Haus in Waldsassen plötzlich einsturzgefährdet
Von jetzt auf gleich evakuiert

Über Nacht haben (von links) Franca Laruccia, Chris Hanft, Anja Langenbach mit Tochter Selina sowie Peter Betz ihre Wohnung verloren. Derzeit leben sie in einer Notunterkunft am Basilikaplatz. Bilder: jr (2)
Vermischtes
Waldsassen
07.11.2016
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Von außen eigentlich ein stattliches Gebäude, innen aber ist die Statik nicht mehr gewährleistet. Deshalb wurde das Haus geräumt.

Der Schreck steht den Familien auch heute noch ins Gesicht geschrieben. Sie mussten ihre Wohnungen räumen. Innerhalb von wenigen Minuten.

(jr/bz) Buchstäblich das Dach über den Köpfen der Bewohner zusammenzubrechen drohte im Eckhaus an der Liststraße/Otto-Freundl-Straße. Unverzüglich mussten die Bewohner das Gebäude verlassen, durften nur die persönlichsten Sachen mitnehmen. Polizei und Feuerwehr assistierten bei der von der Stadt angeordneten Räumung.

Nur die wichtigsten Habseligkeiten durften die Mieter mitnehmen. "Da war Gefahr in Verzug, das Haus musste schnellstens geräumt werden", bestätigt Beatrix Rustler, die Leiterin des Ordnungsamtes, die Maßnahme. Grund: Nach dem Gutachten eines Statikers erfüllt eine mehrere Geschosse tragende Gewölbedecke ihre tragende Funktion nicht mehr, sind Trägerteile auch durchgerostet.

Beauftragt hatte den Experten der Eigentümer, der auch selbst in dem Haus gewohnt hat. Markus Grütter, der auch unter seinem Künstlernamen Zeltner agiert, hat das Haus erst vor gut einem halben Jahr erworben. Der 55-Jährige stammt aus Ansbach, hat tschechische Wurzeln und hatte eben nahe der Grenze eine Immobilie gesucht. Bei Renovierungs- und Instandhaltungsarbeiten waren ihm und den Handwerkern dann im Keller plötzlich die Auffälligkeiten ins Auge gefallen. Deshalb hatte er eben ein Fachbüro eingeschaltet. Mit einem vernichtenden Ergebnis. "Ich bin aus allen Wolken gefallen." Der Hausbesitzer macht sich Gedanken, dass ihm die Schäden nicht vorher aufgefallen sind. "Nicht auszudenken, was passieren hätte können."

Innerhalb kürzester Zeit wurde das Haus am Donnerstagabend geräumt. Betroffen davon sind die junge Familie Chris Hanft mit seiner Partnerin Anja Langenbach und der elf Monate alten Tochter Selina, die erst seit Mai hier eine Wohnung gefunden haben; ebenso Franca Laruccia und Peter Betz sowie ein anerkannter Asylbewerber. Während der bei seinem Arbeitgeber untergekommen ist, musste die Stadt für die anderen Familien und die zwei Hunde eine Notunterkunft besorgen. Hier teilen sich die drei Familien die Wohnung. Jeder Familie steht ein Zimmer zur Verfügung, Küche, Bad und Toilette müssen sie gemeinsam nützen. Ihre Zimmer wurden notdürftig ausgestattet mit Feldbetten und warmen Bettbezügen, die vom Roten Kreuz und der Arbeiterwohlfahrt zur Verfügung gestellt wurden. Weiter erhielten sie Geschirr, Tische und Stühle. Der Eigentümer selbst hat sich vorübergehend eine Bleibe in einer Pension im benachbarten Eger gesucht.

Ihre alten Wohnungen dürfen sie nicht mehr betreten, bis Experten den Altbau unter die Lupe genommen und über weitere Sicherungsmaßnahmen entschieden haben. Erst wenn der Altbau gesichert ist, dürfen die Menschen ihre persönlichen Sachen abholen. Das kann dauern. "Die Sicherheit geht vor", sagt Beatrix Rustler, die erst die weitere Entwicklung abwarten muss.

Experten eingeschaltet


Wie lange das dauert, ist völlig offen. Bis dahin könnten die Familien auf jeden Fall in der Wohnung der Stadt bleiben. Für die schnelle und unbürokratische Hilfe bedanken sich die Betroffenen auch bei der Stadt. Wie es weitergeht, das kann auch der Eigentümer noch nicht genau sagen. Entsprechende Fachleute sind jedenfalls eingeschaltet.
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Markus Balk aus Waldsassen | 08.11.2016 | 13:05  
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