Priester wird im Nordoberpfalz-Krimi "dahingemeuchelt"
Spannung in den "Neuen Gärten"

Nach der Lesung hatte Dr. Thomas Bäumler beim Signieren seiner Bücher jede Menge zu tun. Bild: ubb
Lokales
Waldsassen
12.07.2015
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Zum 80. Geburtstag der Waldsassener Stadtbücherei gab es für Leseratten eine spannende Mordgeschichte, geschrieben und präsentiert von einem Frauenarzt aus Altenstadt. Wer der Täter ist, blieb aber ein Geheimnis.

Die Kulisse "Neue Gärten" war bestens gewählt, die Umgebung mit Basilika und Pfarrhof passte zum Buchinhalt: Autor Dr. Thomas Bäumler hätte sich kein geeigneteres Ambiente für die Lesung aus seinem Buch "Priester, Neffe, Tod" wünschen können. Dem 54-jährigen Mediziner, der in seiner Freizeit Krimis schreibt, lauschten am Samstagabend etwa 50 Zuhörer.

Opfern eine Stimme geben

Auch Bürgermeister Bernd Sommer hatte sich extra Zeit genommen. Seine Begrüßungsworte fielen sehr kurz aus, denn viel zu sehr freute er sich auf die Buchszene, in der Waldsassen vorkommen sollte. Doch zuerst wurde nicht das Opfer "auf die Folter gespannt", sondern viel mehr die Zuhörer. Thomas Bäumler wollte sich natürlich erst einmal vorstellen und erzählen, warum ausgerechnet ein Priester in seinem Nordoberpfalz-Krimi dahingemeuchelt wird. Die Missbrauchsskandale durch katholische Priester hätten ihn als gläubigen Christen sehr erschüttert. "Ich wollte den Opfern eine Stimme geben", erkläre Bäumler. Zwar sind seine Protagonisten und die Schauplätze frei erfunden, doch nach Aussage des Autors steckt dahinter eine wahre Begebenheit.

Leider verließ den wenig zimperlichen Autor dann vor öffentlichem Publikum wohl der Mut - die Zuhörer bekamen nur harmlose Szenen serviert. Dabei hat "Priester, Neffe, Tod" wesentlich mehr zu bieten. Schon die erste Seite lässt den Atem stocken. Aber auch wenn Bäumler den Gästen Grausamkeiten ersparte, so war die Lesung dennoch fesselnd.

Grausamer Tod

Bäumler kann vortrefflich Schauplätze beschreiben. Der letzte Weg des Sexualopfers Josef hinauf auf den Tiroler Seekofer, wo er sich in die Tiefe stürzt, erschien plötzlich zum Greifen nah. Und die Beschreibung von Basilika und Bibliothekssaals fand durchaus Anerkennung. Die Basilika hat Josef als Kind mit seinem Patenonkel, Prälat Hornberger, besucht. Letzterer, so erfuhren die Zuhörer, war alles andere als ein Seelsorger des Herrn. Die Strafe dafür war letztlich ein grausamer Tod. Aber wer hat ihn ermordet? Diese Frage blieb bei der Lesung unbeantwortet. Aber welcher Buchautor verrät schon vorher das Finale?

Wer das unbedingt wissen wollte und auch die ganze Geschichte lesen wollte, kaufte sich ein Exemplar. Auch Bürgermeister Sommer griff gerne zu und ließ sich sein Exemplare sogleich signieren. "Man kann ja nie wissen", bemerkte Sommer lachend im Hinblick auf einen eventuellen Durchbruch Bäumlers als Bestsellerautor. Weil das zweite Buch bereits in Arbeit ist, musste der Altenstädter fest versprechen, im nächsten Jahr wieder zu kommen.

Bernd Sommer versäumte es auch nicht, seinem Kulturamts-Team zu danken. Die Damen hielten die Gäste mit Getränken und Zwiebelkuchen bei bester Laune. Diese äußerst nett servierten Leckereien machten den Anwesenden die Entscheidung leicht, noch länger in der spontan von Kulturreferentin Beatrix Rustler zur Waldsassener "Picadilly Corner" ernannten Lese-Freilichtbühne zu bleiben und darüber zu diskutieren, wer nun der Mörder ist.
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