Sondersituation als Chance

Ein Teil der gut 50 Besucher am "Runden Tisch Asyl" im Sparkassensaal. Das nächste Treffen ist im Februar 2016 geplant. Bild: pz
Lokales
Waldsassen
02.12.2015
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Es ging vor allem um den Erfahrungsaustausch in der Arbeit mit den Flüchtlingen. Und um Möglichkeiten, wie sich Interessierte einbringen können. Der Runde Tisch Asyl traf sich am Montag zum ersten Mal.

Unter Regie von Sonja Schmid, seit Anfang Oktober für asylrechtliche Angelegenheiten in der Stadtverwaltung zuständig, entwickelte sich im Sparkassensaal eine angeregte Diskussion. Von Erfahrungen in der Flüchtlingshilfe und -betreuung berichtete Angelika Würner. Die AWO-Frau sprach den Waldsassenern erneut ein Kompliment für die gut funktionierende Flüchtlingshilfe auf ehrenamtlicher Basis aus.

Fahrten zur "Tafel"

In der Runde mit gut 50 Leuten ging es gut zwei Stunden lange um bürokratische Hürden genau so wie um banale Dinge - etwa der Unterstützung bei Fahrdiensten (wir berichteten): Flüchtlinge in der Klosterstadt dürfen mittwochs in der "Mitterteicher Tafel" einkaufen, brauchen aber eine Fahrgelegenheit dorthin. Wer hier helfen möchte, kann sich unter Telefon 09632/923682 bei Martina Saller melden. Unterstützung wird gebraucht bei der Betreuung und der praktische Alltagshilfe der Flüchtlingsfamilien - etwa wenn Elternbriefe übersetzt werden müssen oder für deren - pünktliche - Rückgabe zu sorgen ist. Und dann geht es einfach darum, vielleicht mit den Kindern - sie sind von Beginn an schulpflichtig - Hausaufgaben zu erledigen oder den Unterrichtsstoff zu wiederholen. Breiten Raum bei dem Treffen nahm die Situation der Flüchtlinge ein. Sie leben seit Juni in Waldsassen, ohne dass bei deren Verfahren auf dem Weg zur Anerkennung Fortschritte zu verzeichnen wären, wie es hieß. Lediglich 4 von 80 Asylbewerbern seien inzwischen anerkannt. "Das ist total frustrierend", fand auch Sonja Schmid, die "... keine nachvollziehbare Chronologie" erkannte.

Jobcenter gefordert

Auf dem Weg zur Integration der Flüchtlinge sah der Runde Tisch auch verstärkt das Jobcenter der Agentur für Arbeit gefordert. Denn Asylbewerber dürfen nach drei Monaten Aufenthalt in Deutschland unter gewissen Voraussetzungen arbeiten. Andererseits sei immer von einem großen Fachkräftemangel auch in der Region die Rede. Hier müsse das Jobcenter vermitteln. Auch Praktika dürften Asylbewerber absolvieren; dies sei vielfach aber nicht bekannt. Ein Hindernis bei einer Erwerbstätigkeit könnte es sein, wenn Asylbewerber parallel einen Integrationskurs belegen: Der läuft in der Regel vormittags, weshalb die Jobs nur nachmittags erledigt werden könnten.

Ganz allgemein sah Bürgermeister Bernd Sommer in der "Sondersituation" eine große Chance. "Wir wären doch ungeschickt, wenn wir die Leute hier nicht halten würden." Dazu müsse aber Wohnraum zur Verfügung gestellt werden - für die Zeit nach der Anerkennung, wenn die Flüchtlinge die bisherigen Unterkünfte verlassen müssen. Anerkannte Asylbewerber seien von Waldsassen weggezogen, weil sie hier keine Wohnung fanden. Vielfach wollten Asylbewerber in größere Städte; dort sei aber die Wohnungsnot viel größer als in der Region.
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