Freie Wähler besuchen Landwirte
Überangebot befeuert Verfall

Mitglieder der Freie Wähler-Ortsgruppe vorm Stall der Familie Kunz. Von links Lothar Siller, Andreas Kunz, Johann Wurm, Konrad Rosner, Christina Kunz, Bernhard Lux sowie Wilma Siller. Bild: hfz
Politik
Waldsassen
10.06.2016
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Zuerst die aktuelle Krise am Milchmarkt. Dann der allgemeine Verfall der Preise für Agrarprodukte. Die Freien Wähler wollten wissen, was dies bedeutet für Landwirte. Bei einem Besuch erfuhren sie mehr.

Die Ortsgruppe durfte sich auf dem Hof der Familie Kunz in Groppenheim umschauen. Dort wurde erst der Freilauf-Stall für die Bio-Rinder besichtigt und gleichzeitig erläuterten Christina und Andreas Kunz die Voraussetzungen für den Betrieb einer Biolandwirtschaft. "Sie zeigten auf, dass ihre Kühe einen vorgeschriebenen Bewegungsspielraum sowohl im Stall als auch im Freien haben müssen und nannten noch etliche weitere Punkte, die erfüllt sein müssen, um Bio-Milch zu verkaufen", heißt es in der Pressemitteilung. Für diese Bio-Milch wird derzeit noch ein Preis bezahlt, mit dem die Landwirte auskommen. Nach einem kleinen Milchtest verlegte man das Treffen ins Nebenzimmer der Gaststätte Koundl. Dort kamen noch Birgit und Helmut Übelacker dazu. Sie betreiben in Groppenheim eine Schweinezucht.

Christina Kunz - sie ist im Bundesverband Deutscher Milchviehhalter aktiv - schilderte die Entwicklung des Milchpreises in den letzten Jahren und die Möglichkeit, den Preisverfall zu stoppen. Der Milchpreis sei auch mit Quotenregelung nicht ausreichend gewesen; doch nach Abschaffung dieser Regelung sei die Milchproduktion deutlich angestiegen. Dieses Überangebot führt nun zu dem verheerenden Preisverfall. Die Bauern bekommen nur noch knapp über 20 Cent pro Liter Milch, benötigen für ein wirtschaftliches Arbeiten aber etwa 40 Cent. Dies führt bei vielen Betrieben über kurz oder lang zu Existenzproblemen.

Preisdrücker sind der Mitteilung zufolge vor allen die Supermarktketten. Sie böten Milchprodukte immer billiger an. Dagegen wehren könne man sich nur, wenn die Bauern und die Molkereien Geschlossenheit zeigen würden und wie schon einmal 2012 die Milchanlieferung drosseln würden. Dem widersprach Helmut Übelacker. Er war davon überzeugt, dass die nicht gelieferte Menge binnen kürzester Zeit aus einem der Nachbarländer ersetzt werde. Somit sei die Drosselung wirkungslos. Einig waren sich die Landwirte aber, dass etwas zur Entlastung der Landwirtschaft passieren müsse und beide zeigten kein Verständnis für die andauernde Förderung für Betriebserweiterungen durch die Politik.

Helmut Übelacker zeigte auf, dass die Problematik bei den Schweinezüchtern dieselbe sei. Für eine schlachtreife Sau erhalte ein Bauer heute mit Mühe und Not gerade noch so viel Geld, wie er in das Tier investiert habe. Auch in anderen Bereichen der Landwirtschaft gehe es ähnlich zu.

Keine Billigprodukte


Das Resümee: Die Landwirtschaftspolitik müsse reformiert werden. Der Verbraucher könne indirekt helfen, indem er nicht immer die billigsten Produkte kauft, sondern etwa öfter auch einmal die "faire Milch" oder beim heimischen Metzger.
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