Freiwilliges Ökologisches Jahr im KuBZ
Ein echter Bayern-Fan aus Niedersachsen

Rebecca Stuhrmann mit dem Geschäftsführer des Kultur- und Begegnungszentrums, Ferdinand Sperber. Heuer nimmt sie am Kräuterführerlehrgang teil, der am 28. April begann. Um das Zertifikat zu erhalten, muss sie im Oktober kommenden Jahres noch mal nach Waldsassen kommen, um die Prüfung abzulegen. Bilder: Grüner (3)
Vermischtes
Waldsassen
13.05.2016
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Rebecca Stuhrmann macht auch eine gute Figur, wenn es darum geht, kräftig zuzupacken.

Rebecca Stuhrmann ist ein echter Bayern-Fan. Nicht dem Fußball-Rekordmeister gilt die Zuneigung der jungen Dame aus dem hohen Norden, sondern allem Bayerischen. Der Freistaat hat es ihr einfach angetan. So, dass sie sich mit Dirndl ausstaffiert und Blasmusik spielt. Nur mit dem Bier ist das so eine Sache.

Fußballerisch schlägt Rebeccas Herz für Hannover 96. Dort kommt sie auch her, genauer gesagt aus dem kleinen Dorf Arnum, Seit September vergangenen Jahres absolviert sie im Natur- und Erlebnisgarten der Abtei Waldsassen ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ). Gleich nach dem Abitur hat sie sich nach einer Stelle im Bundesland ihrer Träume umgesehen. Das bot sich auch deshalb an, weil ihre beste Freundin in München lebt.

Herzlich aufgenommen


Im Internet hat sie nach freien Stellen gesucht. Die mussten was mit Bauernhof oder Arbeit im Freien zu tun haben. In Waldsassen wurde sie schließlich fündig. Zwei Schnuppertage im Juni 2015 und sie war begeistert. Von ihren Landsleuten hat sie immer nur gehört: "Oh Gott, nach Bayern, die sind doch alle so verschlossen und gerade die Oberpfälzer so stur." Als sie dann hier ankam, "sind alle gleich auf mich zugegangen und haben mich herzlich aufgenommen. Das müssten die Niedersachsen einmal erleben, denn die sind viel verschlossener als die Menschen, die mir hier begegnen."

Fern der Heimat ist für sie kein Problem. Mit 16 ging sie für ein Jahr nach Illinois in die Nähe von Chicago und wohnte dort bei einer Familie. Die hätten sie immer gehänselt und gefragt ob sie überhaupt eine richtige Deutsche sei, weil sie kein Dirndl habe. "Für Amerikaner besteht Deutschland wirklich aus Dirndl, Lederhosen, Sauerkraut und Bier."

Dirndl aus München


Seit sie in Waldsassen ist, hat sie dieses Manko abgestellt und zusammen mit der Freundin in München ihr eigenes Dirndl ausgesucht. Das ist blau in blau von dunkel nach hell und, auf Empfehlung der Freundin, mittellang. Demnächst feiert die Oma Geburtstag, da reist sie dann mit der neuen Errungenschaft an und stellt sich vor. "Die sind bestimmt alle begeistert", so die Erwartungshaltung gegenüber der Familie.

Obwohl sie nicht aus der Landwirtschaft kommt, hätte sie sich auch sehr gut vorstellen können, ihr FÖJ auf einem Bauernhof zu absolvieren. Hauptsächlich wegen der Tiere. Denn als künftige Tierärztin liebt sie die natürlich alle. Obwohl zu Hause niemand was groß mit Tieren zu tun hat, konnte sie durchsetzen, dass sie zwei Kaninchen draußen im Stall halten darf. Für die sorgt zurzeit der Papa. Rebecca Stuhrmann lernt gerne Neues kennen.

