Rassistische Parolen entlarvt

Filmemacherin Mo Asumang diskutierte mit Achtklässlern der Realschule im Stiftland. Interessiert fragten die Jugendlichen nach, wünschten Hintergrundinformationen zum Film "Die Arier". Bild: privat
Lokales
Waldsassen
13.10.2014
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Am Ende der besonderen Schulstunde bringt es ein Jugendlicher auf den Punkt: "Eigentlich sind wir doch alle gleich!" Filmemacherin Mo Asumang erwidert: "Genau, wir haben alle eine Nase, wir haben Ohren und wir haben Arme. Wir sind alle einfach Menschen."

Im Biologiesaal der Realschule im Stiftland herrscht nachdenkliches Schweigen, als der Abspann von Mo Asumangs neuem Film "Die Arier" auf der Leinwand läuft. Es wirkt schon fast beängstigend still im Raum. Erst als das Licht angeht und Mo Asumang, die in den zurückliegenden 45 Minuten vor der Tür gewartet hatte, wieder vor den Schülern steht, hört man ein Durchschnaufen.

"Und, was sagt ihr dazu?", lautet die erste Frage, die die Filmemacherin den Achtklässlern stellt. Schon in diesen ersten Minuten wird anhand der spontanen Reaktionen deutlich, wie tief und einschneidend die Eindrücke des Films waren. Mo Asumang hat sich auf eine Reise nach dem Ursprung des Begriffes "Arier" begeben und sich dabei sowohl mit Neonazis, als auch mit Mitgliedern des Ku-Klux-Klan in den USA getroffen, sie zu ihrer Ideologie befragt und dabei gezielt rassistische Parolen und Fehlannahmen des Nationalsozialismus entlarvt. Am Ende ihrer nicht ganz ungefährlichen Reise stößt sie im Iran auf die "wahren Arier", ein Urvolk aus dem indisch-persischen Raum, das nichts mit dem Begriff aus dem Dritten Reich gemein hat.

Der Film der Tochter eines Ghanaers und einer Deutschen berührt, weil er den Menschen hinter dem Neonazi und dem Rassisten zeigt, der unerwartet einer Afrodeutschen gegenüber steht, die ihm offen und freundlich entgegen tritt. Und er vermittelt Gefühle, die während der Dreharbeiten bei Mo Asumang auftauchten: Angst und Verletzung.

Die Achtklässler haben die Botschaft verstanden: Das mit den Ariern ist eine Lüge! Sie fragen interessiert nach, wollen Hintergrundinformationen von der Filmemacherin erfahren, erkundigen sich nach ihrem Privatleben, nach persönlichen Anfeindungen. Die zweite Stunde vergeht wie im Flug mit einem lebhaften Gespräch zwischen Mo Asumang und den Schülern. Selbst als es zur Pause gongt, will keiner so recht aufstehen.

Die Auftaktveranstaltung der Realschule im Stiftland in Zusammenarbeit mit dem Bündnis "Aktiv gegen Rechts" anlässlich der Titelverleihung "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" bewegte. Zwei Schulstunden nahm sich die Botschafterin des Netzwerks für Demokratie und Courage Zeit, um mit den Jugendlichen über Rassismus und Ausgrenzung zu sprechen.
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