Fundierte Bildung für Mädchen

Die wohl älteste erhaltene Aufnahme des klösterlichen Instituts aus der Zeit um 1866 mit einer Gruppe von Mädchen und jungen Frauen; im Hintergrund Beichtvater Michael Lorenz als Religionslehrer. Bild: Klosterarchiv/hfz
Politik
Waldsassen
26.09.2015
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Vergangenes Jahr wurde das 150-jährige Bestehen des Frauenklosters gefeiert. Jetzt steht erneut ein besonders Jubiläum an. Es rückt die 150-jährige Tradition der Abtei bei der Bildung und Erziehung der weiblichen Jugend in den Mittelpunkt.

Das Jubiläum wird am 2. Oktober begangen. Als 1863/64 im Kloster Landshut-Seligenthal die Entscheidung für die Errichtung des Filialklosters im Stiftland fiel, bestand der Entschluss, auch die örtliche Mädchenschule übernehmen zu können sowie ein Erziehungsinstitut für die weibliche Jugend zu begründen. Der Marktmagistrat von Waldsassen begrüßte diesen Plan. Die Behörden aber zeigten sich anfangs recht zögerlich.

150 Gulden jährlich

Dennoch konnte das Schuljahr bei der Mädchenschule wie auch das Institut - geführt als Internat - am 02. Oktober 1865 eröffnet werden. Zuvor, am 21. Juli 1865 hatte das Kloster in der Egerer Zeitung eine Bekanntmachung inseriert. Darin wurde für das weibliche Erziehungsinstitut geworben, das anfangs Mädchen von 5 bis 18 Jahren aufnahm und eine fundierte Bildung versprach. Die jährlichen Kosten betrugen 150 Gulden. 1867 bestand das Institut bereits aus einer höheren Töchter-Schule und einer Haushaltungsschule und umfasste 107 Schülerinnen. Die beiden ersten Verantwortlichen für das Institut - die erste Priorin des Klosters Sr. M. Cäcilia Schmid (1824 - 1895) und der volkstümliche Beichtvater Michael Lorenz (1828 - 1901) - setzten alles daran, das klösterliche Schulwesen tief religiös und bildungsreich zu gestalten. Dabei wurden sie von gelehrten Ordensfrauen unterstützt.

1867 kam es zur Einführung der Marianischen Kongregation (MC), die bald eine umfangreiche Organisation verzeichnete und ihre Mitglieder bis um 1965 begleitete. Um 1875 wurde eine eigene Lehrerinnen-Bildungsanstalt im Frauenkloster begründet, die bis zur Auflösung 1928 ein gut 50-jähriges, erfolgreiches Wirken aufweisen konnte. 1890 wurde das 25-jährige Bestehen des Instituts gefeiert. Nach Erlangung der rechtlichen Selbständigkeit des Frauenklosters 1894 ergaben sich Verbesserungen und Ergänzungen auf dem schulischen Sektor. Dies machte etwa 1909 die Errichtung des Gartenschulhauses mit einer landwirtschaftlichen Winterschule nötig.

Ab 1910 liegen gedruckte Jahresberichte vor, die umfangreiche Details enthalten und vom hohen und universellen Niveau des klösterlichen Schulwesens künden. Vor 100 Jahren, im Schuljahr 1914/15 errichtete das Kloster eine neue, 6-klassige Mädchen-Mittelschule, die bis 1935 bestand. Durch rigide Vorschriften der NS-Regierung erlitt das klösterliche Schulwesen im Dritten Reich einen erheblichen Rückschlag, bis die Ordensfrauen 1938 den Dienst in der Volksschule und 1941 auch die klösterlichen Schulen mit dem Institut einstellen mussten.

Nach dem Zusammenbruch im Frühjahr 1945 konnten die Ordensfrauen im September 1945 die Mädchenvolksschule wieder übernehmen und zwei Jahre später auch die 3-klassige Mädchenmittelschule wieder eröffnen, während das Internat 1948 wieder erstand. Allerdings machte sich in den 1960er Jahren der Rückgang des Ordensnachwuchses bemerkbar. Ab September 1970 satnd keine Ordensfrau mehr für die Mädchenvolksschule zur Verfügung.

Chronik und Jubiläumsfilm

Ab 1960 wurde die Mittelschule um eine Klasse erweitert und 1965 in "Realschule" umbenannt. Nun mussten auch weltliche Lehrkräfte eingesetzt werden. Zum Schuljubiläum wurde eine Chronik erarbeitet und ein Film gedreht. Er bietet Einblick in das bewegte Schulleben des Frauenklosters, wie es sich seit 150 Jahren entwickelt hat. (Info-Kasten)
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