Musikant vorm Einsatz schweißgebadet

Adolf Gläßel im Stiftlandmuseum mit dem Streichbass, den einst Hans Zintl gebaut hatte. Enkelin Ulrike Heimerl hat für die Ecke ein Bild ihres Opa zur Verfügung gestellt. Das Museum ist noch bis Dreikönig geöffnet. Bild: kgg
Lokales
Waldsassen
03.01.2015
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Ein Streichbass aus dem Jahr 1929/30 ist die Attraktion in der Musikinstrumenten-Ecke im Stiftlandmuseum. Die Bassgeige bauten der Münchenreuther Landwirt Karl Zintl und sein Sohn Hans.

Hans Zintl war ehemaliger Bürgermeister und Gründer der Münchenreuther Bauernkapelle0. Das Instrument wurde später von Josef Bergauer erworben. Er hat kürzlich den Streichbass dem Stiftlandmuseum übereignet. Dabei hat Museumsleiter Adolf Gläßel von Josef Bergauer auch eine von Hans Zintl verfasste Beschreibung erhalten. Sie erläutert, wie es zum Bau der Bassgeige kam.

Zum Kauf fehlte das Geld

Wie es darin heißt, wurde schon vor und dann nach 1930 in Münchenreuth Musik ausgeübt und man spielte auch mit Streichmusikinstrumenten wie 1. und 2. Geige zum Tanz auf. "Was fehlte war ein Bass und zum Kauf fehlte das Geld", schreibt Hans Zintl. Nach vielem hin und her habe sich der Vater entschlossen einen solchen selber zu bauen. "Es gab aber weder einen Plan noch ein derartiges Instrument, dass man nachbauen konnte."

"Es gab oft Krach"

"Mein Vater konnte wohl alles anfertigen was aus Holz war, aber kein Wagenrad und Holzschaff", heißt es weiter. Also wurden Maße angenommen, schriftlich festgehalten und dann danach bearbeitet. Für den Unterboden wurden Buchenbretter und für das Oberteil Tannenholzbretter hergenommen, die vorrätig waren. Für die umbogenen Seitenwände wurde in einer Tischlerei in Eger Hartspanholz gekauft. "Aber das Biegen der Seitenwände bereitete große Schwierigkeiten", schreibt Hans Zintl. Dieses schwache Brettchen ließen sich nach dem Kochen im Kartoffelkessel zwar biegen, aber bis es zum Festmachen kam wurde diese trocken und wieder gerade. Dabei gab es oft Krach und der Plan wurde öfter fallen gelassen, das Monstrum fertig zu bauen.Und doch wurde der Körper zusammengebracht. Das Ausschnitzen des Halses mit dem einigermaßen verzierten Frosch am Ende war dagegen leichter. Aber woher den Mechanismus für das Spannen der Seiten hernehmen war die Frage - aber in der alten Handelsstadt Eger, konnte man alles kaufen und hier auch die drei Saiten G, D und A."Den Streichbogen erstellen war meine eigen Arbeit", schreibt Hans Zintl, der als damaliger Geigenspieler seinen Bogen in vergrößerter Form vor Augen hatte. Die langen Haare wurden dem Schwanz der eigenen Pferde entnommen.

Aber das spannendste war dann, als alles soweit fertig war, war für Vater ob dieser auch so brummt wie man es sich vorgestellt hatte. "Und wir waren überrascht, dass er so stark brummte." Eine der Saiten habe so stark gebrummt, dass die Fenstertafeln in der elterlichen Stube, die auch als Proberaum und Werkstatt diente, schepperten. "Nun ging es ans Lernen", schreibt Hans Zintl weiter.Der ausgewählte Spieler für den Bass war Johann Männer, (Haus Nr. 15) der weder Noten oder das Instrument kannte. "Vor lauter Zeigen lernte ich das Bassstreichen schneller als der zukünftige Bassgeiger selbst." Nach einigen Wochen des Übens wurde in Pechntersreuth zum Tanz aufgespielt und es gab ein großes Hallo.

"Ich muss schon sagen, das meiste musste ich mit der Trompete rausreißen", schreibt Hans Zintl. Der Streichbass war so schwer, dass beim Transport zum Tanz nach Pechtnersreuth der Bassgeiger ganz schön ins Schwitzen kam. Im Krieg landete der Streichbass auf dem Getreidespeicher, durch Zufall sei man bei einem Gespräch zwischen Hans Zintl und Josef Bergauer auf diesen Bass gekommen. 1977 hat Josef Bergauer den Bass mit nach München genommen und ihn hergerichtet. Gläßel freut sich riesig und ist Josef Bergauer dankbar, dass dieses Instrument ins Stiftlandmuseum damit auch in die Nähe seines Ursprungs kommt.

Instrumenten-Ecke

Zusammen mit Hans Zölch hat Gläßel mit weiteren Instrumenten in der Zoiglstube eine eigene Ecke neu eingerichtet. Ulrike Heimerl, Enkelin von Hans Zintl, hat hierfür ein Bild ihres Opas zur Verfügung gestellt.
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