Einmalige Kulturlandschaft

Die vorletzte Station der Exkursion war das Wehr des ehemaligen Unteren Stadtteiches in Tirschenreuth. Viele der Fachleute hatten ein solches Zeugnis der Teichbaukunst noch nie gesehen. Bilder: hfz (2)
Vermischtes
Waldsassen
21.09.2016
154
0
 
Erstes Ziel der Tour durch das Stiftland war der Mitterhof bei Waldsassen. Dort erfuhren die Fachleute, welche Bedeutung das Anwesen als ehemaliger Wirtschaftshof des Klosters einst hatte und wie es heute genutzt wird.

Namhafte Experten aus den Fachbereichen Geschichte, Ortsnamenforschung, Denkmalpflege und Geografie berief der Förderverein "Welterbe Klosterlandschaft Waldsassen - Stiftland" in seinen wissenschaftlichen Beirat (wir berichteten). Ein zentraler Programmpunkt der Tagung war eine Exkursion zu mehreren Stationen.

/Tirschenreuth. Projektkoordinator Harald Hertel stellte eingangs im Haus St. Joseph den Förderverein und seine Ziele vor, ehe im Anschluss Christian Malzer zur Stellung des Klosters Waldsassen bis zur Säkularisation referierte. Danach präsentierte Armin Röhrer noch einmal die Ergebnisse der ersten Kulturlandschafts-Inventarisation zur Klosterlandschaft Waldsassen. Im Anschluss bereisten die Mitglieder des Beirates einige ausgewählte Stationen des Stiftlandes.

Macht des Klosters


Diese Stationen sollten den Fachleuten vor Augen führen, dass sie in ihrer Anhäufung und in ihrem geschichtlichen Zusammenwirken in besonderer Art und Weise eine Landschaft abbilden, welche die historisch entstandenen Kulturen der Vergangenheit - wie etwa die Teichwirtschaft - bis in die Gegenwart transformiert. Andererseits sollte anhand von Einzelobjekten die einstige wirtschaftliche und administrative Macht des Klosters demonstriert werden.

Begleitet wurden die Mitglieder des wissenschaftlichen Beirates unter anderem von Waldsassens Bürgermeister und Fördervereinsvorsitzendem Bernd Sommer, Äbtissin Laetitia Fech von der Zisterzienserinnenabtei Waldsassen, zugleich stellvertretende Vereinsvorsitzende, und vom 2. Bürgermeister der Stadt Tirschenreuth, Peter Gold, der Bürgermeister Franz Stahl vertrat. Letzterer ist ein weiterer stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins.

Die Route führte zuerst zum Mitterhof bei Waldsassen, einem ehemaligen Wirtschaftshof des Klosters. Matthias Frank, der Erbpächter des Hofes, gab einen kurzen geschichtlichen Abriss und stellte das jetzige Nutzungskonzept mit Straußenfarm vor. Mit der nächsten Station, dem Pfarrhof und der Totentanzkapelle in Wondreb, war man dann schon im Bereich der Stadt Tirschenreuth angelangt. Die Führung übernahm ab hier Thomas Sporrer als Gästeführer der Stadt, der für das Publikum routiniert und spannend die geschichtlichen Hintergründe präsentierte. In der Totentanzkapelle übergab er die Führung zeitweilig an die Wondreberin Stefanie Scharnagl, die ebenfalls ihre Kenntnisse zum Wondreber Totentanz unter Beweis stellte.

Die nächsten Stationen waren schließlich der Fischhof Tirschenreuth mit der Steinernen Brücke und dem im Jahr 2013 im Fischhofpark teilweise wiederhergestellten Oberen Stadtteich. Thomas Sporrer bemerkte, dass es an ein Kunststück grenze, in solch extrem kurzer Zeit vor einem Kreis aus Fachleuten die örtliche Geschichte zu erklären. Er habe diese Aufgabe jedoch mit Bravour gemeistert, wie es aus der Runde der Teilnehmer hieß.

Bei der Himmelsleiter wurden die Exkursionsteilnehmer von Architekt Peter Brückner begrüßt. Dieser erklärte ihnen seine mehrfach mit Preisen ausgezeichnete architektonische Konzeption. Von der Weitläufigkeit der Teichpfanne konnten sich die Experten selbst überzeugen. Bei bestem Spätsommerwetter zeigten sich alle Fachleute sichtlich begeistert. Die vorletzte Station das Wehr des ehemaligen Unteren Stadtteiches, ein außergewöhnliches Zeugnis der Teichbaukunst, das viele in dieser Art noch nie gesehen hatten. Die Exkursion endete in Kornthan beim ehemaligen Meierhof des Klosters mit Blick auf den Kornthaner Weiher, den die Mönche vor 650 Jahren anlegen ließen. Dessen ursprüngliche Größe ist noch heute erhalten. Adalbert Busl ging detailliert auf die Kornthaner Historie ein.

