Mit Keller und Bräugeschirr

Lokales
Waldsassen
04.01.2015
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Das frühere Gasthaus "zum unteren Malzer" bereichert jetzt als "Musikanten-Platzl-Zoigl" die Palette der heimischen Gastronomie. Das von Franz Schwarzmeier geführte Haus ist eine echte Traditionsgaststätte, wie sie in der Klosterstadt sonst nicht mehr zu finden ist.

Aus alten Aufzeichnungen ist zu ersehen, dass schon 1857 an dieser Stelle, also in den Vorgänger-Anwesen der Familien Joseph Lindner auf Haus-Nr. 1 und Jakob Malzer auf Haus-Nr. 2 zwei brauberechtigte Bürger saßen, die beide mit "Keller und Bräugeschirr versehen" waren und wo in einem eigenen Schankzimmer zeitweise das selbstgebraute Bier ausgeschenkt wurde.

Historisch war die Häuserreihe bereits um 1614 entstanden mit der Ansiedlung und dem "Stadtbau" durch die Gebrüder Geisl. Im Zuge der Umwälzungen nach dem Stadtbrand vom 5. September 1870 kaufte Jakob Malzer die Brandstätte von Haus-Nr. 1 hinzu, um nun die beiden Häuser samt Nebengebäuden neu zu erstellen. Als sich im aufstrebenden Markt Waldsassen um 1880 auch das gesellschaftliche Leben verstärkte, entschloss sich der Metzgermeister Jakob Malzer (1822 - 1889) zusammen mit seiner Gattin Eleonore, in seinem Hause neben der eingeführten Metzgerei auch eine Bierwirtschaft einzurichten, welche jedenfalls 1883 schon verzeichnet ist. Zum Anwesen gehörte auch noch eine Landwirtschaft. Dabei war die Bierwirtschaft von Jakob Malzer damals nur eine von 37 solcher Wirtschaften im Ort.

Aber die Menschen fühlten sich hier offenbar heimisch, da etwa der Burschenverein hier 1884 entstand und sich verschiedene Vereine regelmäßig einfanden. 1885 übertrug Jakob Malzer das Stammhaus Nr. 2 an seinen Sohn Josef Malzer, behielt aber die Metzgerei und Bierwirtschaft auf Haus-Nr. 1 selbst, die nach seinem Tod 1889 auf die Witwe übergingen.

Vom Bäcker zum Gastwirt

Im Juli 1893 - nur wenige Tage vor ihrem Tod - übergab sie das Malzer-Anwesen Haus-Nr. 1 an ihren Sohn Anton Malzer. Der war ein gelernter Bäcker, der nun eilends zum Metzger und Gastwirt umschulen musste, um die Familientradition fortführen zu können. Der neue Inhaber Anton Malzer (1870 - 1931) war eine integere Persönlichkeit, der bald in seine Aufgaben hineinwuchs. 1895 heiratete er Anna Rosner, eine Getreidehändlerstochter aus Waldsassen, wobei aus der Ehe 10 Kinder hervorgingen und alle tüchtige Söhne und Töchter wurden. 1896 erreichte Anton Malzer, dass er im Lokal auch Wein ausschenken durfte, um den gestiegenen Ansprüchen der Gäste gerecht zu werden.

Schließlich wurde Waldsassen im gleichen Jahr zur Stadt erhoben und gewann der Ort durch die Industrialisierung immer mehr an Bedeutung und Bewohner. 1898 wird das Lokal bereits als das "Malzer'sche Wirtshaus" bezeichnet, wo zum Beispiel das Forstamt auch Holz versteigern ließ.

Somit hatte sich das Haus in 15 Jahren von der einfachen Bierschenke zum beliebten Gasthaus entwickelt, wo man gerne einkehren konnte. Überdies genoss der Inhaber Anton Malzer als Feuerwehrkommandant, wie als Stadtratsmitglied allgemein hohes Ansehen. Freilich erhielt der "Jakl-Dane", wie er liebevoll genannt wurde, auch hohe Ehrungen und Auszeichnungen.

Nach seinem frühen Tod 1931 führte seine Witwe die Metzgerei und die Gastwirtschaft mit ihren Kindern fort. Mit ihrem Tod 1956 fiel das Anwesen samt Gast- und Landwirtschaft und der Metzgerei an den Sohn Max Malzer, der nun den Betrieb mit seiner Gattin Josefa aus Mammersreuth ausführte.

Tagesgaststätte

Beide überschrieben 1974 das Anwesen auf den Bruder Johann Malzer und an dessen Sohn Willi Malzer. Im Sommer 1988 entschlossen sich Willi und Sieglinde Malzer, Metzgerei und Gasthaus als Tagesgaststätte weiter zu führen. Beide zogen sich vor wenigen Jahren zurück - wegen eines fehlenden Nachfolgers und aus Altersgründen.
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