Willkür, Bosheit und Hohn

In einer Sternwallfahrt zogen die Katholischen Verbände Kolping, KAB und Katholischer Frauenbund zum Festgottesdienst mit Bischof em. Wilhelm Schraml zur Basilika. Bild: kgg
Lokales
Waldsassen
15.09.2015
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Seit über sechs Jahrzehnten wird der "Heiland ohne Arme " in der Basilika verehrt. Am Fest "Kreuzerhöhung" unterstrich der frühere Passauer Bischof Wilhelm Schraml eindringlich die Botschaft des Gnadenbilds für die Gegenwart.

Stadtpfarrer Thomas Vogl begrüßte den emeritierten (em.) Bischof zur neunten Sternwallfahrt zum Geschändeten Heiland am Sonntag als Hauptzelebrant und Festprediger - "... aus dem Herzen Bayerns Altötting im Herzen des Stiftlandes" - in der Basilika Waldsassen. Bischof em. Wilhelm Schraml stellte den Brief des Heiligen Paulus über "Jesus Christus als den Gekreuzigten" an die Christen von Korinth in den Mittelpunkt seiner Predigt.

Die Botschaft vom Kreuz wolle die Welt nicht hören. "Paulus muss vom Gekreuzigten reden, weil das Christentum in seinem innersten Kern keine Weltanschauung ist, sondern die Person gewordene Liebe Gottes zu uns Menschen." Diese unendliche Liebe Gottes habe sich im Leiden und Sterben des Gottessohnes am Kreuz offenbart.

Mit Blut durchgestrichen

Am Kreuz habe der Herr den Schuldschein unserer Sünden mit seinem Blut durchgestrichen. "Da ist ein Mensch - und alle Not von bitterer Einsamkeit, von Demütigung und Schändung, spricht uns aus ihm an", wies der Prediger auf das geschmückte Kreuz mit dem geschändeten Heiland: "Schauen wir auf diesen." In seiner Not und Entstellung habe er längst das Gesicht eines jeden Menschen erfasst. "Sind wir nicht alle Ausgelieferte, preisgegeben an menschlicher Willkür und Bosheit, an Ohnmacht des Erleidens und den frivolen Hohn solcher, die mit dem Menschen ihr böses Spiel treiben?" Immer wieder wiederhole sich auf diese Weise der Vorgang des leidenden und sterbenden Jesu. "Da läuft einem jemand über den Weg der einen reizt, vielleicht anders spricht als wir, als man selber zu denken gewohnt ist, eine andere Weltanschauung oder anderer gesellschaftliche und politischer Überzeugung ist, lebt als Asylant oder Flüchtling in unserer Nachbarschaft." Rasch würden solche Leute abgeschoben in das Ghetto sogenannter Randgruppen der Gesellschaft und zum Außenseiter gemacht. "Menschen werden maßlos böse, wenn sie die Liebe in sich nicht einlassen", sagte der Prediger. Der lieblose Mensch suche sich ein Gegenüber, dem er seine angebliche Überlegenheit zeigen und an dem erbarmungslos seinen Egoismus entfalten kann.

Der Lohn im Himmel

Der gekreuzigte Herr, dem man die Arme abgeschlagen und an den Schlagbaum gehängt habe, schaue die Menschen an und sagt: "Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein", sagte Bischof em. Schraml mit den Worten aus dem Matthäus-Evangelium.

Mozarts Krönungsmesse

Den Gottesdienst gestalteten Basilikachor, Solisten und Orchester mit der Krönungsmesse von Wolfgang Amadeus Mozart unter Leitung von Regionalkantor Andreas Sagstetter. Zum Schluss gratulierte Stadtpfarrer Thomas Vogl mit einem Blumenstrauß Bischof em. Schraml nachträglich unter Applaus der Gottesdienstbesucher zum 80. Geburtstag.
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