Klosterstadt als Tagungsort der Amateurfunker "alternativlos"
Wanderpokal für „OM Helmut“

Bürgermeister Bernd Sommer überreichte den alljährlich vergebenen Wanderpokal, eine Arbeit des Waldsassener Künstlers Gerhard Bayer, an Helmut Seifert (rechts) aus Serba in Thüringen. Links Oliver Borkowski, der Amateurfunker-Tagung vor zehn Jahren in Waldsassen etabliert hatte. Bild: hfz
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Waldsassen
29.04.2016
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Die Wirtsfamilie Sperber bedankte sich bei den Amateurfunkern mit diesem Pokal für Treue, die nun schon seit zehn Jahren währt. Bild: hfz

Eine Funkverbindung nach Australien oder Kanada ist für diese Leute nichts Besonderes. Höchstens die Tatsache, dass sie mit einem selbstgebauten Gerät hergestellt wurde, das in die Hosentasche passt.

(pz) Die besondere Gruppe von Besuchern hält der Klosterstadt seit zehn Jahren die Treue: Im April 2006 trafen sich zum ersten Mal technisch interessierte Amateurfunker, um sich mit Neuerungen ihres Hobbys auseinanderzusetzen und voneinander zu lernen. Technische Weiterbildung und persönlicher Gedankenaustausch standen auch jetzt beim Jubiläumstreffen im Gasthof "Bayerischer Hof" im Vordergrund. "Fortschritt und Wandel allerorten - aber Waldsassen bleibt für die Tagungsteilnehmer als Veranstaltungsort ,alternativlos' ", wie es in der Pressemitteilung der Veranstalter heißt.

Nur die Stimmen bekannt


Begonnen hatte die Tradition dieses Treffens bereits unmittelbar nach der Grenzöffnung 1989 - wenige Monate später verabredeten sich Funkamateure der ehemaligen DDR mit ihren Kollegen, die sie bisher nur als Stimmen aus ihren Geräten gekannt hatten, zu einem ersten "Beschnuppern" in einem Biergarten in Pottenstein. Was als lockere Runde an einem einzigen Tisch begann, entwickelte sich in kurzer Zeit zu einem mit hochkarätigen Fachleuten besetzten Symposium. Die Teilnehmer begleiteten die technische Entwicklung ihres Faches nicht nur, sondern sie gestalteten durch eigene Beiträge Ideen und Vorschläge mit.

Die im internationalen Funkverkehr wohlbekannte Abkürzung "QRP" motiviert Ingenieure und Hobby-Entwickler gleichermaßen. Ausnahmsweise wird mal gekleckert statt geklotzt - und als Ergebnis präsentieren die Tagungsteilnehmer intelligente Lösungen für Funkgeräte, die nicht größer sind als eine Zigarettenschachtel, weniger Sendeleistung abstrahlen als ein Mobiltelefon, aber mittels Morsecode und intelligenten digitalen Übertragungsverfahren - ohne jede Zwischenschaltung eines Servers - weltweite Kommunikation ermöglichen.

Amateurfunk ist in Notsituationen oft einzige Kommunikationsbrücke: Dieser Aspekt imponierte auch Bürgermeister Bernd Sommer, der zum Auftakt des Treffens die etwa 60 Gäste mit einer launigen Festansprache willkommen hieß. Ihn freue es, dass viele Teilnehmer den Tagungstermin mit einem längeren Urlaubsaufenthalt im Stiftland verbinden und es jetzt wohl besser kennen als er selber. Er, Sommer, würde sich jedenfalls im Falle eines Falles an die ihm persönlich bekannten Funkamateure wenden, wenn es mit der technischen Kommunikation mal hapern würde. Mit diesen Worten überreichte der Bürgermeister den alljährlich vergebenen Wanderpokal, eine Arbeit des Waldsassener Künstlers Gerhard Bayer, an Helmut Seifert aus Serba in Thüringen. Seit nunmehr 25 Jahren, also dem ersten Treffen dieser Art, ist "OM Helmut" ein gefragter Referent, dessen Projekte in Funkamateurkreisen weithin bekannt sind. Bis weit in den frühen Morgen wurde dann gefachsimpelt. Den persönlichen Gedankenaustausch kann eben kein noch so ausgefeiltes Kommunikationsnetzwerk ersetzen.

Seminarprogramm


Während die mitgereisten Frauen ein Ausflugsprogramm nach Hof und Mödlareuth genossen, versammelten sich die Tagungsteilnehmer im Physiksaal der ehemaligen Knabenrealschule. Das ist zehn Jahren Tradition, wegen der dort vorhandenen technischen Möglichkeiten ein Glücksfall und einer der Gründe, weshalb Oliver Borkowski, ehemals Lehrer an dieser Schule, die Tagung nach Waldsassen geholt hatte. Realschuldirektorin Kerstin Janke nutzte in ihrem Grußwort die Gelegenheit, Fachleuten aus allen deutschen Bundesländern sowie aus Österreich die Grundzüge des bayerischen Schulwesens zu erläutern - auch das ein hochwillkommener Beitrag, wie die vielen interessierten Rückfragen zeigten.

Für die Schulleiterin ein interessanter Aspekt war im Gegenzug die Information, dass die Betätigung von Schulabgängern als Amateurfunker bei Bewerbungsgesprächen den Status einer Schlüsselqualifikation genießt.Denn wer sich so intensiv in Theorie und Praxis mit moderner Kommunikationstechnologie auseinander setzt, wird als neuer Mitarbeiter hoch geschätzt. Beim Erfahrungsaustausch im Mittelpunkt stand die Demonstration mitgebrachter Geräte und Antennen. Deren Wirkung ist ja von besonderer Bedeutung: Denn je größer und effektiver die Antenne, desto geringer kann die Senderleistung sein. (Hintergrund)

HintergrundEine ganz besondere Überraschung hatte sich die Familie Sperber vom Hotel-Gasthof "Bayerischen Hof" einfallen lassen: Bei der Überreichung ihres Geschenkes, eines exquisit gestalteten Flachglaspokals an die Tagungsleitung betonten die Wirtsleute, dass ihnen die "Funker" schon richtig ans Herz gewachsen sind. Viele von ihnen kommen schon seit zehn Jahren zu ihnen, buchen jedes Jahr bei der Abreise schon fürs nächste Jahr und verbringen häufig eine oder zwei ganze Wochen im Stiftland. Auch im nächsten Jahr wird also die Klosterstadt Ziel der Technik-Freaks sein "... - in der Summe aller Vorzüge als Tagungsstandort wirklich alternativlos!", wie es in der Pressemitteilung heißt.
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