An der Tankstelle geht eine Ära zu Ende
Grün, blau, rot-weiß

Bei der Eröffnung der Autowerkstatt neben der Tankstelle Ende der 50er Jahre. Zweiter von links Firmengründer Leo Enslein sowie (Vierter von rechts) Georg Zrenner. Der spätere Kfz-Meister und Serviceberater blieb dem Autohaus bis zum Eintritt in den Ruhestand 1996 treu. Bilder: privat
Vermischtes
Waldsassen
15.03.2016
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Nach der Eröffnung der Tankstelle 1956 erweiterte Leo Enslein den Betrieb um eine Autowerkstatt. Später zog die Firma an die Lämmerstraße um. An der Mitterteicher Straße war es nach mehreren Anbauten zu eng geworden.

Einen neuen Anstrich haben die Zapfsäulen im Laufe der Jahrzehnte immer wieder erhalten. Aber seit Anfang März ist an der Mitterteicher Straße eine Ära zu Ende gegangen.

Bayram Aslan hat von Helga Enslein die Immobilie an der Bundesstraße B 299 erworben - eine gute Lösung für den Fortbestand des Betriebs, sagt die frühere Inhaberin. Sie weiß das Vermächtnis ihres 2011 verstorbenen Ehemanns Leo Enslein mit dem Verkauf an die Familie Aslan in guten Händen. Denn mit der Tankstelle begann die Firmengeschichte des heutigen Autohauses Enslein&Schönberger.

Nach dem Erwerb des Grundstücks im Jahre 1956 begründete Leo Enslein mit der Eröffnung noch im gleichen Jahr sein Lebenswerk. Zwei Zapfsäulen, der Kassenraum und darüber eine kleine Betriebswohnung ließ Enslein auf dem vormals freien Grundstück errichten. Zu Beginn prägte Grün die Anlage: An der Tankstelle gab's BP-Benzin, dann folgte der Übergang zur Aral; seit einigen sind die Zapfsäulen noch einmal umlackiert worden - von blau auf rot-weiß, die Farben von Avia. In den folgenden Jahren erweiterte Leo Enslein den Betrieb Zug um Zug. Zunächst der Anbau einer Werkstatt und unterschrieb einen Händler- und Service-Vertrag mit dem Volkswagenwerk und später mit Audi in Ingolstadt. "Damals war es noch einfach", erinnert sich Helga Enslein an die florierende Auto-Branche zu jener Zeit. "Die Leute haben lange auf ihr Auto warten müssen."

Die Witwe des Firmengründers Leo Enslein war nach der Hochzeit 1964 nach Waldsassen gekommen und arbeitete fortan im Büro mit. Von Anfang an gehörte dem Team Georg Zrenner an, der wenig später Kraftfahrzeugmeister in der noch jungen Firma war. Zrenner, der 2011 starb, blieb dem Unternehmen sein ganzes Berufsleben in dieser Position treu. Nach mehreren Erweiterungsbauten wurde der Platz in der Mitterteicher Straße zu eng, ehe Enslein gegenüber des Festplatzes an der Lämmerstraße ein weiteres Autohaus errichtete. Daraus ging - nach mehrfacher Erweiterung und unter veränderten Gesellschafter- Strukturen - das Autohaus Enslein&Schönberger hervor.

Mit vereinten Kräften


"Ich bin froh, dass ich Herrn Aslan gefunden hab'", ist Helga Enslein vollauf mit der Lösung zufrieden. Sie bewundert den Mut und Optimismus, mit dem Bayram Aslan seine neue Aufgabe angeht: "Er kauft sich viel Arbeit, Arbeit von früh sechs bis abends acht. Das macht heutzutage nicht jeder", sagt Helga Enslein. Doch sie ist zuversichtlich, dass dies die große Familie mit vereinten Kräften schafft. "Ich denke, das passt."

Geld in Automaten


Helga Enslein erinnert sich noch gut an den ersten Münzautomaten der Tankstelle: "Da konnte man nachts Geld reinstecken und dafür gab's Benzin. Das war damals etwas Neues." Auch Einbrecher suchten die Tankstelle heim, nahmen eine alte Registrierkasse. "Die wurde später aus einem Teich gefischt."

Vielen älteren Waldsassenern in guter Erinnerung sind die Tankwarte in den vergangenen Jahrzehnten - Josef Feketicz, der nach dem Krieg aus Ungarn nach Waldsassen kam und vor dem Job an der Tankstellen-Kasse die spätere Gaststätte "Zum Egerländer" betrieb. Viele Jahre Tankwart war Michael Reger aus Schwarzenbach bei Bärnau. Kassiererin war außerdem Anita Baumgärtl.

Perfekt in Eigenregie


In den vergangenen Jahrzehnten war die Tankstelle im Pachtverhältnis von Margit und Hermann Bächer betrieben worden. Beiden ist Helga Enslein dankbar für die gute Führung des Betriebs. "Die haben das in Eigenregie perfekt gemacht."
Ich bin froh, dass ich Herrn Aslan gefunden hab'.Helga Enslein über den Fortbestand der Tankstelle
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