Edmund Stoiber Festredner bei 70 Jahre CSU-Kreisverband Tirschenreuth
Garanten der Stabilität

Leidenschaftlich und kämpferisch präsentierte sich Dr. Edmund Stoiber in Waldsassen beim Festabend zum 70-jährigen Bestehen des CSU-Kreisverbandes. Bild: jr
Politik
Waldsassen
23.10.2016
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Im herrlichen Ambiente der Stiftsbibliothek hieß Äbtissin Laetitia Fech den früheren Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Edmund Stoiber willkommen. Bild: jr

Edmund Stoiber ist ein durch und durch politischer Mensch. Das beweist er immer wieder. Auch in Waldsassen. Beim Festabend der Kreis-CSU greift er aktuelle Themen auf und erntet stehende Ovationen.

Nachdenklich und angriffslustig zugleich präsentierte sich Bayerns ehemaliger Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber bei der 70-Jahrfeier des CSU-Kreisverbandes in der Aula des Klosters. Dabei warnte er mit Nachdruck vor einem Rechtsruck in Europa. "Wenn Le Pen in Frankreich gewinnt, dann ist Europa erledigt", malte er düstere Zeiten an die Wand.

Bürgermeister Bernd Sommer nannte den Besuch Stoibers eine große Ehre für die 26 Ortsvereine zählende CSU-Familie im Landkreis. "Wir wollen weiter gestalten, die Menschen suchen das Original, unsere CSU." CSU-Kreisvorsitzendem Tobias Reiß stand die Freude ins Gesicht geschrieben. "Dein Besuch ist eine große Auszeichnung für uns, du hast unser Bayern über viele Jahre geprägt." Reiß erinnerte kurz an die Väter der CSU im Landkreis und dankte Robert Treml, der die 120-seitige Chronik erstellt hatte. Laut Reiß ist die Erfolgsgeschichte Bayerns vom Agrarland zum führenden Industrieland mit ein Verdienst der CSU, die im Landkreis mehr als 3000 Mitglieder zählt.

Stoiber selbst, dessen Familie aus oberpfälzischen Schwarzenfeld stammt, erinnerte an seinen Einstieg in die Politik, als er 1962 die ersten Wahlkämpfe mit organisierte. "Die CSU ist die größte parteipolitische Erfolgsgeschichte in ganz Deutschland", sagte er selbstbewusst. So erfuhren die Zuhörer, dass die CSU seit 66 Jahren im Freistaat den Ministerpräsidenten stellt, davon 48 Jahre mit absoluter Mehrheit. Im Bund bringt die CSU 47 Jahre Erfahrung in der Regierungsarbeit mit. "Unsere bayerische Politik wird in München entschieden und nicht in Berlin."

Unbedingt erhalten werden müsse der Dreiklang, wie ihn einst Franz-Josef Strauß formulierte: "Bayern ist meine Heimat, Deutschland mein Vaterland und Europa unsere Zukunft." Ausdrücklich verurteilte er den Versuch, eine multikulturelle Gesellschaft zu machen. "Dies geht nicht konfliktfrei." Wer hier leben wolle, müsse das Grundgesetz und die Grundprinzipien anerkennen. "Die Leute, die hier zuziehen, müssen auch dieses inhalieren."

Stoiber erkannte durchaus die Verdienste der Sozialdemokraten an. "Wir, die Konservativen und die Sozialdemokraten, sind Garanten der politischen und wirtschaftlichen Stabilität in unserem Land." Als eine Herausforderung für die Zukunft nannte er das Erstarken der anderen kleineren Parteien und befürchtet Zustände wie in der Weimarer Republik. Seine eigene Partei mahnte er, die Belange der kleinen Leute nicht außer acht zu lassen. "Wenn wir dies vernachlässigen, wird's in Zukunft schwer mit einer absoluten Mehrheit." Die AfD sei nur deshalb so stark geworden, weil die CDU ihre Stammwähler nicht mehr erreiche. Als bestes Kommunikationsmittel bezeichnete Stoiber noch immer das Bierzelt. "Dort kannst du die Leute mit Emotionen erreichen, mit einer Kultur, wie es diese nur hier in Bayern gibt."

Ein weiteres Thema war der Rechtsruck, den Europa derzeit durchzieht. Stoiber sah hier die Volksparteien in großer Verantwortung. "Wir müssen um diese Menschen kämpfen. Rechts von der CSU darf es keine andere demokratische Partei geben." Als größte Aufgabe nannte er ein vereintes Europa. "Wir bekommen hier keine zweite Chance." In diesem Zusammenhang forderte er ein stärkeres Eingreifen in Syrien. "Was derzeit in Aleppo abgeht, ist Stalingrad", ereiferte sich Stoiber. "Gerade wir Europäer müssen die Folgen des dortigen Krieges ausbaden. Deutschland kann dies nicht alleine schaffen, da ist ganz Europa gefordert."


Etwas mehr Demut tut allen gut - Äbtissin Laetitia Fech mahnt die MenschenBereits zum vierten Mal besuchte Bayerns früherer Ministerpräsident und CSU-Ehrenvorsitzender Dr. Edmund Stoiber das Kloster Waldsassen. Umso herzlicher war der Empfang durch Äbtissin Laetitia Fech. Man kennt sich. Und so sparte Stoiber gleich bei der Begrüßung in der Aula des Klosters nicht mit Komplimenten. "Sie sind die bekannteste Äbtissin weit über Bayern hinaus. Es ist immer wieder ein Erlebnis hier sein zu dürfen".

Dem Festabend "70 Jahre CSU-Kreisverband Tirschenreuth" ging ein Dankgottesdienst in der Klosterkirche voraus, musikalisch umrahmt von den Schwestern des Klosters. In seiner Predigt mahnte Pater Benedikt Leitmayr (Kloster Fockenfeld) die Besucher, die christlich-sozialen Werte in der Politik nicht zu vergessen. Sein Ende fand der Festgottesdienst mit dem gemeinsam gesungenen "Von guten Mächten wunderbar geborgen..." von Dietrich Bonhoeffer.

Im Anschluss ging es in den herrlichen Bibliothekssaal, wo Äbtissin Laetitia Fech den Gast willkommen hieß. "Sie sind während meiner Amtszeit heute zum vierten Mal unser Gast. Ich freue mich riesig über ihren Besuch", sagte die Äbtissin. Sie gab dem Gast aus Wolfratshausen mit, dass die Figuren in der Stiftsbibliothek den Menschen den Spiegel vorhalten. Und sie forderte zu mehr Demut auf. "Ein wenig mehr tut uns allen gut."

Dabei verwies sie auf den Orden der Zisterzienserinnen ("Unser Herz ist weit offen") und bat Edmund Stoiber und die anwesenden Politiker, dass sie das Kloster Waldsassen nicht vergessen. Der frühere Ministerpräsident war sichtlich beeindruckt von Laetitia Fech, nannte die Äbtissin eine Botschafterin der Menschen. Im Anschluss trug sich Stoiber in das Gästebuch des Klosters und in das Goldene Buch der Stadt ein.

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