Im Naturerlebnisgarten der Abtei hat sie einen interessanten Fulltime-Job. Sie ist mit Schulklassen unterwegs, betreut die Kinder mit, wenn denen ihr Chef Michael Selinger zum Beispiel erläutert, wie man ein Gartenbeet anlegt oder welche Gemüsearten bei uns wachsen. "Ich mache alles was gerade ansteht und das macht Spaß", sagt die junge Dame. "Hier bekomme ich einen Einblick in das wahre Arbeitsleben, was ich total wichtig finde. Man muss das irgendwann mal miterlebt haben, damit man später auch weiß, wie die eigentliche Arbeitswelt aussieht. Trotzdem - Schule macht mehr Spaß - ich lerne halt gerne."

Bevor Rebecca Stuhrmann an der tiermedizinischen Hochschule in Hannover ihr Studium beginnt, macht sie erst noch eine dreijährige Ausbildung zur veterinärmedizinisch technischen Assistentin (VMTA). Dann hat sie schon mal einen Beruf und beim Studium kann sie damit auch zusätzlich punkten. Tierärztin war schon immer der Traumberuf der passionierten Reiterin. Und wenn sie weiter träumen darf, dann möchte sie ihre beruflichen Ambitionen irgendwo in den bayerischen Bergen ausleben.

Rebecca Stuhrmann spielt auch Querflöte. Das sprach sich schnell herum bei den Musikern der Region. Kaum war sie in Waldsassen angekommen, war sie schon bei der Stiftländer Jugend- und Blaskapelle engagiert. Sie spielte bereits beim Dreikönigskonzert und beim Starkbierfest mit, selbstverständlich im Dirndl.

Bier eher nicht


Einen Schluck Starkbier-Radler hat sie dabei getrunken. "Das hat mir aber nicht geschmeckt." Beim Bier hört es auf mit der Liebe zum Freistaat, denn das mag Rebecca generell nicht, übrigens auch nicht das aus dem hohen Norden. "Da habe ich ganz schön gestaunt, dass, vor allem die männlichen Mitglieder bei der Musikprobe grundsätzlich ihr Bier trinken. Das gibt es bei uns zu Hause überhaupt nicht."

Auch in Tirschenreuth ist Rebecca musikalisch involviert. Da spielt sie beim Kammerorchester im Stiftland mit - nicht im Dirndl - sondern im klassischen Schwarz. Ansonsten wandert Rebecca Stuhrmann gerne und hält sich in der Natur rund um Waldsassen auf. Wenn es weiter weg geht, zum Beispiel in die Waldnaabaue um Tirschenreuth oder ins Waldnaabtal, ist sie auf ihr Fahrrad angewiesen. "Zu Hause ist alles viel flacher, hier wäre eigentlich ein E-Bike angesagt." Außerdem liest sie gerne Fantasy Thriller, wie etwa die Tribute von Panem.

InformationDer Naturerlebnisgarten ist seit Sonntag, 1. Mai, geöffnet. Den Besucher erwarten unter anderem ein Heilkräutergarten nach Hildegard von Bingen, ein Klima-Erlebnispark oder ein Bienen-Wunder-Erlebnispfad.

Bis September ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt für Erwachsene beträgt 3, für Behinderte 1,50 Euro. Die Saisonkarte kostet 10 Euro, Gruppen ab 20 Personen zahlen 2,50 Euro pro Person. Kinder u. Jugendliche bis 18 Jahre in Begleitung Erwachsener sind frei. Anmeldung unter: 09632-92 00 44.

Kajaktouren mit Bootstransfer können vor Ort gebucht werden. Verleih von GPS-Geräten für Geocaching ebenfalls. Anmeldung jeweils unter 09632-92 00 44 oder 92 00 37. Am Samstag, 9. Juli, großes Sommer-Open-Air. Karten gibt es bei der Touristinfo, Telefon: 09632-8 81 60. Sonntag, 25. September, von 11 bis 18 Uhr traditionelle Obstbörse . (tr)
Für Amerikaner besteht Deutschland wirklich aus Dirndl, Lederhosen, Sauerkraut und Bier.Rebecca Stuhrmann
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