Offener Brief beklagt Vorgehen des Forstbetriebs
"Unverständlich und traurig"

Absperrbänder und Hinweisschilder deuten auf die Holzernte am Wirtsberg hin. Bild: kgg
Politik
Waldsassen
02.07.2016
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Die Langholzstämme werden in den nächsten Wochen am Parkplatz und am Weg zu den Lindinger-Teichen (Bild) gestapelt und danach abtransportiert - zu Abnehmern in der Region, vor allem zur Firma Ziegler, erklärte Gerhard Schneider auf NT-Anfrage. Bild: kgg

Ein weltfremder und romantischer Blick auf Wald und Natur ist nicht der Anlass. Eher Verzweiflung wird als Grund genannt - über die Veränderung des Waldes in unmittelbarer Nähe zu Wohnsiedlungen.

In einem Offenen Brief beklagen Anwohner am Wirtsberg das aus ihrer Sicht radikale Vorgehen des Forstbetriebs: Harvester-Maschinen im Pfaffenreuther Wald zerstörten Wald- und Kulturlandschaft in dem für die Bevölkerung wichtigen Naherholungsgebiet - so der Vorwurf. Mit Unverständnis werde das Vorgehen beobachtet. Noch größer die Verwunderung, dass die Stadt die Aktion billige.

Auf einen langen Mail-Verkehr mit Gerhard Schneider wird verwiesen - und dass darin der Forstbetriebsleiter viele Argumente für die Maßnahme angeführt habe. "Diese reichten von der Neugestaltung der Monokulturen hin zu einem Mischwald, über die Entnahme von ,Bedrängerbäumen' bis hin zur Bekämpfung des Borkenkäfers und die Gewinnung von Brennholz, Holz für Möbel oder Fußböden ..." "Sprachlos zurück" lasse die Anwohner der Hinweis, dass "... in wenigen Jahren der Wald wieder die von Ihnen geschätzte Qualität haben wird." Diese Aussage enthalte genau das Dilemma: Der Wald werde bis auf weiteres für Spaziergänger, Jogger und Naturliebhaber nicht zu betreten sein. Die Unterzeichner des Offenen Briefs äußern Verständnis, dass bayerische Wälder vorwiegend als Nutzwald unterhalten werden. Waldsassen, so heißt es, sei von Wäldern umgeben. "Wieso müssen gerade diese Waldrandgebiete ,geerntet' werden?" Die Veränderung einer gewachsenen Waldlandschaft, mit breiten geschotterten Wegen, für Spaziergänger und Radfahrer ungeeignet, lasse sich am Waldstück links der Pfaffenreutherstraße erkennen. "Dort wurden die Maßnahmen schon durchgeführt."

"Der Kahlschlag am Wirtsberg hat bereits begonnen", heißt es in dem Brief. Das Vorgehen stoße bei "allen Anwohnern der Pfaffenreuther Straße und des Wirtsbergs" auf Unverständnis. "Wir ... fordern die Maßnahme unverzüglich zu überdenken." Sonst gehe ein wichtiges Stück Heimat verloren. Die Sorgen werden auch mit den Bemühungen Waldsassens als "Weltkulturerbe Stiftland" zu punkten begründet. Die Holzernte dort sei "absolut unverständlich und traurig".

Rund 800 Festmeter


"Mit solchen Konfliktsituationen müssen wir leben", sagt Gerhard Schneider und äußert Verständnis für die Anwohner und dass sie sich für ihren Erholungswald einsetzen. "Aber er ist nicht als solcher ausgewiesen." Naturschutzgebiet sei die Fläche nicht. Die Maßnahme sei zuvor angekündigt worden; die Holzernte werde so schonend als möglich gestaltet. Den Vorwurf des "Kahlschlags" am Wirtsberg weist Schneider aber entschieden zurück - in Anbetracht der rund 800 Festmeter, die aktuell dort geerntet werden.

Nach den Worten von Schneider ist in Kürze ein Drittel bis die Hälfte des Holzeinschlags erledigt. Nächste Woche werde der Maschineneinsatz eingestellt. Bis in vier Wochen etwa sollten am Weg zu den Lindinger-Teichen und am Parkplatz die Stapel mit sortiertem Langholz wieder verschwunden sein. Im Herbst und im Winter beginnt laut Schneider der zweite Teil der Holzaktion in dem rund 40 Hektar großen Gebiet - dann aus Richtung Pfaffenreuth. "Dann ist wieder zehn Jahre Ruhe." Großen Wert legt der Forstbetriebsleiter auf die Feststellung, dass die Holzernte rechtmäßig und darüber auch der Stadtrat informiert worden ist. Mit der Aktion werde die Qualität des Bestands erhöht und zum Mischwald umgebaut. "Dann ist der Bestand wieder stabil", sagt Schneider im Hinblick auf die Schnee- und Windbrüche in der Vergangenheit. Außerdem verweist Schneider auf die Verkehrssicherungspflicht am Wanderparkplatz und am Waldweg zu den Lindinger-Teichen. Verpflichtet sei der Forstbetrieb außerdem zur Beseitigung von Bäumen, die vom Borkenkäfer befallen sind. (Info-Kasten)

Mehrere UnterzeichnerDer Offene Brief wurde verfasst von Susanne Neumann. Außerdem unterzeichnet haben: Renate und Gerhard Goblirsch, Brigitte und Helmut Horcher, Angelika und Peter Kodewitz, Berti und Alfred Neumann, Jürgen Neumann, Dagmar und Wolfgang Schmaus, Maria Siller, Ludwig und Hildegard Spreitzer, Carmen und Walter Pilsak.


Dann ist der Bestand wieder stabil.Forstdirektor Gerhard Schneider
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