Textsicher am Set

Eigentlich sollte sich Äbtissin Laetitia Fech in die aufgeschlagenen Buchseiten vertiefen. Dann begann sie darin zu blättern und fand einen Notizzettel, den ein Mönch im Jahre 1704 hineingelegt hatte. Zusammen mit Monsignore Erwin Albrecht versuchte sie die Schrift darauf zu entziffern.
Lokales
Waldsassen
26.12.2014
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"Sie sind einfach in das Buch vertieft", sagt Kameraassistent Heinz Lütticken. Das ist der Äbtissin zu langweilig. Sie beginnt darin zu blättern. Sie findet eine Notiz auf einem 310 Jahre alten Zettel, den sie augenblicklich für die Szene nutzt.

Die Klosterchefin zeigt schauspielerisches Talent. "Exhortationes ad Religiosos, tam Novitiorum magistris et Concionatoribus Domesticis" oder auf deutsch "Ermahnungen für religiöse Lehrer und Prediger sowohl für Anfänger als auch Fortgeschrittene", heißt der wohl 1000 Seiten dicke Wälzer mit Holzdeckel und Metallschließen, den sie in Händen hält. Die Notiz verweist darauf, dass es in dem Buch um Ermahnungen des Jesuitenordens geht, die für jedes Ordensleben von Bedeutung sind. Beide Schriftstücke stammen aus dem Jahr 1704.

Am Dreikönigstag ist die Sendung in der Reihe "Zeit und Ewigkeit" im Bayerischen Fernsehen zu sehen. Zuvor wird von 10 bis 11 Uhr live der Festgottesdienst aus der Basilika mit Sternsingern und Ministranten übertragen. Direkt daran schließt sich der gut 14 Minuten lange Beitrag mit der Äbtissin an.

Vom 8. bis 10. Dezember war das Kamerateam des Bayerischen Rundfunks (BR) in Waldsassen und drehte für den Beitrag im Kloster. Als fachlicher Berater stand der Beauftragte der Bayerischen Bischofskonferenz für Hörfunk und Fernsehen beim BR, Monsignore Erwin Albrecht zur Verfügung.

Fünfter Beitrag

Es ist bereits das fünfte Mal, dass die Äbtissin für die Sendereihe zur Verfügung steht. Der erste Beitrag wurde am 15. August 2010 an Mariä Himmelfahrt ausgestrahlt. Am 28. März 2011 machte sich Äbtissin Laetitia Gedanken zur Karwoche, am 1. Januar 2012 zu Neujahr und am 8. Dezember des vergangenen Jahres zum Advent.

Für die Ordensfrau ist die Sendung ein hervorragendes Instrument, um die Frohbotschaft in der heutigen Sprache zu vermitteln. "Die Beiträge zu denKirchenfesten werden so aufbereitet, dass der Hintergrund auch für Menschen, die mit Kirche nicht so viel am Hut haben, zugänglich wird", sagt die Klosterchefin. Zustande gekommen sei die Zusammenarbeit mit dem Fernsehen eigentlich durch Stadtpfarrer Thomas Vogl. Monsignore Albrecht suchte geeignete Leute für die Sendung und Pfarrer Vogel sagte zu ihm: "Fragen Sie doch einfach mal Mutter Laetitia." Bescheiden äußerte sie gegenüber Monsignore Albrecht, "ich weiß nicht, ob ich da die Richtige bin".

Die Ideen zu den Beiträgen entwickelt die Äbtissin selbst und auch die Texte verfasst sie. Letztere überarbeitet Pfarrer Albrecht dann so, dass sie zum Drehplan passen. Die Texte trägt die Äbtissin auswendig vor, ohne Teleprompter oder irgendwelche Schilder, die irgendwer in die Höhe hält. Mit dem Lernen der Texte beginnt Äbtissin Laetitia erst zwei Tage vor Drehbeginn.

Drei oder vier Tage hat sie für den aktuellen Beitrag in ihrem Sommerurlaub Stoff gesammelt und das Grundgerüst für die Textpassagen geschaffen. Pfarrer Albrecht hat ihr ebenfalls zugearbeitet. An ihn gab sie ihr Konzept weiter, nach dem er dann den Drehplan erstellt hat.

Den fertigen erhielt die Äbtissin, am Samstag, 6. Dezember um 10 Uhr als E-Mail-Anhang. Gelernt hat sie dann am Sonntag- und Montagnachmittag. Sie versucht immer, sich zwei oder drei Durchgänge einzuprägen. Die nächsten Passagen verinnerlicht sie sich dann in den Drehpausen.

14 Teile hatte sie diesmal auswendig vorzutragen. Zwei haben sogar auf Anhieb gepasst. Eine Einstellung musste fünf- oder sechsmal wiederholt werden. "Pfarrer Albrecht ist ein absoluter Könner, was die Feinheit von Texten angeht", sagt Äbtissin Laetitia.

Am ersten Drehtag, am Dienstag, 9. Dezember wurde, bis auf eine Stunde Mittagspause, von 10 bis 17.45 fleißig gewerkelt. Am nächsten Tag dauerte der Dreh ebenfalls den ganzen Tag. Am Donnerstag drehte das Filmteam am Vormittag noch diverse Einstellungen im Haus. Im Kreuzgang zum Beispiel wurden per Scherenschnitte und klostereigenem Diaprojektor Schattenspiele von den Heiligen Drei Königen auf die Wände im Kreuzgang projiziert.

Jahr der Orden

Für den Schnitt und die Nachvertonung benötigt die Filmcrew etwa zwei bis drei Tage. 2015 steht die Reihe "Zeit und Geist" unter dem Motto "das Jahr der Orden". Das bedeutet, das alle sechs Sendungen von Ordensleuten gestaltet werden. Die mit der Äbtissin an Heilig-Drei-König ist die erste.
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