Zerfall der Familie das Problem

Unter dem Motto "Jugend und Drogen" diskutierten (von links) Bernd Sommer, Michal Pospisil, Gerhard Krones, Matthias Fack, Emilia Müller und Alfred Benkner. Kreisjugendring-Vorsitzender Jürgen Preisinger (rechts) hieß die Diskussionsteilnehmer willkommen. Bild: kro
Lokales
Waldsassen
10.11.2015
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Beim Thema Rauschgift taucht immer wieder der Name der Klosterstadt auf. Die Drogenküchen im Nachbarland sind nah und die Vietnamesen-Märkte gleich hinter der Grenze begehrte Einkaufsquellen. Ist das Stiftland nicht nur das Transitland?

Crystal Speed und seine Folgen - ein Dauerthema im Präventionsprogramm, das sich der Kreisjugendring zur Aufgabe gemacht hat. Beim "Stadtgespräch" mit Sozialministerin Emilia Müller ging es auch um Handlungsempfehlungen. Auch und gerade für die Eltern.

Ein neuer Freundeskreis, eine leicht feuchte Haut und veränderte Augen: Gerhard Krones von "Need no speed", der ehemalige Leiter der Caritas-Suchtambulanz in Weiden, verwies auf äußere Anzeichen, dass mit dem Kind etwas nicht stimmt. Liebevoll, aber dennoch konsequent sollten dann die Eltern auf ihr Kind einwirken. "Drogen haben hier nichts zu suchen."

Emilia Müller, auch Chefin der Landesjugendbehörden, betonte, dass Jugendschutz und die Prävention in den Mittelpunkt der Arbeit gestellt werden müsse. Noch mehr Aufklärung über die Schulen, die Polizei und die Ärzte tue Not. "Need no speed" sei ein guter Ansatz. Die Zuwendung der Eltern mache die Jugend selbstbewusster und damit weniger anfällig für Drogen. Gerhard Krones verwies auf die Arbeit der Suchtambulanz. "Prävention braucht aber Hinhörer."

Die Ministerin wusste auch, dass ein weiterer Grund für den Einstieg in diese Droge der billige Preis sei. Viele wollten es einfach mal ausprobieren, merkten aber nicht, dass sie davon abhängig werden. "Alarmierend ist es, dass es bereits Schulen gibt, wo diese Droge unter der Hand verteilt wird." Gerhard Krones wusste den Grund: "Beim erstmaligen Genuss ist Crystal für viele Jugendliche einfach nur geil." Die Droge wirke wie ein Turbo. "Man ist fit die ganze Nacht hindurch." Deshalb sei Crystal Speed für viele die Lösung ihrer menschlichen Probleme.

Viele Jugendliche verspürten nun das Gefühl geliebt zu werden, ein Gefühl, das sie heute in vielen Familien nicht mehr spürten. "Wir müssen die Herzen dieser jungen Menschen ansprechen, ihnen eine Heimat geben." Alfred Benkner von der Mädchen-Realschule sah es ähnlich. "Das Hauptproblem ist wohl ein Zerfall der Familie." Deshalb seien auch die Schule und die Lehrer gefordert, neben dem Wissen auch Werte für das Leben mitzugeben. Deshalb ist Benkner auch ein Vertreter von Ganztagsschulen. "Hier kann man viel mehr auf die Kinder und Jugendlichen einwirken."

Emilia Müller forderte die Eltern auf, wieder mehr Verantwortung für die eigenen Kinder zu übernehmen. "Die Gesellschaft und die Familie müssen sich hinterfragen." Wenn beispielsweise Kinder in einem Raum nicht mehr persönlich kommunizierten, sondern nur über ihr Handy, "dann stimmt doch etwas nicht". Michal Pospisil aus Eger/Cheb stimmte der Anregung von Jürgen Preisinger zu, mehr Schulkontakte untereinander zu pflegen. Er forderte ferner, die Vietnamesen-Märkte in Cheb zu schließen und abzureißen. "Denn die haben mit uns nichts zu tun, sie haben hier kein Zuhause." Eger habe eine mehr als 1000-jährige Tradition. Die sei viel interessanter als diese Drogen.

Bürgermeister Bernd Sommer wollte bei den Menschen ansetzen. Wenn der Drogenkonsum nachlasse, werde der Markt sehr schnell verschwinden. Aktuell sei jedoch festzustellen, dass diese Droge in allen gesellschaftlichen Schichten vertreten sei. Sommer forderte deshalb eine noch stärkere Polizeipräsenz in Waldsassen. "Alles was hier aufgegriffen wird, taucht später nicht in den Großstädten auf."

Reinhold Schreyer, der Leiter der Waldsassener Polizeiinspektion, verwies darauf, dass es in diesem Jahr schon 216 Aufgriffe gegeben habe. Im vergangenen Jahr seien insgesamt 600 Gramm Crystal Speed sichergestellt worden, heuer schon fast ein Kilogramm. Der höchste Einzelaufgriff waren 250 Gramm.

Schreyers Stellvertreter Johann Brandl stellte fest: "Jeder Drogenkonsument ist nicht nur ein Täter, sondern auch ein Opfer.". Die Gefahr süchtig zu werden, sei schon nach dem ersten Konsum gegeben. Waldsassen sei das Transitgebiet, vieles könne abgefangen werden, vieles jedoch nicht. Es gebe viele Facetten des Weges und des Konsums.
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