Asylbewerber in Waldsassen
"Flüchtlinge brauchen Hilfe"

Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien und aus dem Irak leben seit Mitte Februar in Waldsassen. Ehrenamtliche kümmern sich darum, dass der Weg ins neue Leben gelingt. Von links Jürgen Altnöder vom ASV, Fatma und Samet Aslan, Ghamgin und Ahmad, Tatjana Schumacher von der AWO, Daniar, Bürgermeister Bernd Sommer und AWO-Vorsitzende Renate Plommer. Bild: pz
Politik
Waldsassen
19.03.2015
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Ihre schlimmen Erfahrungen im Krieg lassen sich nur erahnen: Walid, Ahmad, Ghamgin aus Syrien und Daniar aus dem Irak haben in Waldsassen Zuflucht gefunden. Der Weg ins neue Leben ist nicht leicht aber sicher. In der Heimat hatten die jungen Männer den Tod vor Augen.

Mitte Februar sind die Flüchtlinge in die Wohnung im städtischen Gebäude am Johannisplatz eingezogen. Zwischen 19 und 20 Jahre jung sind die Männer. Sie kamen mit Scheusern zu Fuß und mit Booten nach Europa, "wie man das im Fernsehen sieht", sagt Tatjana Schumacher. Die Mitarbeiterin der Arbeiterwohlfahrt (AWO) im Landkreis Tirschenreuth ist Ansprechpartnerin für die neuen Mitbürger und hilft beim Eingewöhnen in der neuen Umgebung. Schumacher kann sich auf ein ehrenamtliches Team verlassen, zu dem auch AWO-Ortsvorsitzende Renate Plommer gehört.

Vielseitige Unterstützung

Durch die bisherige Arbeit mit anderen Flüchtlingen im Landkreis hat die AWO viele Kontakte geknüpft. "Da fällt es uns leichter etwas ins Rollen zu bringen", sagt Tatjana Schumacher. Bei den vier jungen Leuten läuft es in der Anfangsphase offenbar ganz gut - auch weil die Integrationsarbeit von vielen Seiten unterstützt wird.

Ein gemeinsamer Nenner ist die Religion: Familie Aslan von der Türkischen Gemeinde in Waldsassen nimmt die Muslime mit zum Freitagsgebiet nach Schirnding. Der Imam spricht arabisch. "Da können sie sich leichter verständigen", erklärt Samet Aslan, Sohn der Familie. Die jungen Leute verpflegen sich selbst. "Walid ist der Chefkoch", weiß Tatjana Schumacher und erzählt von dem Fladenbrot, dass die Männer selbst backen. Die AWO-Mitarbeiterin durfte die Gastfreundschaft genießen, ebenso die Besucher am Dienstag: Es wird Kaffee angeboten - und Mineralwasser, das einer der Bewohner rasch in einem Geschäft besorgte.

Ein Mix aus Deutsch, Türkisch und Englisch wird hörbar, wenn Samet Aslan mit den Neubürgern spricht. Denn die Sprachkenntnisse, sagt Tatjana Schumacher, sind "rudimentär". Dies dürfte beim Sport in den Hintergrund rücken. Ghamgin machte einen Tag nach der Ankunft in Waldsassen beim Fußball-Training am ASV-Gelände mit. "Wir müssen sehen, wie sich das entwickelt", sagt Jürgen Altnöder vom ASV. Er ist für seine Integrationsarbeit bekannt. Die ASV-Leute helfen etwa mit Sportkleidung und Schuhen. "Wenn ich sehe, wie der Zusammenhalt da ist, dann freue ich mich darauf, dass noch mehr kommen", sagt Tatjana Schumacher über die Arbeit mit künftigen Asylbewerbern. Deren Betreuung und Integration müsse gemeinsame Aufgabe sein. "Sonst weiß ich nicht, wie wir das hinkriegen würden."

Das ist auch das Anliegen von Bürgermeister Bernd Sommer. Er weiß von Vorbehalten, wenn es um Asylbewerber geht - und wirbt darum, dass Waldsassener ohne Scheu auf die Flüchtlinge zugehen und sich für ihre Geschichten interessieren. Dies wäre etwa gut bei den Festen in den nächsten Wochen möglich. "Dann werden wir feststellen, dass Bürgerkriegsflüchtlinge unsere Hilfe brauchen und Menschen sind wie du und ich." (Info-Kasten)
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