"Lehrer war immer mein Traumjob"

Ludwig Spreitzer mit seinem geliebten Ur-Audi TT. Seit März 1999 ist ihm das Gefährt treuer Begleiter. Über eine halbe Million Kilometer ist er schon damit gefahren, ohne dass ihn das Gefährt je im Stich gelassen hat. Bilder: Grüner
Lokales
Waldsassen
27.11.2015
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Wenn es seine Zeit zulässt, besucht Ludwig Spreitzer seinen Sohn Björn, der mit Familie in Neuseeland und aktuell für zwei Jahre in Los Angeles lebt. Besonders freut er sich dann auf die Enkelkinder Isabel und Ben.
 
Alle 132 Perry Rhodan-Silberbände hat Ludwig Spreitzer nicht nur im Regal stehen, sondern auch gelesen. Die letzten drei allerdings auf dem ebook-reader, gesteht er. "Da kann ich mir die Schrift nach Belieben größer ziehen."

Er ist einer von denen, die, dort wo sie agieren, jeder kennt. Ludwig Spreitzer war Lehrer, Schulrat, Trainer und Funktionär beim SV Waldsassen, CSU-Politiker, und, und, und - ein Macher halt. In Waldsassen fühlt sich der gebürtige Regensburger schon lange zu Hause.

Dabei war das keineswegs die Liebe auf den ersten Blick. Als der Junglehrer im September 1963 mit dem Opel Rekord des Vaters um 17 Uhr in Waldsassen ankommt, steckt er erst einmal im Stau. 1700 Leute sind damals in den Porzellanfabriken beschäftigt und die wollen alle auf einen Schlag nach Hause. Nirgendwo findet er ein Zimmer. "So verbrachte ich meine erste Nacht auf dem Canapé des ehemaligen Rektors der Knabenschule, Hans Haberkorn, der sich rührend um mich gekümmert hat." Vier Stunden braucht der damals 23-Jährige für die Fahrt von Regensburg in die Klosterstadt. "Bei Luhe war die Straße noch nicht einmal geteert", erinnert er sich. "Mein erster Gedanke bei der Ankunft: Da bleibe ich keine Stunde." In den kommenden Wochen lernt er "nette, pfundige" Leute kennen. "Die Schüler nahmen mich mit zum Fußballplatz. Herzlich wurde ich beim SV aufgenommen. Weihnachten war klar: Hier bleibe ich. Der Fußball war schuld, dass ich hängengeblieben bin." Spreitzer avanciert unter Vorsitzendem Alois Bergauer und Spielleiter Adolf Bayerl zum erfolgreichsten Schülertrainer des Vereins. "Wir waren praktisch unschlagbar".

Aber nicht nur der Sport hält den Regensburger fest. Da gibt es auch noch Hildegard Lindner, Waldsassenerin und auch Lehrerin, die Ludwig Spreitzer die Vorstellung versüßt in der Klosterstadt zu bleiben. Am 3. März 1973 heiraten sie. Im selben Jahr wird Tochter Annette geboren, zwei Jahre später Sohn Björn.

Nachdem Spreitzer an einer Regensburger Schule als "Feuerwehr" agiert hatte, war Waldsassen seine erste richtige Stelle. Ihn begeistern die Lehrerkollegen und die moderne Ausstattung der Knabenschule (heutige Grundschule). "Ein hochmodernes Haus. Da gab es sogar einen Matritzendrucker und die Tafeln waren ganz neu. Da konnten die Regensburger nicht mithalten, was übrigens heute nicht anders ist." Etwa 350 Schüler sind zu unterrichten in Klassen mit bis zu 60 Kindern.

Entscheidung nie bereut

Ludwig Spreitzer stammt aus einer Unternehmerfamilie. Die Eltern betrieben in der Bezirkshauptstadt ein florierendes Transportunternehmen. "Freilich wollten sie, dass ich da einsteige. Mein Vater sagte immer, du wirst schon sehen, wie wenig du als Lehrer verdienst."

Ludwig Spreitzer hat den Lkw-Führerschein gemacht, ist Touren gefahren und hat im Büro mitgearbeitet. Aber mit 17 Jahren stand fest: "Ich werde Lehrer. Diese Entscheidung habe ich nie bereut, das war immer mein Traumjob. Ich hatte auch das Glück, dass ich alle 10 bis 14 Jahre neue Herausforderungen übernehmen durfte. Das war ganz wichtig für mich. Ich fing in der dritten und vierten Klasse an, bekam dann eine Fünfte, lehrte zwei Jahre an der Sonderschule, meinem Freund Hans Deinzer zuliebe, der sie als Rektor gerade aufbaute." Mit 31 Jahren wird Spreitzer Seminarleiter und ist für die Ausbildung der Junglehrer verantwortlich. Das war 1971. Mit der Ernennung erfolgt auch der Umzug in die neu gebaute Hauptschule (heute Mittelschule).

