Nur im Zoo ein guter Deutscher

160 Schüler waren am Dienstag in die Städtische Turnhalle gekommen.
Lokales
Waldsassen
22.10.2014
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Darf man über Neonazis lachen? Die Theatergruppe "Odos" aus Münster ist der Meinung: Ja. Ihre Satire über Rechtsextremismus und Alltags-Rassismus stand im Mittelpunkt des Projekttages des DGB-Kreisverbandes.

160 Schüler aus der Mittelschule und den beiden Realschulen der Klosterstadt erlebten in der städtischen Turnhalle einen Vormittag, der nachdenklich stimmte. "Heute ist ein großer Tag für den DGB", sagte DGB-Kreisvorsitzender Klaus Schuster in seiner Begrüßung. Im Mittelpunkt stand das Spiel der Theatergruppe "Odos". Sie traf mit ihrer Theatersatire "Schöner leben ohne Nazis" mit viel Witz, Street-Dance und Livemusik ins Schwarze.

Geschrieben hat das Stück Heiko Ostendorf, der im NT-Gespräch betonte, dass die erzählten Geschichten auf wahren Begebenheiten beruhen. Während Ostendorf für die Musik sorgte, glänzten im Schauspiel und Gesang Alice Mortsch und als Tänzer Williams Guemadji. Die Szenen gaben Einblicke in die rechtsextreme Szene und brachten deren Gedankengut ungeschminkt zur Sprache.

Da war etwa die Show "Deutschland sucht den Super-Nazi". Als erster Preis winkten dem Sieger ein Treffen mit dem NPD-Vorsitzenden und ein Gehege im Zoo. Denn dort kann der "Nazi" ein guter Deutscher sein, Schnitzel essen und Fußballspiele schauen. Dafür allerdings musste der Kandidat erst einige Aufgaben bewältigen, die angebliche deutsche Klischees erfüllen - Schützenfest, Karneval, Fußball und die richtige Bekleidung. "Wir wollen aus Willi einen perfekten Deutschen machen."

Ostendorf berichtete von meist großer Polizeipräsent bei den Auftritten da sie nicht vor Übergriffen der Nazis geschützt seien. "Waren denn schon mal Nazis bei ihren Vorführungen dabei", will ein Zuhörer wissen. Ostendorf: "Das ist schwer zu sagen, Neonazis erkennt man nicht an ihrem Gesicht." Pfarrer Ralph Knoblauch hätte nichts dagegen, wenn auch Neonazis die Veranstaltung besuchen. "Dann könnten wir uns mit ihrer Ideologie auseinandersetzen." Ostendorf machte aber deutlich, das erkennbare Nazis gar nicht zugelassen sind.

Spötteleien ignoriert

Weiter wusste der Theatermacher, dass normale Jugendliche in die rechte Szene rutschten. Williams Guemadji betonte, das er als normaler Mensch von Rassismus bisher wenig mitbekommen hat. "Aber wahrscheinlich habe ich so kleinere Spötteleien auch ignoriert", sagte er. Ostendorf ergänzte, viele Ausländer wollten diese Anfeindungen oft nicht wahrhaben und verdrängten sie.

Mittelschüler und die Realschule im Stiftland präsentierten ihre Beiträge zum Thema Rassismus. Für den DGB würdigte Robert Günthner (München) den Einsatz gegen Rassismus. Beendet wurde der Projekttag mit einem Friedensgebet und einer Meditation mit Schwester Raphaela Kratzer und den Schülerinnen der Mädchenrealschule.
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