Helfer vor Ort in Waldsassen
Heraus aus der Reserve

Als Einsatzauto steht dem Helfer vor Ort ein BMW, beladen mit diversen Rettungs- und Hilfsmittel zur Verfügung. Der BRK-Kreisverband hat das Fahrzeug, ein früherer Notarztwagen des Kreisverbands Altötting, den Waldsassenerrn vorübergehend zur Verfügung gestellt. Gruppenführer Christian Rosner (links) stellte das Fahrzeug den Gästen bei der offiziellen Installation der HvO-Organisation vor. Bild: pz
Politik
Waldsassen
06.06.2016
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In der Monatsversammlung der Rotkreuz-Bereitschaft am Freitag ist der Helfer vor Ort installiert worden. Bild: pz

Bereitschaftsleiter Helmut Zeitler fühlte sich an die Gründung des Rotkreuz-Ortsverbandes vor über 100 Jahren erinnert. Damals war ehrenamtliche Arbeit zum Wohl des Nächsten mehr denn je gefragt. Nicht wesentlich anders ist die Situation heute.

Es war eine reguläre Monatsversammlung am Freitag im Rotkreuzheim, der Zeitler einen offiziellen Auftakt verpasst hatte: Der Helfer vor Ort (HvO), die künftig die Primär-Versorgung bis zum Eintreffen des Rettungswagens überbrücken soll, ist bei einer kleinen Feierstunde installiert worden.

Mit dabei waren die Rotkreuzmitglieder ohnehin, aber auch viele Ehrengäste - etwa 2. Bürgermeister Karlheinz Hoyer mit einigen Stadträten, Vertreter aus den Reihen des Stadtrats, Mitglieder der Feuerwehr sowie die BRK-Spitze im Landkreis - BRK-Kreisvorsitzender und Tirschenreuths Bürgermeister Franz Stahl und Kreisgeschäftsführer Holger Schedl.

Seit 25. Mai, dem Mittwoch vor Fronleichnam, ist die neu etablierte Organisation in Dienst gestellt. "Gott sei Dank hatten wir nur einen Einsatz", verriet Helmut Zeitler. Er ergänzte, dass in der Woche zuvor der HvO zu 13 Einsätzen gerufen worden wäre. Zeitler ließ durchblicken, dass die ehrenamtlichen Mitglieder in diesem Dienst froh seien, wenn sie nicht zum Einsatz gerufen werden. "Aber wenn es darauf ankommt sind wird da." Der Ablauf in der Praxis müsse sich noch einspielen. "Es wird die Erfahrung mit sich bringen", sagte Zeitler über das künftige Vorgehen, wann der HvO mit alarmiert werden soll. "Dr. Fortelny will grundsätzlich den HvO mit dabei haben."

Gewaltiger Schritt


BRK-Kreisvorsitzender Franz Stahl nannte die HvO-Einführung einen "ganz gewaltigen Schritt" für das BRK in Waldsassen. Auch Stahl ging auf die Gründung des Rotkreuz-Verbands im Jahre 1911 ein, als freiwillige Helfer im medizinischen Dienst in Notfällen in der Region unterstützend eingriffen. Nun sei das Ehrenamt mit dem Helfer vor Ort aus einer gewissen Reserve herausgebracht. "Der Helfer vor Ort ist genau der Ehrenamtliche, der das BRK aufrecht erhält." Dies werde jetzt in Waldsassen implantiert. Die Helfer des BRK wie auch die der Feuerwehr strahlten bei Notfällen ein emotionales Gefühl aus. "Wenn jemand kommt, der Fachkompetenz zeigt, dann ist man schon einmal beruhigt." Der Kreisverband sei sich seiner Verantwortung bewusst - mit der Bereitstellung eines Defibrillators. Mit dem Auto sei zunächst Einsatzsicherheit gewährleistet. Waldsassens 2. Bürgermeister Karlheinz Hoyer unterstrich die besondere Bedeutung des Helfers vor Ort und äußerte seinen tiefen Respekt: Es sei schon wichtig, dass sich Leute bereiterklärten; andererseits bringe der Job enorme Verantwortung mit sich. Helfer stünden auch unter besonderer Beobachtung. "Das ist doch nicht so einfach." Deshalb sei die Anerkennung von Leuten, die sich dieser Aufgabe unentgeltlich widmeten, außerordentlich wichtig.

"Komische Situation"Helfer vor Ort waren in Waldsassen war ja erst mit der Verlegung der Rettungswache von Waldsassen nach Mitterteich notwendig geworden (wir berichteten mehrmals). Der Standortwechsel des Rettungswagens war am Freitag aber kein Thema mehr. "Das ist Geschichte", erklärte BRK-Kreisvorsitzender und Tirschenreuths Bürgermeister Franz Stahl in seinem Grußwort und sprach von einer "komischen Situation", aus der die Waldsassener BRK-Leute das Beste gemacht hätten. "Wir haben das Gesicht ein bisserl verzogen am Anfang", sagte Waldsassens 2. Bürgermeister Karlheinz Hoyer über die Veränderung seit Januar, als das BRK-Fahrzeug verlegt worden war und jetzt für Ersatz gesorgt werden müsse. Der Sprecher sicherte Bereitschaftsleiter Helmut Zeitler die Unterstützung der Stadt nach Kräften zu.

Spender und Förderer nötig


Die Helfer vor Ort sichern den ehrenamtlichen Einsatz von Montag bis Donnerstag von 18 bis 6 Uhr. "Wir werden versuchen, das so lange wie möglich durchzuhalten", sagte Bereitschaftsleiter Helmut Zeitler. Viele arbeiteten im Hauptberuf im Schichtdienst; dies sei Segen und Fluch zugleich. Die Einsatzzeiten freitags ab 18 Uhr bis montags um 6 Uhr, werde man ebenfalls versuchen zu sichern. Es sei gelungen Leute, die sich vor einigen Jahren "aus dem Licht des Roten Kreuzes verabschiedete haben", wieder neu zu motivieren für die Rotkreuzarbeit. "Wir müssen das auf breite Schultern stellen." Dann könne der HvO 365 Tage im Jahr sichergestellt werden.

BRK-Kreisgeschäftsführer Holger Schedl nannte Zeitler als "streitbaren Gegenüber"; aber es sei ein Kompromiss gefunden worden. Helfer vor Ort zeigten, "dass das Rote Kreuz mehr ist als ein Instrument, das von den Kassen bezahlt wird". Ehrenamtliches Engagement im BRK spiegele den Kern wider, worum es in der Organisation gehe, "... nämlich den Nächsten zu helfen in Not." Schon in den 70er Jahren, als das Rettungssystem in Bayern noch nicht installiert war, hätten engagierte Rotkreuzler "das Auto mit heim genommen und den Rettungsdienst organisiert." Dabei nannte Schedl den Anton Höfer. 80 Prozent der Dienstleistungen hauptamtlichen Personals würden ersetzt. "Aber dort wo wir ehrenamtlich tätig sind, gibt es keine finanzielle Regelung." Deshalb sei das Rote Kreuz auf Spender und Förderer angewiesen.

Bereitschaftsleiter Helmut Zeitler fühlte sich an die Gründung des Rotkreuz-Ortsverbands vor über 100 Jahren erinnert. Damals war ehrenamtliche Arbeit zum Wohl des Nächsten mehr denn je gefragt. Nicht wesentlich anders ist die Situation heute.
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