Fünf Jahre später wird der damalige Rektor Hans Neubauer Schulrat in Neumarkt. "Mein Ego (Spreitzer ist Sternzeichen Stier) hätte es nicht verkraftet, wenn wir, nachdem wir hier schon viel erreicht hatten, das Feld einem von außen überlassen hätten. Ich bewarb mich auf die Rektorenstelle und bekam sie. Da war ich 36.

Einiges auf Füße gestellt

Schon während meiner Seminarzeit lernte ich zahlreiche gute junge Lehrer kennen. Ich strebte an, dass sich viele nach Waldsassen bewarben und gemeinsam haben wir einiges auf die Füße gestellt. Das Musiktheater zusammen mit Otto Rieger, die Schülerzeitung ,Hoppla', die Schulpartnerschaft mit Pencoed in Wales. Damals alles Dinge, die neu waren. Und wir waren erfolgreich. Etwas anderes hätte ich auch nicht akzeptiert, denn Stillstand ist Rückschritt."

14 Jahre ist Spreitzer Rektor an der Hauptschule bevor er für die kommenden 15 Jahre bis zur Pensionierung ans Schulamt berufen wird. Zuerst als Schulrat, danach als Schulamtsdirektor. Mit 44 Jahren kommt er spät zur Politik. Doch auch hier bringen ihn Ehrgeiz und Durchhaltevermögen schnell weiter. "Das war eine echte Zäsur." Seine Aktivitäten beim SV Waldsassen hängt er komplett an den Nagel, bevor er 1984 für die CSU als Stadtrat kandidiert. "Bürgermeister Franz Fischer und Hans Schraml haben mich solange gedrängt, bis ich nachgab. Da war ich jetzt also bei der CSU, obwohl ich meine besten Freunde eigentlich bei der SPD hatte. Aber mit den Zielen der Schwarzen konnte ich mich stets besser identifizieren."

24 Jahre ist Spreitzer im Stadtrat aktiv, 20 Jahre davon als Fraktionsvorsitzender. Zwölf Jahre ist er der Stellvertreter des Bürgermeisters. Die Kandidatur für das Bürgermeisteramt lehnt der Schulmann aber kategorisch ab. "Das war für mich völlig ausgeschlossen." Es folgen 14 Jahre Bezirkstag. Dort ist er Kulturreferent und später auch Vizepräsident.

Als Vorsitzender des Kulturausschusses bringt er vieles auf einen guten Weg. "Das war schon stressig." Mindestens drei Mal pro Woche fährt er nach Regensburg und an den Wochenenden macht er zusätzlich Termine. "Obwohl mir einer zugestanden wäre habe ich nie einen Fahrer geordert."

Am 15. März 1999 wird sein Audi TT zugelassen. Jetzt braucht er eine Stunde zwischen Bezirkshaupt- und Klosterstadt. In all den Jahren hat ihn das Fahrzeug nie im Stich gelassen. Über eine halbe Million Kilometer hat er damit bis dato zurückgelegt. Seit seinem Ruhestand 2005 ist Spreitzer Vizepräsident des Oberpfälzer Kulturbundes. Den Job will er Ende des Jahres beenden. Seit 2002 sitzt er im Kreistag. Im Moment ist er zu seinen Lehrer-Wurzeln zurückgekehrt und vermittelt Asylsuchenden in Waldsassen unsere Sprache.

Viel Zeit verbringt er im Kloster. Er agiert im Stiftungsvorstand des Kultur- und Begegnungszentrums, ist Stiftungsrat im Kuratorium, Vorsitzender des AK Kultur und Musik und im Vorstand des Fördervereins. Seit 14. Mai 2014 ist er "Familiar" der Abtei . Für Hobbys und Entspannung bleibt da nur wenig Zeit.

Obwohl er sich freute im Ruhestand endlich länger schlafen zu können, wacht er auch heute um fünf Minuten vor sechs auf. Die Zeit nutzt er für eine Stunde Spazierengehen im Wald.


Aquarelle und Geschichten

Zur Entspannung genießt er die leichte Musik. Die beginnt bei seiner Lieblingsgruppe Abba und geht über Johnny Cash bis zu Mozart und Händel. Mit schwereren Kompositionen kann er sich nicht identifizieren. "Wagner ist ungenießbar für mich!"

Früher hat er gerne Aquarelle gemalt, das letzte vor etwa 20 Jahren. Manchmal schreibt er Kurzgeschichten. In der Literatur hat er ebenfalls einen sehr populären Helden. Der heißt Perry Rhodan und bewahrt seit 1961 die Erde vor Schäden aller Art aus dem All. Alle 132 Bände der Silberreihe stehen im Regal in Ludwig Spreitzers Arbeitszimmer.
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