Ortsgruppe Waldsassen bildet Wasser-Rettungshunde aus
Einfach tierisch gut

Noch braucht es ein Spielzeug zum Training. Aber Max zieht sein Herrchen und eine Mime problemlos durch das Wasser. Möglich macht dies auch eine spezielle Schwimmweste, die der Hund trägt. Bild: asp
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Waldsassen
17.05.2016
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Die Wasserwacht Waldsassen ist Vorreiter in Bayern und bildet derzeit Wasser-Rettungshunde aus. Im Bild (von links) Magnus Zimmermann mit Nala, Wasserretterin Franziska Kraus, Tanja Schedl mit Sammy, Kreisvorsitzender Thomas Seiler, stellvertretender Ortsvorsitzender Gerald Spandel, Armin Schoof mit Max, Technischer Leiter Gerald Riederer und Kathrin Bartos mit Zoe. Bild: asp

Wenn es darum geht, Menschen aus dem Wasser retten, sind die Mitglieder der Wasserwacht Profis. Jetzt bekommen die Rettungsschwimmer Unterstützung. Und die kommt auf vier Pfoten.

"An der Haltungsnote müsst ihr noch arbeiten", scherzen die Zuschauer am Badesteg der Wiesauer "Kipp". Sie meinen Max, der gerade etwas zögerlich von einem Boot aus ins Wasser gesprungen ist. Den Rest macht er aber super. Er schwimmt zu einer Person und zieht diese zügig an Land. Nichts Besonderes könnte man meinen. Aber: Max ist ein Labrador - und gerade dabei Wasser-Rettungshund zu werden.

Wieder an Land ist Armin Schoof zufrieden. "Eigentlich hatten wir überlegt, eine klassische Rettungshundestaffel zu gründen", erzählt er. Aus Italien und Tschechien kannte er aber auch Wasser-Rettungshunde. Eine Recherche im Netz brachte ihn zu Mike Laun in Hessen. Einer der Vorreiter der Thematik in Deutschland. Die beiden telefonierten, tauschten Dokumente aus und die Idee war geboren - Waldsassen soll die ersten Wasser-Rettungshunde Bayerns bekommen.

Gemeinsam mit seinen Mitstreitern, Tanja Schedl mit Labrador Sammy, Magnus Zimmermann mit Schäferhund Nala, Kerstin Walch mit Labradorhündin Lissy und Katrin Bartos mit Berner-Sennhund Zoe trainiert Schoof seit Ende letzten Jahres. Voraussetzung für die Hunde: mindestens 30 Kilo schwer, fit, gutmütig, verspielt und natürlich nicht wasserscheu. Sie folgen ihren Herrchen und Frauchen aufs Wort. Doch noch braucht es ein kleines Spielzeug, auf dass sie trainiert werden. Es wird zu einer fremden Person ins Wasser geworfen. "Der Hund schwimmt dann hin, schnappt sich das Spielzeug und schwimmt zurück. Die Person im Wasser hängt sich ein und der Hund zieht sie mit". Für das "Einhängen" sind an der speziellen Rettungsweste drei Griffe befestigt. Der Rettungsschwimmer ist dabei immer mit im Wasser. Am Ende des Trainings geht es dann auch ohne Spielzeug. "Der Hund ist ein Rettungsgerät. Hundeführer und Hund werden dabei nur als Team eingesetzt. Alle Hundeführer müssen auch Rettungsschwimmer sein", ergänzt Gerald Spandel, der stellvertretende Vorsitzende der Wasserwacht Waldsassen, der sich über die Bereicherung für die Ortsgruppe freut. Doch der Hund hat auch Einsatzgebiete, bei denen er dem Menschen einiges voraus ist. Beispielsweise, wenn jemand ins Eis einbricht. Eine Leine sichert den Hund, im Maul hat er eine Rettungsleine. Durch das geringe Gewicht, das er noch dazu auf vier Pfoten verteilt, kommt er schnell und gefahrlos an den Verunfallten und kann ihm das rettende Seil reichen.

"Wir wollen unsere Hunde auch darauf schulen, überflutete Häuser abzusuchen", erzählt Schoof. Dazu wird mit der Bergwacht Fuchsmühl schon das Abseilen der Hunde geübt. Ein Haus abzusuchen macht der Hund im Bruchteil der Zeit eines Menschen. Aber auch für Suchaktionen an Gewässern werden die Vierbeiner ausgebildet. "Gerade in der Dämmerung riecht der Hund schneller als wir schauen."

Bis die Hunde voll einsatzfähig sind, dauert es noch ein bisschen. "Mein Ziel ist 2017, spätestens 2018", hofft Schoof. "Wir werden bei jeder Gelegenheit ins Wasser gehen und üben." Bei der kleinen Vorführung in Wiesau klappt alles schon ganz gut. Selbst zwei für die Hunde fremde Personen, die sich spontan in das 13 Grad kalte Wasser stürzen, ziehen Max und Nala gemeinsam mit den Wasserrettern an Land.

Kleines Manko ist bisher nur die Ausrüstung. Diese müssen sie selbst finanzieren. Vor allem die speziellen Rettungswesten für die Hunde sind teuer. Der Waldsassener Internist Dr. Wolfgang Fortelny, der von den Wasser-Rettungshunden begeistert ist, hat zwei der Westen gespendet. Leinen und Ausrüstung für die Rettungsschwimmer stellt die Wasserwacht Waldsassen zur Verfügung, transportiert werden die Hunde noch in Privatfahrzeugen. "Ein eigener Anhänger wäre noch ein Wunsch", so Schoof.

Die WasserwachtMit 120 000 Mitglieder, davon 55 000 Aktive, ist die Wasserwacht die größte Gemeinschaft im Bayerischen Roten Kreuz. Oberstes Ziel ist die Prävention des Ertrinkungstodes, welches durch Wachdienst an Gewässern, Ausbildung im Schwimmen und Rettungsschwimmen sowie Aufstellung von Wasserrettungseinheiten gewährleistet wird. Zudem engagiert sich die Wasserwacht- Bayern auch im Umweltschutz. Aktive Mitglieder müssen das Rettungsschwimmabzeichen in Silber haben. Aktive Wasserretter sind zudem mindestens Helfer im Sanitätsdienst. Die Wasserwacht ist Teil des öffentlich-rechtlichen Rettungsdienstes und auch im Katastrophenschutz eingebunden. (asp)
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