Führung mit Stadtheimatpfleger Robert Treml
Geheimnisvoller Friedhof

Der erste Grabstein von 1620 der Familie Geisel ist als Torso erhalten und an der Mauer (rechts) des Torhäuschens platziert. Bild: Treml/hfz
Vermischtes
Waldsassen
07.10.2016
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Interessierte Zuhörer hatte Stadtheimatpfleger Robert Treml (mit Manuskript) bei seinen Erläuterungen zu den Geheimnissen am Friedhof.

Zwischen 50 und 60 Besucher waren gekommen. Sie erfuhren von Stadtheimatpfleger Robert Treml so manche interessante Episode über Persönlichkeiten, die in Waldsassen ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

Das Interesse war enorm: Unter dem Motto "Geheimnisvoller Friedhof" stand die Stadtführung anlässlich des Jubiläums "120 Jahre Stadt Waldsassen". Nach einer kurzen Einführung zur Bedeutung eines Friedhofs als Ort der Trauer und Erinnerung nahm Treml die Gruppe mit auf einen kleinen Streifzug durch die Entstehung und Entwicklung von Waldsassen - vom mittelalterlichen Klosterort hin zur bürgerlichen Tuchmachersiedlung der Gebrüder Geisel in der Neuzeit.

Anfangs bestand der örtliche Gottesacker unmittelbar neben der alten Klosterkirche, etwa im Bereich des heutigen Pfarrgartens. Wegen des "Stadtbaus" durch die Gebrüder Geisel und wegen der aufstrebenden Entwicklung des Ortes musste der neue und größere Friedhof angelegt werden - wie er heute noch besteht.

Die erste Beerdigung


Dabei kam die Gruppe beim Rundgang auch zum unteren Friedhofseingang: An der Mauer des Torhäuschens ist der erste Grab- bzw. Gedenkstein als Torso angebracht. Er war um 1870 zerbrochen und verstümmelt wieder ausgegraben und um 1900 hierher versetzt worden. Der Grabstein dokumentiert die erste Beerdigung des Kindes Elias Christian Geisel, geboren 1619, der am 22. Juli 1620 verstarb und am 24. Juli 1620 hier als erster in dem "neuen Freidhof vor dem Kloster" bestattet wurde. Die Leichenpredigt hielt dabei der protestantische Pfarrer von Konnersreuth, Georg Zanger.

Zwei Tage später folgte schon die nächste Beerdigung, als das erst 21 Wochen alte, verstorbene Töchterlein des örtlichen Pfarrers Johann Georg Prüschenk und seiner Gattin hier seine letzte Ruhestätte fand. Somit besteht der öffentliche Friedhof also nahezu seit 400 Jahren.

Im Zuge des Rundgangs wies der Sprecher noch auf weitere Besonderheiten des Friedhofs hin, auf die man auf dem Rundgang stößt. So steht gleich im Eingangsbereich das Torhäuschen für den früheren, 1900 neu angeschafften Leichenwagen, der sich leider nicht mehr erhalten hat. Gleich daneben befindet sich eine kleine Abteilung für etwa 10 ausländische Kriegsopfer. Wenig später der 1971 eingeweihte Soldatenfriedhof für die 40 deutschen Kriegsopfer der beiden Weltkriege sowie auf das schräg gegenüber gelegene Mahnmal von 1954 zum Gedenken an die Toten aus dem Kreis der in Waldsassen ansässig gewordenen Heimatvertriebenen.

Weitere wichtige Einrichtungen und Anlagen, die Treml bei seinem Vortrag besonders behandelte: Die alte Friedhofsmauer und die Priestergruft, die sich seit 1979 in der heutigen Form zeigt. 1904 war der "neue" Friedhofteil einbezogen worden. Beim Rundgang kam Treml auch auf die Gruft-Anlagen mehrerer Ehrenbürger zu sprechen, außerdem auf den 1929 installierten Urnenfriedhof. Treml erzählte auch kurz von dem 1894 erbauten Leichenhaus und von dem einst in der Klosterstadt geltende Totenbrauchtum.

Schmiedeeiserne Kreuze


Eine weitere Besonderheit bilden auch die beiden Schmiedeeisen-Kreuze beim oberen Friedhofseingang auf den Grabstätten der Familien Dr. Seidl und Bareuther. Diese Kreuze waren um 1810 für verstorbene ehemalige Mönche von Waldsassen verwendet worden. Um 1930 wurden diese Grabstätten aufgelassen, die Kreuze restauriert und an interessierte Familien für neue Zwecke abgegeben: Zwei solcher Kreuze blieben erhalten.

Robert Treml informierte außerdem über die Gruft-Anlage unter der Basilika und über den Kloster-Friedhof: Dort, im Klausurbereich auf dem Gelände der Abtei entlang der Mauer in der Neualbenreuther Straße, sind die verstorbenen Ordensfrauen bestattet.
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