Mühlenviertel-Sanierung beginnt noch heuer
Im Herbst rollen die Baumaschinen

Im ehemaligen Sudhaus zieht der Waldsassener Physiotherapeut Gerhard Grüner mit seiner Praxis ein. Im Obergeschoss entsteht eine Pilgerherberge. Bilder : tr (3)
Vermischtes
Waldsassen
12.08.2016
274
0
 
Fördergeldgeber, Architekten und Projektsteuerer gaben beim letzten "Runden Tisch" grünes Licht zur Sanierung des Mühlenviertels. Mit im Bild zweiter Bürgermeister Karlheinz Hoyer, Äbtissin Laetitia Fech, Staatsministerin Emilia Müller (Mitte) sowie Landrat Wolfgang Lippert (Vierter von rechts) und MdL Tobias Reiß (Fünfter von rechts). Bild: hfz

"Es war viel ora et labora notwendig - aber das Projekt steht", freut sich Äbtissin Laetitia Fech. Sie spricht vom Mühlenviertel, jenem Teil des Klosterkomplexes, den sie selbst als "Schandfleck" bezeichnet. Pläne und Konzept sind fertig.

Beim abschließenden "Runden Tisch" kamen auch die Finanzierungszusagen. Ministerpräsident Horst Seehofer war nicht selbst angereist, um die der Bayerischen Staatsregierung zu überbringen. Diesen Part hatte die Ministerin für Arbeit und Soziales, Familie und Integration, Emilia Müller, übernommen. Sie moderierte das Treffen im Kloster, bei dem 18 Vertreter der Fördergeldgeber, Architekten und Projektsteuerer teilgenommen hatten.

Über neun Millionen Euro


"Im März kommenden Jahres ist ein halbes Jahrzehnt vergangen, dass die Verhandlungen begonnen haben", sagt die Äbtissin. "Das hat uns alle ganz schön in Atem gehalten", erklärt die Ordensfrau. An förderfähigen Kosten schlage das Projekt mit 9 140 000 Euro zu Buche. Abzüglich der Förderzusagen bliebe für das Kloster ein Eigenanteil von 2 380 000 Euro übrig. Um den Betrag zu schultern, seien bereits Anträge an weitere Stiftungen in Bayern und Deutschland eingereicht. Die Diözese nennt die Äbtissin als Beispiel. "Damit wollen wir auf etwa 1,5 Millionen herunterkommen", sagt die Klosterchefin. Vom Restbetrag möchte sie eine Million Euro, auf zehn Jahre gerechnet, durch künftige Mieteinnahmen refinanzieren. "Bleiben immer noch 500 000 Euro im Raum stehen, die es zu finanzieren gilt."

Baubeginn im Herbst


Mit dem Baubeginn rechnet die Äbtissin im Januar oder Februar kommenden Jahres. Die Baustelleneinrichtung erfolgt im Oktober oder November diesen Jahres. Da wird auch der sogenannte Mühlenkasten, die ehemalige Mälzerei abgerissen. Er hat keine historische Befundung mehr und weicht einem Neubau. "Dadurch wird Geld gespart, das dem Erhalt von denkmalgeschützten Gebäuden, wie es alle übrigen sind, zugute kommt", so die Äbtissin.

Im Herbst startet auch der Abriss des städtischen Wohnhauses in der Mühlbachgasse 1. Das bestätigt der Leiter der Stadtverwaltung, Karl-Hans Hofmann auf Anfrage. Voraussetzung dafür sei, dass alle Bewohner bis dahin anderweitig untergebracht sind. Im Moment läuft noch ein Mietvertrag.

Gegen die Kündigung habe der Mieter Widerspruch eingelegt. Dennoch geht Hofmann davon aus, dass das Haus bis zum Baubeginn leer steht. "Wir setzen alles daran, dass das funktioniert." Der Förderantrag an die Regierung sei bereits gestellt. Anschließend könne das Kloster das Areal nutzen.

Die Äbtissin geht davon aus, dass im August oder September 2018 alles so aussieht, wie es die Pläne vorsehen. "Darüber bin ich sehr glücklich", sagt die Klosterfrau. "Das ist die Erfüllung eines Traums - auch wenn ich es erst glauben kann, wenn ich es sehe." Die Äbtissin ist sich sicher, dass die Aufwertung des Areals der ganzen Region zugute kommt.

So wird das Mühlenviertel nach der Restaurierungsmaßnahme aussehen: Im ehemaligen Sudhaus zieht im Erdgeschoss der Waldsassener Physiotherapeut Gerhard Grüner mit seiner Praxis ein. Im Obergeschoss entsteht dort eine Pilgerherberge.

22 Wohnplätze


In enger Zusammenarbeit mit der Katholischen Jugendfürsorge (KJF) wird die Abtei Waldsassen das Projekt "Gemeinschaftlich Wohnen, selbstbestimmt leben" etablieren. Schwerpunkt dabei ist das Thema "Inklusion". Damit soll in Waldsassen ein Wohnangebot geschaffen werden, durch das Menschen mit Behinderung, Senioren und junge Menschen selbstständig leben, soziale Kontakte pflegen und am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.

Es entstehen insgesamt 22 Wohnplätze. Integriert sind vier Kleinwohnungen mit Küche und Bad sowie vier Zwei-Zimmer-Wohnungen mit 45 bis 50 Quadratmeter für Personen aus Waldsassen und Umgebung, die behindert oder altersbedingt barrierefrei wohnen wollen. Auch Alleinerziehende oder junge Paare könnten dort einziehen.

Parkcharakter


Im Wohnkomplex ist ein großer Gemeinschaftsraum vorgesehen, der von allen Wohnbereichen aus gut erreichbar ist und für gemeinsame Veranstaltungen oder informelle Treffs genutzt werden kann. Die Außenanlagen sollen Parkcharakter erhalten und werden so gestaltet, dass dort zum Beispiel auch gemeinsame Grillabende stattfinden können.

Die FördergeldgeberDer Finanzierungsplan sieht für die Restaurierung des Mühlenareals als Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung ein Bauvolumen von 11 420 000 Euro vor. Als öffentliche Fördergeldgeber treten die Städtebauförderung, Bund, Land, die Regierung der Oberpfalz und die Stadt Waldsassen auf. Für den sozialen Wohnungsbau gibt es Geld aus dem Topf des Landesbehindertenplans des Sozialministeriums und vom Bezirk. Außerdem sind die Denkmalpflege und der Landkreis mit im Boot. (tr)


Das hat uns alle ganz schön in Atem, gehalten.Äbtissin Laetitia Fech
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.