Flüchtlinge arbeiten in der Natur
Obst und Gemüse interkulturell

Vermischtes
Waldsassen
19.02.2016
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Ihre Situation vergessen lässt Flüchtlingen die Arbeit in der Natur, erklärte Daniela Boß von der Uni Bayreuth. Wenig später erläuterte Michael Selinger, wie das konkret in Waldsassen funktionieren könnte - und schon funktioniert hat.

"Ich habe ganz viele Baustellen erledigen können, die noch offen waren", berichtete der Leiter der Umweltstation am Donnerstag im Gartenschulhaus von seinen positiven Erfahrungen im Sommer 2015: Im Naturerlebnisgarten auf dem Gelände des Klosters hatten junge Leute, die in Waldsassen Zuflucht gesucht haben, das Team der Umweltstation bei der Arbeit engagiert unterstützt (wir berichteten mehrmals). "Waldsassen is(s)t nachhaltig und interkulturell" - so lautete das Thema des Abends, an dem auch einige der in Waldsassen lebenden Flüchtlinge teilnahmen.

An der Schützenstraße


Selinger stellte sein "interkulturelles Gartenprojekt 2016" vor: Auf dem Gelände der Gemeinschaftsunterkunft an der Schützenstraße werden die Bewohner mit Unterstützung des Umweltstations-Teams Gemüse- und Kräuterbeete anlegen, Obstbäume pflanzen und pflegen. Ein Treffen auf dem Gelände mit Gartenfachberater Harald Schlöger war am Freitag vereinbart. In seinem Kurzvortrag bescheinigte Selinger den jungen Leuten besonderes Gespür im Umgang mit Lebensmitteln und deren Zubereitung, sprach von einer besonderen "Kochkultur". Das Gartenprojekt diene der gesunden Ernährung und der Nachhaltigkeit. Silvan Rosner, der sich im Garten mit einbringt, könne die jungen Leute mit anleiten. Dabei nannte Selinger auch Ramona Schack. Sie ist über ein Modellprojekt des Jobcenters Tirschenreuth für ein Jahr bei der Umweltstation angestellt und unterstützt das Team.

Selinger zeigte sich vom Gelingen des Projekts überzeugt: "Berg und Tal kommen nicht zusammen, aber die Leute", zitierte der aus der Nähe von Freiburg stammende Chef der Umweltstation ein Sprichwort aus seiner Heimat. "Und da kommt Gutes dabei heraus", sagte Selinger und meinte augenzwinkernd: "Da werden wir auch den Klimawandel schaffen."

Status tritt in Hintergrund


Der Abend begann wissenschaftlich: Dr. Sabine Hafner und Dr. Nina Hehn von der Genossenschaft KlimaKom - Projektpartner der Umweltstation - erläuterten das Forschungsprojekt "Self-City". Es kämpft auf der Grundlage der Selbstorganisation gegen den Klimawandel. Dazu sei ein Übergang zur Nachhaltigkeit unverzichtbar. "Der Flüchtlingsstatus tritt in den Hintergrund", sagte Daniela Boß von der Abteilung Stadt- und Regionalentwicklung an der Universität Bayreuth über die positiven Effekte der gemeinsamen Arbeit im Garten.

Zuvor beleuchtete die wissenschaftliche Mitarbeiterin, die in einem Asyl-Arbeitskreis engagiert ist, Fluchtursachen und die Problematik vor Ort - auch der Herkunft aus anderen Kulturkreisen wegen. Diese Hürden überwinden helfen könnten "Kultur-Dolmetscher", wie danach beim Workshop angeregt worden ist: Sie könnten vermitteln, dass etwa hierzulande Pünktlichkeit und Händelschütteln zur Begrüßung zum guten Ton gehören.
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