Viele Fragen vorm Saft-Regal

Eltern der Kleinen im Kinderhaus St. Michael in Waldsassen diskutieren im Supermarkt Legat mit Diplom-Ökotrophologin Kristina Heinzel-Neumann (rechts) über den Sinn und Unsinn von Kinderlebensmitteln. Bild: hfz
Lokales
Waldsassen
17.02.2015
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An den Kassen und in den Regalen von Supermärkten und vor allem in den Werbepausen im Fernsehen: Sogenannte Kinder-Lebensmittel ziehen schon die Kleinsten in ihren Bann. Für Eltern wird es immer schwieriger, zwischen Sinn und Unsinn dieser Produktpalette zu entscheiden.

Kinderlebensmittel locken mit bunten Verpackungen und lustigen Beigaben wie Sammelbildern oder Spielzeug. Viele Werbebotschaften seien aber irreführend, beklagen Ernährungswissenschaftler. Es werde vorgetäuscht, dass das Produkt gesundheitsfördernd wäre - etwa durch bestimmte Zutaten wie Milch, auch wenn diese nur in kleinsten Mengen oder als Extrakt enthalten sind.

Um sich von den vielversprechenden Werbeaussagen nicht beirren zu lassen, nahmen Eltern des Kinderhauses St. Michael an einer Einkaufsschulung im Supermarkt Legat teil. Ernährungsberaterin Kristina Heinzel-Neumann durchleuchtete die Versprechen der Hersteller von Kinderlebensmittel und gab wertvolle Tipps zu gesünderen Alternativen.

Mehr Zucker

Die Eltern staunten beim Regal der Frühstücksflocken, denn viele Kindercerealien enthalten mehr Zucker als herkömmliche Lebensmittel und schmecken daher süßer. Oft werden verschiedene Zuckerarten wie etwa Fructose, Maltose oder Laktose verwendet, um Zucker nicht als erste Zutat im Zutatenverzeichnis angeben zu müssen.

Geschmackprägend

"Kinder gewöhnen sich sehr schnell an den hohen Zuckergehalt, der geschmackprägend bis ins Erwachsenenalter bleibt", heißt es dazu in der Pressemitteilung aus dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Tirschenreuth. Viele Fragen der Eltern traten beim Saft-Regal auf, da einige Produkte zusätzlich mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichert sind.

Höherer Fettgehalt

Heinzel-Neumann wies darauf hin, dass diese Produkte bei einer gesunden und ausgewogenen Ernährung nicht nötig sind. Verzehrt ein Kind größere Mengen eines solchen Produkts, ist eine Überschreitung des empfohlenen Tagesbedarfs an bestimmten Mineralstoffen und Vitaminen nicht auszuschließen. Bei der Kinder-Wurst mit Gesicht wurde speziell der Fettgehalt unter die Lupe genommen. Er liegt bei den Kinderlebensmitteln vielmals höher als bei herkömmlichen Lebensmitteln und hat eine ungünstige Fettsäurezusammensetzung. Sie bestehen aus vielen gesättigten und wenig ungesättigten Fettsäuren, oft auch aus gehärteten Fetten.

Da Kinderlebensmittel meist stark verarbeitet sind, benötigen sie für Geschmack, Aussehen und Stabilität bestimmte Zusatzstoffe. Wie sich eine Vielzahl von Zusatzstoffen auswirkt und welche Wechselwirkungen bestehen ist ungeklärt.

Kinderlebensmittel eignen sich daher nicht als gesunde Zwischenmahlzeiten. Sie sollten die Ausnahme in der Ernährung des Kindes darstellen, so Heinzel-Neumann. Die herkömmlichen Lebensmittel wie Obst, Rohkost, Milch, Joghurt oder Brot sind ideale Zwischenmahlzeiten und enthalten bereits von Natur aus Nährstoffe, wie Kalzium oder Vitamine, die Kinder für eine gesunde Entwicklung benötigen.

"Gesund und fit"

Die Kindertagesstätte St. Michael in Waldsassen nimmt anlässlich des Projektes "Gesund und fit im Kinder-Alltag, Sechs Wege zur kindgerechten Ernährung und Bewegung" an weiteren Angeboten teil. "Ziel dieser Veranstaltungen ist es, Eltern in ihrem Bemühen um ein gesundes Aufwachsen ihrer Kinder zu unterstützen, denn Ernährungsbildung geschieht in der Familie", heißt es in der Pressemitteilung abschließend.
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