Klosterstadt schon vor 125 Jahren eine Art Hochburg des Radfahrens - Historische Standarte wird ...
Wappenförmiges Metallschild mit Hochrad als Abzeichen

Das schildförmige Mitgliederabzeichen des Radfahrer-Vereins Waldsassen von 1891.
Lokales
Waldsassen
09.05.2015
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Profis und Laien gleichermaßen fasziniert das Radsportereignis in der kommenden Woche. Dabei war die Klosterstadt schon vor rund 125 Jahren eine Art Hochburg des Radfahrens: Der moderne Radsport war um 1890 auch im Stiftland heimisch geworden. Am 30. März 1891 ist ein eigener Radfahrer-Verein ins Leben gerufen worden - mit Max Bergmann als Vorstand, G. Ludwig als Schriftführer und dem Kaufmann Hans Rockstroh als Fahrwart. Noch im Gründungsjahr gab es einen "Festcorso mit Musik" und im Sommer 1892 ein Straßen-Wettfahren auf der damaligen Staatsstraße Waldsassen-Eger. Als Abzeichen trugen die Mitglieder ein kleines, wappenförmiges Metallschild mit einem Hochrad darauf und der Umschrift "1891 Radf.Verein Waldsassen".

Im Kloster gefertigt

Im Frühjahr 1893 ist eine vereinseigene Standarte angeschafft worden; am 13. und 14. Mai 1893 ist die Weihe vollzogen worden. Es gab eine Fahnenpatin und 12 Festdamen. Nach der Art ihrer Ausführung dürfte die Standarte wohl im Waldsassener Frauenkloster gefertigt worden sein. Das gute Stück hat sich - trotz seiner akuten Gefährdung bei Kriegsende 1945 - bis heute erhalten und wird im Stiftlandmuseum verwahrt. Ende 1897 hatte man auch im Königreich Bayern die Bedeutung des Fahrrads als neues Verkehrsmittel erkannt. Dabei wurden nun zum 1. März 1898 eigene "Oberpolizeiliche Vorschriften über den Radfahrverkehr" erlassen mit 17 Paragraphen, die zahlreiche Details enthielten und von den Radlern fortan genau befolgt werden sollten, um nicht eine Geldstrafe bis zu 60 Reichsmark oder gar eine Haft bis zu 14 Tagen zu gewärtigen.

Danach musste z.B. jedes Fahrrad mit einer sicher wirkenden Hemmvorrichtung (also mit einer Bremse) und einer Signalglocke ausgestattet sein. Außerdem hatte jedes Fahrrad bei Dunkelheit während der Fahrt auch eine hell brennende Laterne aufzuweisen, deren Licht nach vorne fiel. Bei Beanstandungen war der Radfahrer verpflichtet, auf Anruf durch Polizisten oder Aufsichtsorgane sofort anzuhalten und "abzusitzen".

Die wichtigste Neuerung ab 1898 war auch, dass jeder Radfahrer nun eine von der Orts-Polizeibehörde ausgestellte Radfahrkarte mit sich führen musste, um sich bei Fahrten auf öffentlichen Straßen und Wegen ausweisen zu können. Im Volksleben galt für die Radfahrer-Vereine das Motto "All Heil", was auch auf diversen Postkarten zu sehen war.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Radsport immer beliebter. So entstanden nun auch in den umliegenden Orten weitere Radfahrer-Vereine, etwa in Mitterteich, Kondrau, Falkenberg und Neualbenreuth. Im Juli 1931 feierte der Radfahrerverein Concordia Waldsassen 40-jähriges Gründungsfest. Dazu hielt man frühmorgens ein Straßenrennen von Waldsassen über Mitterteich und Konnersreuth zurück nach Waldsassen und nachmittags einen Festzug mit Preiskorso durch die Straßen der Stadt zum Festplatz beim Klosterkeller.

Radfahrervereine mussten 1933 ihre Tätigkeit einstellen. Durch Vermittlung des letzten Vorstandes Otto Ernst kam die Standarte 1976 ins Stiftlandmuseum Waldsassen.
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