Gesundheit ist der einzige Wunsch
Die Hundertjährige, die Zither spielt

Katharina Herkner feiert am Donnerstag im Altenheim St. Martin mit Verwandten und Bekannten ihren 100. Geburtstag und lässt sich dabei richtig verwöhnen. Im Normalfall nimmt sie bei Feiern jeglicher Art selber das Heft in die Hand und veredelt gesellschaftliche Treffen aller Art mit Gesang, Zitherspiel und Gedichten. Bild: Grüner
Vermischtes
Waldsassen
13.01.2016
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Katharina Herkner ist für ihr Alter als körperlich topfit einzustufen. Sie verfügt über einen scharfen Verstand. Sie geht jeden Tag spazieren, singt gerne und begleitet Veranstaltungen im Altenheim St. Martin auf ihrer Zither. Am Donnerstag feiert sie ihren 100. Geburtstag.

Wer sie sieht, glaubt ihr dieses Alter nicht. Vom Aussehen her geht sie locker als 80 minus durch. Von der geistigen Präsenz erscheint sie noch jünger. "Nein", antwortet sie auf die Frage, ob sie ein Rezept dafür habe. "Ich habe immer viel gearbeitet, vielleicht ist es das", überlegt sie.

Zufrieden und glücklich


Im Mai werden es sechs Jahre, dass sie im Heim lebt. Vorher war sie dort zweimal zur Kurzzeitpflege. Nach dem zweiten Mal sagte sie zu ihren Verwandten: "Wisst ihr was, mir gefällt es hier sehr gut, ich bleibe da." An dieser Einschätzung hat sich bis heute nichts geändert. "Dahoam is dahoam", zitiert sie ihre Lieblingssendung im Fernsehen. "Hier bin ich zufrieden und glücklich."

Fast jeden Tag nimmt sie ihren Rollator ("Mein Mercedes") und geht im Umfeld des Heimes spazieren. Wenn sie auch sonst sehr gesellig ist, dabei will sie lieber alleine sein. "Da entspanne ich mich", erklärt sie diesen Umstand. Im Heim macht sie alles mit, was so geboten wird.

Raten und Singen


Sie schätzt die Kaffeekränzchen, die Gymnastikstunden, die Rate-Runden und die wöchentliche Singstunde. Letztere spielt für sie eine ganz besondere Rolle. Denn Katharina Herkner singt nicht nur gerne, sondern spielt auch Zither. Darauf begleitet sie jeden Freitag die Sänger in der geselligen Runde. Sie war zehn Jahre alt, als sie damit begann. Den Nachbarn, den Glasmacher Franz Fischer, hörte sie immer spielen. Und war begeistert. Er brachte ihr das Instrument schließlich bei. Er habe einmal zu ihr gesagt: "So schnell wie du hat das noch niemand begriffen." Erst spielte sie nach Noten, später nur nach ihrem ausgezeichneten Gehör.

Die Zither war damals bereits im Haus, die hatte ihrem Bruder Josef gehört, der im Krieg gefallen war. Während ihres Arbeitslebens und in der Zeit, als sie ihre beiden Kinder Josef und Marianne großzog, hat sie nicht mehr gespielt.

Erst mit 60, als sie die Rente bekam, fing sie wieder damit an. Den "Dritten Mann" hat sie dem Instrument perfekt entlockt. Den kann sie nicht mehr. Alte Volkslieder und Weihnachtslieder sind es, die sie heutzutage spielt. Die Jubilarin erblickte als Katharina Weber in einer Werkswohnung der sogenannten "alten Hütte" in der Mitterteicher Straße das Licht der Welt. Sie besuchte in Waldsassen acht Jahre lang die Volksschule im Apothekerflügel des Klosters. Sie arbeitete in der Porzellanfabrik Bareuther in der Malerei und war für die Bodenstempel verantwortlich. Dort lernte sie auch den Porzellanmaler Josef Herkner kennen, den sie 1938 heiratete.

Kindheit am Schönsten


Die Kindheit sei die schönste Zeit in ihrem Leben gewesen. "Daran denke ich oft und gerne zurück", sagt sie. "Wir waren viel im Wald, haben Preiselbeeren und Schwarzbeeren, Butzelkühe und Pilze gesammelt. Vor allem die Milchbrätlinge waren so gut." In den schlechten Zeiten während und nach dem Zweiten Weltkrieg habe die Devise gegolten: "Aus alt mach neu." Das hat auch Katharina Herkner beherzigt und Hausschuhe aus allen möglichen Materialien gefertigt. Dieses Geschick hat sie bis heute beibehalten. In ihrem Leben habe sie bestimmt 1000 Paar Socken gestrickt und damit die ganze Verwandtschaft versorgt. Bis etwa vor einem Jahr hat sie auch regelmäßig den Neuen Tag gelesen. Auch heute verzichtet sie nicht auf die tägliche Zeitungslektüre, lässt aber vorlesen. Jeden Abend vor dem Schlafengehen genießt sie einen Schoppen Bier. Außer Gesundheit hat sie keine Wünsche zu ihrem Jubeltag.

Hauptsache gesund


Sie freut sich, dass zur Feier auch die vier Enkel und drei Urenkel kommen. Auch wir von der Stiftland-Redaktion wünschen der Jubilarin alles Gute und viel Gesundheit für die Zukunft.
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