23. Ärzte-Einsatz in Tansania
Feuerkinder-Team operiert im Akkord

Nach erfolgreicher Mission stellte sich das Team zum Gruppenfoto vor dem Nkoaranga Hospital auf. Beim 23. Einsatz wurden über 100 erfolgreiche Operationen durchgeführt. Bild: hfz
Vermischtes
Waldsassen
10.11.2016
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Sehr erfreulich und als Verständigung zwischen den Religionen sieht Dr. Annemarie Schraml (rechts), dass etliche Kinder in Begleitung ihrer streng muslimisch gläubigen Eltern, in das christlich geführte Nkoaranga-Krankenhaus kamen und sehr harmonisch mit Eltern anderer Religionen und Stämmen zusammenlebten.

In gewisser Weise macht das "Feuerkinder-Operationsteam" Lahme wieder gehend. Beim 23. Einsatz im September und Oktober in Tansania führte es 101 Operationen durch.

Schon zum dritten Mal war Dr. Annemarie Schraml aus Waldsassen in diesem Jahr in Tansania. Mit im Team waren zwei OP-Schwestern aus dem Josephinum München und, bereits zum vierten Mal, Professor Johannes Hamel, ein Fußspezialist aus der Landeshauptstadt. Einmal mehr habe sich die Zusammenarbeit mit dem Reha-Center Usa River und dem Plasterhouse in Arusha bewährt, freut sich Dr. Schraml. Dort werden die Kinder und Jugendlichen mit Seriengipsverbänden auf die Operation der Klumpfüße vorbereitet, mit Essen versorgt und können bis zum Abschluss der Behandlung bleiben.

Besonders kalte Nächte


Auch in Tansania vollzieht sich ein Klimawandel, berichtet Schraml und es sei für die Jahreszeit außergewöhnlich kalt gewesen. Deshalb seien die mitgebrachten Decken, Socken und Mützen besonders während der kalten Nächte äußerst hilfreich gewesen. Nach 17 Jahren Einsatz in Tansania gelang es Annemarie Schraml endlich wieder einmal an einem Sonntag, nach vierstündiger Fahrt von Usa River nach Kifungilo, Schwester M. Monika Heindl aus Münchenreuth zu besuchen. Die 85-Jährige arbeitet seit mehr als 55 Jahren aufopferungsvoll in Tansania.

Die Fahrt durch die Usambara-Berge zur Klosteranlage sei anstrengend und nicht ungefährlich gewesen. Die wenigen Stunden bei den Schwestern, vor allem die Begegnung mit Sr. Monika, die in ihrem hohen Alter noch voll arbeitet und die beste Sekundarschule Tansanias für Mädchen, mit 510 Schülerinnen, verwaltet, sei ein tiefes Erlebnis und ein Auftanken für Leib und Seele gewesen.

Sehr harmonisch


Als sehr eindrucksvoll bezeichnete Dr. Schraml wie harmonisch dort zwei deutsche, eine österreichische und 14 einheimische Missionsschwestern vom Kostbaren Blut (in Deutschland begründet) zusammenleben und arbeiten. Im Klosterareal gibt es auch eine kleine Krankenstation, die von Schülerinnen und Bewohnern der sehr bergigen Region besucht wird.

Von einer Ablehnung gegenüber Deutschen (Deutschland beherrschte die Gegend um die Stadt Lushoto viele Jahre lang), sei nichts zu spüren gewesen. Überhaupt sei es immer wieder tief beeindruckend, wie freundlich und zugewandt gerade sehr arme Menschen in Tansania sind.

Sehr erfreulich und als Verständigung zwischen den Religionen zu sehen, wertet Schraml, dass in diesem Jahr etliche Kinder in Begleitung ihrer, streng muslimisch gläubigen, Eltern in das christlich geführte Nkoaranga-Krankenhaus kamen. Sie lebten harmonisch in den 8- oder 10-Bett-Zimmern mit Müttern anderer Religionen und Stämmen zusammen.

