Auf dem Weg zum Welterbe
Experten schauen sich "Klosterlandschaft Waldsassen/Stiftland" an

Aus dem Hubschrauber heraus betrachteten die Experten die Klosterlandschaft Waldsassen. Im Bild (von links) Dr. Thomas Büttner, Professor Dr. Winfried Schwenk, Christian Malzer und Harald Hertel. Bild: hfz
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Waldsassen
22.01.2016
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Klosterlandschaften sind oft himmlisch. Zumindest wenn man sie von oben betrachtet. Dazu muss man allerdings in die Luft gehen. Und das taten die Experten jetzt auch im Stiftland.

Auf Einladung des Fördervereins "Klosterlandschaft Waldsassen/Stiftland" waren der Inhaber des Lehrstuhls für historische Geographie der Universität Bonn, Professor Dr. Winfried Schenk, und Dr. Thomas Büttner, anerkannter Experte zur Untersuchung historischer Kulturlandschaften, ins Stiftland gekommen, um die Qualitäten der Klosterlandschaft zu ergründen. Die Exkursion wurde von Christian Malzer, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU München und Sprecher der Regionalgruppe Otnant des Historischen Vereins, und Harald Hertel, Projektkoordinator des Fördervereins, geleitet.

Der Besuch erfolgte vor den aktuellen Entwicklungen im durch die Zisterzienserabtei Ebrach geprägten Steigerwald. Dort existieren ähnliche Bestrebungen wie im Stiftland, den Wald als eine vom Kloster geprägte Kulturlandschaft zu betrachten und als Welterbe zu nominieren. Damit bestehen inhaltliche Parallelen zur Zielstellung der Stiftländer, die sich langfristig den Welterbetitel auf die Fahnen geschrieben haben. Dies war ja in einem Gutachten der Stadt Waldsassen vor zwei Jahren empfohlen so worden.

Die beiden Experten wollten sich daher selbst ein Bild von den angepriesenen Qualitäten machen und über ein gemeinsames Vorgehen diskutieren. Angedacht wurde auch ein Schulterschluss mit tschechischen und österreichischen Klosterlandschaften. So ein Antrag zur Anerkennung als Welterbe entsteht derzeit auch unter Federführung der Kurbäder Karlsbad, Marienbad und Franzensbad zusammen mit Partnern in Deutschland und Belgien. Dort lautet das Motto: Weltbäder des 19. Jahrhunderts.

Im Mittelpunkt des Besuches standen daher nicht die Basilika und die barocken Bauten, sondern die landschaftlichen "Versatzstücke" klösterlicher Prägung, die Zeugnis vom Gestaltungswillen der Zisterziensermönche ablegen. Schon nach wenigen Stationen zeigten sich die beiden Gäste vom Landschaftsbild sehr beeindruckt. Die ehemaligen Wirtschaftshöfe des Klosters heben sich noch immer deutlich aus der Kulturlandschaft hervor. Wie im Steigerwald ist auch im Waldsassener Raum die netzartig verdichtete "Klosterlandschaft" bis heute sehr deutlich im Landschaftsbild ablesbar. Auf dem Programm standen der Tirschenreuther Fischhof mit den Arealen der alten Stadtteiche, Kornthan mit dem dortigen Vierseithof der Familie Meierhöfer, der Mitterhof bei Waldsassen und das Gut Altenhammer. Der Höhepunkt war ein Hubschrauberrundflug über das Stiftland und die Tirschenreuther und Wiesauer Teichpfanne, den Harald Hertel organisiert hatte. Das perfekte Wetter ermöglichte den Fachleuten großartige Impressionen. Die geschichtlichen Hintergründe zur klösterlichen Landschaftsprägung erklärte Christian Malzer beim Rundflug. Schenk und Büttner waren begeistert und stellten fest, dass die riesige Teichlandschaft sicherlich der eindrucksvollste Kulturlandschaftsbereich sei.

Die Qualitäten als Voraussetzung für eine Beantragung als Weltkulturerbe seien gewiss vorhanden. Themen wie die Teichwirtschaft, die sakrale Prägung der Landschaft sowie die klösterlichen Wirtschafts- und Verwaltungsstandorte sollten demnächst plakativ aufgearbeitet werden, um ein Bewusstsein für die Werte der vorhandenen Kulturlandschaft zu schaffen und die Marke Klosterlandschaft Waldsassen - Stiftland zu verselbstständigen.
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