Mit zwei Rädern auf zu Gott

Helm ab vor dem Altar: Der Motorradgottesdienst in der Basilika sorgte für hautnahe Eindrücke. Bild: kro
Lokales
Waldsassen
16.06.2015
13
0

Eigentlich ist er ein "Schisser". Zumindest, was das Motorradfahren betrifft. Doch der Stadtpfarrer ließ sich darauf ein und hatte Spaß. Den versammelten Bikern empfahl er Ähnliches in Sachen Glauben.

"Auf zu Gott", sagte einer der vielen Motorradfahrer beim Start vom Legat-Parkplatz zur Basilika. Und so war es auch. Denn die mehr als 400 Motorräder starteten zur Basilika, zum traditionellen Motorradgottesdienst. Ebenso traditionell angeführt von Raimund Pritzl, der Stadtpfarrer Thomas Vogl und seine vierjährige Nichte Mia im Beiwagen dabei hatte, bewegte sich der eindrucksvolle Konvoi durch die Stadt.

Die Basilika war zu diesem Anlass wie immer völlig überfüllt. In seiner Predigt ging der Geistliche zunächst auf seinen Freund Otto Grillmeier aus Kondrau ein, der als Mönch und Pater in Bozen (Südtirol) wirkt. Der Stadtpfarrer erzählte, dass er vor einigen Wochen bei ihm für ein paar Tage zu Besuch war. Pater Otto Grillmeier ist ein begeisterter Motorradfahrer, der eigentlich diesmal beim Gottesdienst in Waldsassen hätte predigen sollen. Doch er musste absagen, weil in Südtirol "Herz Jesu" gefeiert wird, was dort fast ein Nationalfeiertag sei.

Jedenfalls lud Pater Grillmeier den Stadtpfarrer bei seinem Besuch zu einer Motorradtour an den Gardasee ein. Thomas Vogl gestand, er sei eigentlich ein "Schisser", was dies angehe. Dennoch habe er sich überreden lassen. Otto Grillmeier sei ein versierter Motorradfahrer, und so habe ihm die Fahrt nach anfänglichem Zögern auch sehr viel Spaß bereitet - vor allem dann, wenn sich das Zweirad an den wartenden Auto vorbei schlängelte.

Beifall für Predigt

Mit dem Glauben sei es ähnlich, spannte Vogl den thematischen Bogen: Viele scheuten das Risiko, sich darauf einzulassen, mit Gott unterwegs zu sein. Zum Rüstzeug des Glaubens gehörten die Taufe, die Kommunion, die Firmung. Danach liege es an jedem Einzelnen, sich mit dem Glauben einzulassen und ihn zu vertiefen. So ähnlich sei es ihm als Motorradbeifahrer gegangen: Hätte er die Motorradkluft nicht übergezogen und wäre nicht mitgefahren, hätte er dieses Erlebnis nicht gehabt. Genauso verhalte es sich mit Gott. "Der Glaube gibt im Leben viel, er beschenkt uns geradezu. Das kleine Korn des Glaubens wird aufgehen und zu Gott ans Ziel führen", sagte der Pfarrer. Nach seiner Predigt brandete in der Basilika spontaner Beifall auf, Das kommentierte der Stadtpfarrer mit der Bemerkung: "Die Hälfte davon geht aber nach Bozen." Die anschließenden Fürbitten wurden von Sophie Schoefl und Christoph Frank vorgetragen, ehe zum Schluss des eindrucksvollen Gottesdienstes Sophie Schoefl noch spezielle Gedanken der Motorradfahrer vortrug.

Gospels reißen mit

Gesanglich wurde der Gottesdienst erstmals vom Hofer Gospelchor "Jesus Gospel Singers" mit viel Rhythmus und Temperament umrahmt. Der Chor erhielt ebenso viel Applaus wie der Prediger. Dann segnete der Stadtpfarrer die mehr als 400 Motorräder, die sich vor der Basilika bis zur Sparkasse aneinander reihten. Eine kleine Grenzland-Rundfahrt schloss sich an, die von Waldsassen über Maiersreuth nach Neualbenreuth und Wernersreuth wieder zurück führte.

Mit einem gemütlichen Beisammensein und viel Gelegenheit zu Fachsimpeleien - über Maschinen und auch über den Glauben - endete dieses besondere Treffen. Es war das wohl größte, das der Motorradclub Waldsassen in den vergangenen Jahren veranstaltet hat. Die Teilnehmer kamen aus der gesamten Region von Hof über Bayreuth bis aus Amberg und Schwandorf.
Weitere Beiträge zu den Themen: Sparkasse (9729)Juni 2015 (7772)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.