Gelöbnis vor 180 Jahren

Die anmutige Gommelberg-Kapelle präsentiert sich seit der letzten Renovierung vor einigen Jahren wieder in bester Verfassung als Schmuckstück in der Landschaft. Bild: hfz
Vermischtes
Waldsassen
13.07.2016
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Der Holzstich aus der Zeit um 1880 bietet eine Ansicht der Kapelle von 1837/38. Zu sehen ist darauf auch der damalige Kalvarienberg. Bild: hfz

Alljährlich am dritten Sonntag im Juli unternimmt die Pfarrei Waldsassen die Gommelberg-Wallfahrt zur schmerzhaften Muttergottes. Hintergrund ist ein Gelöbnis vor inzwischen 180 Jahren.

Waldsassen/Pleußen. Bemerkenswert ist, dass diese Wallfahrt auf einem Gelöbnis beruht, das der damalige Pfarrer von Waldsassen, Gottfried Hausn (1767-1852), mit den Gläubigen im Oktober 1836 abgegeben hat. Dies passierte, weil zu befürchten war, dass die im nahen Eger ausgebrochene Cholera auch auf das Stiftland übergreifen könnte.

Grenzen geschlossen


Aus der Geschichte der Stadt Eger ist zu erfahren, dass schon 1831 die "Cholera morbus" in vielen Ländern gewütet hatte und dabei auch die Städte Wien und Prag von diesem Übel heimgesucht wurden. Das Egerland blieb wegen zahlreicher Vorkehrungen aber zunächst verschont. Doch vier Jahre später, im Oktober 1836, zeigte sich die Cholera plötzlich auch in Eger und befiel etwa 100 Personen, von denen 31 der Krankheit erlagen. Sogleich wurden alle Schutzmaßnahmen, die man schon 1831 organisiert hatte, ergriffen. So wurden auch die Grenzen zu Bayern und zum Vogtland geschlossen.

Weil man zunächst nicht wusste, ob die Cholera dennoch auf das Stiftland übergreifen würde, lud Pfarrer Hausn die Pfarrangehörigen für den 28. Oktober 1836 zu einem Bittgang zur kleinen Kapelle auf dem Gommelberg bei Pleußen ein. Dort angekommen, so Hausn, "... hielt ich eine Anrede an mein Pfarrvolk, ermahnte dasselbe zur Buß mit dem Gelübde, dass wir, wenn uns Gott durch die Fürbitte seiner göttlichen, schmerzhaften Mutter Maria von dieser grässlichen Krankheit befreien würde, ... ein ziemlich großes Kirchlein neu erbauen lassen". Und tatsächlich verschwand die Cholera so rasch, wie sie gekommen war. Das Stiftland konnte also aufatmen.

Daher schritt man im Frühjahr 1837 zur Tat. Pfarrer Hausn ließ einen Bauplan fertigen, besorgte die Genehmigung und sammelte Spendengelder zur Baufinanzierung, so dass die Kapelle 1837/1838 erstellt und am 15. Juli 1838 eingeweiht werden konnte. An dieser Stelle war nämlich schon um 1730 eine erste, steinerne Kapelle mit einem schmerzhaften Muttergottes-Bild entstanden, die von Waldsassen aus betreut wurde, aber aufgrund staatlicher Anordnung um 1804 abgerissen werden musste. Als sich der "Sturm" wieder gelegt hatte, errichteten die Gläubigen von Pleußen "unvermutet" 1816 - also vor 200 Jahren - anstelle der früheren gemauerten Kapelle eine solche "mit Brettern verschlagen" und brachten darin das alte Muttergottesbild wieder an, das sogleich wieder gerne verehrt wurde.

Weil Pfarrer Hausn all diese Vorgänge zweifellos bekannt waren, konnte aufgrund des Gelübdes von 1836 der alte Status aus der Barockzeit, also die Errichtung der gemauerten Kapelle ohne Probleme und mit Genehmigung der Obrigkeit wieder hergestellt werden. 1877 wurde die inzwischen baufällig gewordene Gommelberg-Kapelle wieder einmal instand gesetzt und man besorgte beim Amberger Kunstmaler Johann Baptist Ernstberger auch das neue Altarbild. Um 1880 entstand auch ein interessanter Holzstich mit der damaligen Ansicht der Kapelle und des Kalvarienberges mit drei Kreuzen und zwei Heiligenfiguren.

Neuer Standort


In der Folgezeit kam es rund um das Gommelberg-Kirchlein zum fortschreitenden Basaltabbau. Dies führte schließlich dazu, dass die Kapelle 1904 abgebrochen und 1905 auf dem heutigen Platz neu errichtet wurde. Die feierliche Einweihung am 13. August 1905 vollzog mit bischöflicher Genehmigung der Waldsassener Kaplan Josef Scherbauer. Dem damaligen Pfarrer Johann Baptist Sparrer war der Weg offenbar zu beschwerlich. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Kapelle mehrfach renoviert und bildet heute ein Schmuckstück in der Landschaft.

Am 10. Juli 2005 wurde das 100-jährige Bestehen der traditionsreichen Kapelle gewürdigt. Dazu erschien auch eine kleine Festschrift, um die bewegte Geschichte rund um die anmutige Kapelle für die Nachwelt festzuhalten.

Start um 7 UhrDer Bittgang zur Gommelberg-Kapelle startet am Sonntag, 17. Juli, um 7 Uhr vor der Basilika.
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