Zwei Beiratssprecher


Am Ende waren sich alle einig: Die Klosterlandschaft sei eine einmalige historische Kulturlandschaft, die möglicherweise auch das Zeug dazu habe, im nächsten Jahrzehnt als Welterbe anerkannt zu werden. Bis dahin wartet aber noch viel Arbeit auf die Fachleute und den Verein. In einem letzten Vortrag erläuterte Dr. Thomas Gunzelmann die Kriterien und das Prozedere eines Welterbe-Antrags, ehe im Anschluss daran der wissenschaftliche Beirat Christian Malzer zum Sprecher und Dr. Bernd Thieser zum stellvertretenden Beiratssprecher wählte.



Wissenschaftlicher BeiratFolgende Fachleute bilden den wissenschaftlichen Beirat des Fördervereins "Welterbe Klosterlandschaft Waldsassen - Stiftland e.V.":

Dr. Tobias Appl (Kultur- und Heimatpflege des Bezirkes Oberpfalz); Dr. Thomas Büttner (Büro für Heimatkunde und Kulturlandschaftspflege); Adalbert Busl (Schriftleiter der Oberpfälzer Heimat, Vorstandsmitglied im Heimatkundlichen Arbeitskreis Weiden); Dr. Silvia Codreanu-Windauer (Leiterin des Referats B II Oberpfalz beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege); Prof. Dr. Katerina Charvátová (Pädagogische Fakultät der Karlsuniversität Prag; Expertin für zisterziensische Themen in Tschechien); Dr. Thomas Gunzelmann (Hauptkonservator, stellvertretender Referatsleiter Siedlungs- und Kulturlandschaftsdokumentation am Landesamt für Denkmalpflege; Vorsitzender des Arbeitskreises Landeskunde und Kulturlandschaft beim Bayerischen Landesverein für Heimatpflege); Dr. Wolfgang Janka (wissenschaftlicher Mitarbeiter der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und der Universität Passau; Mitglied in der Kommission für bayerische Landesgeschichte); Giulio Marano (Hauptkonservator a. D. am Landesamt für Denkmalpflege, früherer Sprecher der Monitoring-Gruppe des deutschen UNESCO-Nationalkomitees); Christian Malzer (wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Wald- und Umweltpolitik an der TU München, Sprecher der Regionalgruppe Otnant des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg, Doktorand am Lehrstuhl für mittelalterliche Geschichte an der Uni Regensburg); Prof. Mathias Pfeil (Generalkonservator, Amtsleiter beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, zentrale Dienststelle München); Dr. Peter Pfister (Leitender Archiv- und Bibliotheksdirektor i. K., Leiter/Kanzler Archiv und Bibliothek der Erzdiözese München Freising; Dozent für Katholisches Kirchenrecht an der Bayerischen Archivschule, Schwerpunkt Zisterzienser); Armin Röhrer (Büro für Angewandte Historische Geografie); Dr. Maria-Rita Sagstetter (Archivdirektorin, Leiterin des Staatsarchivs Amberg); Prof. Dr. Winfried Schenk (Historische Geografie am Geografischen Institut der Universität Bonn, Vorsitzender des Arbeitskreises für historische Kulturlandschaftsforschung in Mitteleuropa, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Akademie für Landeskunde, Mitglied im Fachbeirat zur Auswahl der nominierten Stätten auf der fortgeschriebenen Tentativliste 2014); Dr. Georg Schrott (aus Waldsassen stammender Gymnasiallehrer für Katholische Religion und Deutsch am Gymnasium Holthausen, Promotion in Katholischer Theologie, diverse Publikationen über das Wirken der Zisterzienser in Waldsassen); Dr. Radka Tesinká Lomicková (bis 2015 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Karlsuniversität Prag, seitdem Reiseleiterin; mehrere Publikationen zu den Zisterziensern); Dr. Bernd Thieser (langjähriger Vorsitzender der Otnant-Gesellschaft für Geschichte und Kultur der Euregio Egrensis, Promotion in bayerischer Landesgeschichte, Fachmann für frühmittelalterlich-slawische Besiedlung auf dem ehemaligen Nordgau); Robert Treml (Kreisheimatpfleger und Leiter Stiftlandmuseum Waldsassen); Prof. Dr. Klaus Unterburger (Lehrstuhl für Mittlere und Neue Kirchengeschichte an der Fakultät für Katholische Theologie der Universität Regensburg); Dr. Camilla Weber (seit 2014 Leiterin des Diözesanarchivs Regensburg).
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.