götz. Die Betroffenen können bis spätestens 30. September in den neuen Job wechseln. Wenn sie wollen auch schon früher.

Betroffen sind die Hausmeister, Putzkräfte, Mitarbeiter in der Verwaltung, an der Pforte und in der Bibliothek. Das Kloster wird künftig bei Bedarf entsprechende Dienstleistungen über externe Unternehmen abdecken. Die am längsten Beschäftigte arbeitet bereits seit 29 Jahren im Kloster. Im Durchschnitt sind die betroffenen Mitarbeiter seit 15 Jahren dort angestellt.

Die Kündigungen seien ein unumgänglicher Schritt, wie die Chefin der Zisterzienserinnen-Abtei mitteilte, soll die 875-jährige Tradition bewahrt werden. "Würden wir nicht in dieser Weise handeln, wäre das Kloster in fünf Jahren nicht mehr lebensfähig."

Andere nicht betroffen

Nicht betroffen sind die Mitarbeiter der anderen Klosterbetriebe. Dazu gehören das Gästehaus St. Joseph, der Klosterladen, die Mädchenrealschule, das Kultur- und Begegnungszentrum der Abtei. Dort sind inklusive Halbtagsstellen und Mini-Jobber insgesamt 63 Arbeitnehmer angestellt. Auch das Projekt "Mühlenviertel" ist nicht betroffen. "Im Gegenteil", so der Projektsteuerer des Hauses Sankt Joseph, Dr. Jan R. Schmid. "Hätte die Äbtissin jetzt nicht in dieser Weise gehandelt, wäre irgendwann das ganze Kloster betroffen." Um die Abwicklung für alle Beteiligten verträglich über die Bühne zu bringen, hat sich die Klosterchefin neben Dr. Schmid noch den Rechtsanwalt Thorsten Walther, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Bayreuth, mit ins Boot geholt.

Zu den Ursachen erklärten die Sprecher, dass unter anderem die Besucherzahl der Bibliothek im Vergleich mit 2008 von 85 000 auf 55 000 geschrumpft sei. Auch die Schülerzahl sei im Vergleich zu hervorragenden Jahren zwischen 2004 und 2009 um ein Viertel oder 120 Schülerinnen zurückgegangen. Das bedeute auch weniger Arbeit, zum Beispiel für die Hausmeister.

Keine Alternative

"Ich habe schweren Herzens ,Ja' zu dieser Entscheidung gesagt, weil ich will, dass dieser Ort weiterlebt", erklärte die Äbtissin. Das vergangene halbe Jahr habe sie damit verbracht, für ihre ehemaligen Bediensteten adäquate Stellen zu finden. "Mir ist es sehr wichtig, für unsere Mitarbeiter zu sorgen. Ein wirklich schwerer Schritt, der nur eine Alternative hätte - das Kloster wirtschaftlich scheitern zu lassen."

Lange zuvor sei sie auf "Betteltour" unterwegs gewesen, um nach monetären Problemlösungen zu suchen. Aber in diesem Fall konnte ihr nicht einmal Ministerpräsident Horst Seehofer weiterhelfen.
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