Als äußerst schwierig bei diesem Einsatz habe sich erwiesen, dass die Röntgenanlage im Nkoaranga-Krankenhaus defekt war und die Patienten ins 25 Kilometer entfernte Arusha gefahren werden mussten. Für jedes Röntgenbild wurden 25 000 Tansanische Shillinge (entspricht etwa 12 Euro) fällig, was sich bei der Vielzahl der Patienten schnell summierte.

Deutliche Verbesserung


Erfreulich dafür, dass der im vergangenen Jahr gekaufte und nach etlichen Reparaturen funktionstüchtige Sterilisator während des gesamten Einsatzes anstandslos funktioniert habe. Im Nkoaranga-Krankenhaus konnten, nach Schwierigkeiten Anfang des Jahres, einige examinierte Krankenschwestern und Pfleger angestellt werden. Eine deutliche Verbesserung der Patientenversorgung.

Sehr erfreulich sei gewesen, dass Dr. Julius Mollel seine, vom Feuerkinder-Team finanzierte, Ausbildung zum Allgemeinchirurgen erfolgreich abgeschlossen hat und nun neben Dr. Samuel Kiwesa, dem Unfallchirurgen, auch im Nkoaranga-Krankenhaus operiert. Ein weiterer Schritt zu einer nachhaltigen Verbesserung der medizinischen Versorgung in der Meru-Diözese.

Beim aktuellen Einsatz mussten mehr Patienten und ihre Begleiter als in den vergangenen Jahren mit Geld für Essen und/oder Transport zum Krankenhaus und nach Hause unterstützt werden. "Die Schere zwischen Arm und Reich geht in Tansania dramatisch auseinander."

Ein von Time Holub aus Hohenberg an der Eger unterstützter Junge kam in Begleitung seines Vaters zur Operation des zweiten Klumpfußes. Beide strahlten vor Freude, weil der 10-jährige Junge nun in die Schule gehen kann und so bessere Chancen hat, sich später seinen eigenen Lebensunterhalt zu verdienen.

Der nächste Einsatz ist für den Februar 2017 geplant. Am 12. wird dort Bischof Dr. Paolo Akyoo im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes in den Ruhestand verabschiedet. Er hat Dr. Schraml, die ihn vor 10 Jahren wegen eines sehr komplizierten Unterschenkelbruches erfolgreich operiert hatte, nach Tansania zur Verabschiedung eingeladen.

Kleineres Team


Mit einem kleineren Team geht es bei dem neuerlichen Einsatz nach Afrika. Es ist geplant, dabei auch Kinder im von den Schweizer Franziskanerinnen Sr. Blasia und Sr. Verona neu gebauten Operationssaal in der Dispensary Rhotia zu operieren. Bisher mussten sie von dort ins 200 Kilometer entfernte Nkoaranga-Krankenhaus gebracht werden.

SpendenkontoDa die Aufgaben und finanziellen Anforderungen angesichts der großen Not in Tansania trotz des langjährigen Einsatzes und vieler positiver Entwicklungen eher zu- als abnehmen, ist Dr. Annemarie Schraml mit ihrer Feuerkinder-Aktion weiterhin auf Unterstützung und Spenden angewiesen.

Dafür gibt es ein eigenes Konto: Evangelische Bank Kassel, IBAN: DE53520604100103509982, BIC: GENODEF1EK1, Verwendungszweck: Projekt Feuerkinder

Für Spenden und für die vielseitige großzügige Unterstützung über nun 17 Jahre. sagt Dr. Annemarie Schraml, auch im Namen ihrer vielen Patienten ein "Herzliches "Vergelt's Gott" oder auf Kisuaheli " Asanta sana" . (tr)


Die Schere zwischen Arm und Reich geht in Tansania dramatisch auseinander.Dr. Annemari Schraml
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