Notarzt-Virus zu wenig verbreitet

Die Experten in Sachen medizinische Versorgung, von links Dr. Maria Luise Vogel, Holger Schedl und Dr. Thomas Egginger. Bild: pz
Lokales
Waldsassen
23.11.2014
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In der Bürgerversammlung ging es um die medizinische Versorgung in den nächsten Jahren. Dabei waren die Prognosen der drei Gastreferenten nicht übel. Im sprichwörtlich "grünen Bereich" ist aber längst nicht alles.

Dr. Maria Luise Vogel von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern, Ärztlicher Leiter Dr. Thomas Egginger und BRK-Kreisgeschäftsführer Holger Schedl standen am Donnerstag im Jugendheim-Festsaal Rede und Antwort (wir berichteten). Bürgermeister Bernd Sommer moderierte. Karl Rothenaichner wollte wissen, wie vor allem dem Mangel an Hausärzten zu begegnen wäre. Dr. Vogel berichtete von Erfahrungen aus ihrem Ort: Dort arbeiteten in einem Ärztehaus bis zu 27 Mediziner, aus allen Fachrichtungen. Diese Lösung wäre für junge Ärzte durchaus attraktiv. "An dem soll's nicht liegen", sagte Bürgermeister Bernd Sommer und sah durchaus Möglichkeiten in Gebäuden in Waldsassen. Bruno Salomon beklagte die lange Frist, bis Patienten einen Termin bei Fachärzten erhalten. "Drei Monate sind ein Klacks."

"Die Notarztversorgung in Waldsassen ist ein heikles Thema", schilderte zuvor Dr. Vogel die besondere Situation in der Klosterstadt. Ein Problem tagsüber gebe es nach personellen Veränderungen im Krankenhaus: Dort stünden keine Notärzte zur Verfügung; niedergelassene Ärzte hätten in den Praxen zu tun. Die KVB-Beauftragte verwies auf Gespräche mit der Kliniken-AG, um diese Lücken zu schließen.

Dr. Egginger sagte, es sei in Hausarztpraxen wie im Krankenhaus gleichermaßen schwierig, wenn Patienten wegen eines Notarzt-Einsatzes zwei, drei Stunden länger warten müssten. Man müsse den Spagat schaffen, aufeinander zugehen. Die Konzepte lägen in der Schublade. "Es klemmt aber eine Stufe höher, auf der politische Ebene." Dr. Egginger beklagte im Zusammenhang mit dem Notarztdienst aber auch Veränderungen in der Gesellschaft: Arbeit, die etwa während eines Notarzt-Einsatzes nicht erledigt werde, wäre nach Feierabend nachzuholen. "Früher war das kein Problem, heute ist es eines." Denn der Kollege wolle trotz Notarzt-Einsatzes um 16 Uhr nach Hause gehen. "Nacharbeiten wollen die nicht mehr. Die Qualifikation für Notärzte sei höher als früher. Erst nach zwei Jahren Ausbildung seien Einsätze möglich. "Wir übernehmen die kompletten Kosten, wenn ein Kollege Notarzt werden will", erklärte Dr. Egginger. "Aber die Motivation ist nicht immer da." Es könne niemand zu der Ausbildung gezwungen werden. "Außerdem sitzen die Kollegen am Wochenende lieber bei der Familie als in einem Notarztstandort."

Das Notarzt-Virus

Es müsse bei jungen Medizinern die Lust für die Arbeit als Notarzt geweckt werden. Als positives Beispiel ist am Donnerstag immer wieder der Waldsassener Internist Dr. Wolfgang Fortelny genannt worden. Er sei, sagte Dr. Egginger, ein "besonderes Exemplar", übernehme den Notarztdienst mit Leidenschaft und hohem persönlichem Einsatz. Dr. Egginger sagte, solche Ärzte wie Dr. Fortelny seien viel mehr nötig und meinte zu dem Waldsassener Internisten gewandt: "Wir werden jeden Kollegen zu Ihnen schicken, damit er das Virus übertragen bekommt."

"Blutige Übergaben"

BRK-Vertreter Schedl informierte über die Strukturen der Rotkreuz-Organisation in Bayern und verwies auf die Verbindungen zur KVB und zur Kliniken Nordoberpfalz-AG durch die tägliche Arbeit. Schedl berichtete über Kooperationsvereinbarungen im grenzüberschreitenden Rettungsdienst. Dort sollten Verbesserungen der aktuellen Situation erzielt werden. Ein Beispiel seien die "blutigen Übergaben" an der Grenze: Dabei werde der Patient von einem Krankenwagen in den anderen umgeladen. "Eigentlich kann man sich das gar nicht mehr vorstellen - in Zeiten, wo wir samstags schnell nach Eger fahren." Aber dies sei immer noch gang und gäbe.
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