Waldsassen und Eger gemeinsames Oberzentrum
Türöffner und Impulsgeber

Waldsassen wird gemeinsam mit der tschechischen Nachbarstadt Éger zu einem Oberzentrum aufgewertet. Das bringt enorme Vorteile. Bild: Grüner
Politik
Waldsassen
12.05.2016
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Wenn sich Bernd Sommer mächtig ärgert, dann geht er auch schon mal in die Luft. Das hat der Waldsassener Bürgermeister auch am Donnerstag getan. Allerdings aus reiner Freude.

(bz/pz) Heimatminister Markus Söder hat die Klosterstadt quasi geadelt. Zusammen mit Eger bildet Waldsassen ein grenzüberschreitendes Oberzentrum und steht damit gleichbedeutend mit Weiden und Amberg, Regensburg und Neumarkt in der Oberpfalz und dem benachbarten Marktredwitz-Wunsiedel in Oberfranken.

"Ich konnte es zuerst gar nicht glauben", zeigte sich Bernd Sommer über die Nachricht völlig überrascht. Alleine die Funktion Waldsassens als Bindeglied nach Tschechien sei der Grund für die Aufstufung. Der Titel "Oberzentrum" bedeute aber auch große Verantwortung, die Verzahnung mit den tschechischen Nachbarn noch stärker zu betreiben. "Das adelt schon irgendwo", freut sich Sommer über die Aufwertung und sieht darin eine Aufgabe "für die Region und für Bayern".

Bereits vor dem Jahr 2000 waren die beiden Nachbarstädte Waldsassen und Eger zum grenzüberschreitenden Mittelzentrum erhoben worden. Oberzentren haben auch Verantwortung, im Hinblick auf die Versorgung der Region. Er, Sommer, hat nach eigenen Angaben von seiner Seite aus nichts unternommen. "Das wäre vermessen gewesen", sagt Sommer angesichts der anderen Oberzentren in der Oberpfalz. Demnach wäre Waldsassen-Eger wohl auch die kleinste im Reigen der Kommunen mit dem Titel.

Finanziell ist dadurch laut Sommer zunächst nicht mit größeren Auswirkungen zu rechnen. Aber durch den neuen Status im Landesentwicklungsplan würden Ansiedlungen erleichtert und Vorgaben im Bau- und Planungsrecht vereinfacht.

Landrat Wolfgang Lippert ist von der Nachricht "angenehm überrascht". Er sieht in der Aufstufung auch eine Plattform für die Schaffung neuer Infrastrukturen. "Da sind jetzt Dinge möglich, die vorher einfach nicht denkbar waren." Lippert sieht in der neuen Konstellation auch eine Würdigung der grenzüberschreitenden Aktivitäten der beiden benachbarten Städte. "Was der Eiserne Vorhang über Jahrzehnte getrennt hat, das ist jetzt auf einmal Impulsgeber." Dass jetzt völlig neue Fördertöpfe angezapft werden können, bezeichnet Wolfgang Lippert als "einfach gigantisch". Und er sieht in den aktuellen Beschlüssen auch, dass es der Staatsregierung tatsächlich ernst zu sein scheine mit der Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse in Bayern. "Das ist spürbar."

Nach der Behördenverlagerung mit 460 Arbeitsplätzen im vergangenen Jahr in die nördliche Oberpfalz und das angrenzene Marktredwitz sieht MdL Tobias Reiß den zweiten großen Wurf des Heimatministeriums. "Das ist ein Meilenstein für die Entwicklung der Region." Entscheidend waren für Reiß die Behördenverlagerungen nach Waldsassen und Windischeschenbach sowie Aspekte der interkommunalen Zusammenarbeit.

Neben der Klosterstadt werden aber auch Erbendorf sowie Windischeschenbach landkreisübergreifend gemeinsam höher gruppiert und steigen zum Mittelzentrum auf. "Damit gehen Vorteile bei der Ansiedlung von Gewerbe und Handel einher, können Behörden und Infrastruktureinrichtungen noch stärker in der Region konzentriert und erhalten werden", so Tobias Reiß

Auch im benachbarten Oberfranken gibt es ein neues Oberzentrum. Auch dort grenzüberschreitend mit den beiden Städten Selb und Asch. "Für uns ist das ein ganz großer und wichtiger Schritt in die Zukunft", sagt Selbs Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch. "Das Oberzentrum ist ein Türöffner für etliche Themen." Pötzsch will gemeinsam mit seinem Ascher Amtskollegen Dalibor Blažek das Krankenhaus als Gesundheitszentrum für die beiden Städte ausbauen und hier auch Patienten aus dem Nachbarland behandeln, um so diese Einrichtung langfristig zu sichern. Der gemeinsame Weg von Selb und Asch ist keine Erfindung der Staatsregierung, die Initiative dafür kam von den beiden Städten. Sie hatten sich vor rund einem Jahr um diese Aufstufung beworben. Bislang war Selb als Mittelzentrum eingestuft.
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