Vortrag von Robert Treml zum Jubiläum "120 Jahre Stadt Waldsassen"
Geschichte und Geschichten

Die Neualbenreuther Straße entlang der Klostermauer um 1950. Brennholz ist vom Holzplatz mit dem Handwagen heimgebracht worden. Bild: hfz
Politik
Waldsassen
01.04.2016
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Blick in die Druckerei von Albert Angerer um 1920, wo mehrmals in der Woche auch die "Grenz-Zeitung" entstand. Mit im Bild ist der Chef (Dritter von rechts). Die beiden Personen links sind nach Einschätzung von Heimatpfleger Robert Treml Mitarbeiter der Druckerei und nachträglich ins Bild montiert. Bild: hfz

Zur Stadt erhoben worden ist Waldsassen 1896: Der Markt hatte sich bis dahin mit aufstrebenden Fabriken, namhaften Handwerksbetrieben und mit seinen kulturhistorischen Denkmälern weit entwickelt.

Historische Einblicke dazu und viele Geschichten rund um die Stadterhebung erzählt Stadtheimatpfleger Robert Treml am Mittwoch, 6. April, im Jugendheim.

Dass für das langgehegte Projekt "Stadterhebung" endlich "grünes Licht" aus München kam, lag neben der allgemeinen Entwicklung an weiteren Faktoren: Positiv hatte sich auch ausgewirkt, dass schon seit 1865 die Eisenbahn nach Waldsassen führte, dass es am Ort seit 1884 eine eigene Zeitung gab, dass eine ganze Reihe von Behörden ansässig war und dass auch das Frauenkloster mit seinem Internat und seinen Wirtschaftsbetrieben gute Perspektiven bot. Dabei fügte sich die Stadterhebung harmonisch ein, in die allgemeine kulturelle und wirtschaftliche Euphorie jener Jahrzehnte von 1890 bis 1914, die steil nach oben wies. Die Einwohnerzahl verdoppelte sich in dieser Zeit nahezu, war bis 1910 auf über 5000 gestiegen.

Bürgermeister mit Tatkraft


Eine herbe Zäsur bildete jedoch der Erste Weltkrieg, bei dem fast 180 Söhne der Stadt ihr Leben verloren, 24 vermisst blieben und eine stattliche Anzahl als Versehrte aus dem Krieg heimkehrten. Zu ihrem Gedenken errichtete die Stadt im Sommer 1922 das Krieger-Ehrenmal. Durch die Tatkraft des rechtskundigen Ersten Bürgermeisters Josef Hierl gelang es, die Entwicklung der Stadt auf vielen Gebieten entscheidend voranzubringen, so etwa durch die Errichtung des Stadtbades und der Kläranlage, den Bau des Verwaltungsgebäudes und der neuen Schule am Lämmeracker, aber auch die Pflasterung vieler Straßenzüge und den Bau neuer Wohnhäuser.

Im Zweiten Weltkrieg waren 377 gefallene und 164 vermisste Mitbürger zu beklagen. Der Neubeginn nach 1945 war auch in der Klosterstadt schmerzlich und mühsam und erst im Laufe der Jahre allmählich zu bewältigen. Die markanten Ereignisse der Nachkriegszeit bildeten der Zustrom von Heimatvertriebenen und deren Eingliederung, die Aufnahme eines beachtlichen Bauprogramms im Bereich Bahnhof- und Adalbert-Stifter-Straße, am Pfaffenreuther Berg und im Bereich der Schützenstraße sowie der Ausbau von Industrie und Wirtschaft. Dabei lag die Stadt nun am "Eisernen Vorhang", war in Randlage gekommen.

Eine neue Ära ergab sich ab 1960 mit den Bürgermeistern Franz Fischer, Hans Schraml und Herbert Hahn. Ihnen boten sich ein breitgefächertes Aufgabengebiet und erheblicher Nachholbedarf: So wurden ab 1963 die Ortsdurchfahrt und das Stadtbad erneuert, 1970/71 die neue Hauptschule errichtet und 1973 das neue Rathaus bezogen. 1972 wurden drei Gemeinden eingegliedert. Außerdem konnten nun endlich die gravierende Wohnungsnot behoben und viele weitere, gewichtige Projekte bewältigt werden. Auch in kultureller Hinsicht ergaben sich großartige Leistungen, so z.B. durch die Konzerte und Vereine, durch die Patenschaft mit Chodau und die Partnerschaften wie auch durch die Stadtbücherei und das Stiftlandmuseum.

Neue Herausforderungen


Neue Herausforderungen brachte die Grenzöffnung 1990 und das nun einsetzende, gestiegene Verkehrsaufkommen ebenso, wie die Schließung der Porzellan- und der Klinkerfabrik und die Beseitigung der Industrie-Brachen. Gleichzeitig zeigt sich in ein tiefgehender Wandel in vielen Bereichen: Ältere Häuser stehen leer, Handwerksbetriebe brechen weg, Vereine lösen sich auf. (Info-Kasten)

"120 Jahre Stadt Waldsassen": VortragIm Stiftlandmuseum ist kürzlich die Sonderausstellung zum Thema "120 Jahre Stadt Waldsassen 1896 - 2016" eröffnet worden. Jetzt bietet das Museum zusammen mit der Tourist-Info dazu auch einen interessanten Lichtbildervortrag an - am Mittwoch, 6. April, um 19.30 Uhr im Jugendheim. Nach einer kurzen Einführung zur Entstehung und zum Werdegang des Ortes steht die Stadterhebung von 1896 im Vordergrund des Abends mit Stadtheimatpfleger Robert Treml.
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