Rektor Willi Prechtl geht in Ruhestand
Gefangen von einer Schule

Rektor Willi Prechtl geht zum Schuljahresende in Ruhestand und freut sich auf den neuen Lebensabschnitt. Ganz leicht fällt ihm der Abschied aber nicht - kein Wunder nach fast vier Jahrzehnten an einer Schule. Bild: pz
Vermischtes
Waldsassen
23.07.2016
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Der Schritt fällt ihm nicht leicht. Dabei weiß er sich in einer Reihe mit den Vorgängern im Amt - Otto Rieger und Ludwig Spreitzer. Denen wäre es, sagt Willi Prechtl, ähnlich ergangen. "An dieser Schule hängt einfach das Herzblut."

39 Jahren war er in Waldsassen Lehrer, Konrektor und zuletzt Rektor. "Ich habe nahezu meine gesamte Berufszeit an dieser Schule verbracht." Kommenden Dienstag wird Willi Prechtl als Chef der Mittelschule verabschiedet.

Als Lehramtsanwärter war Willi Prechtl, Jahrgang 1952, an die damalige Hauptschule gekommen. Nach der zweiten Staatsprüfung blieb der Vilsecker hier und nahm sich ein Zimmer. "Heute würde man die Strecke vielleicht täglich fahren." Dass Willi Prechtl bald den Lebensmittelpunkt hierher verlegte, hat er niemals bereut. "Für mich war es immer wichtig am Schulort zu wohnen." Den Kontakt mit Schülern, Lehrern und Eltern auch außerhalb der Schule habe er, Prechtl, immer geschätzt und als Vorteil empfunden. "Die Schule hat einen gefangen genommen", begründet Prechtl seine Treue zu Waldsassen und meint: "Ich werde viel vermissen." Einen Höhepunkt in dieser Zeit kann Prechtl gar nicht nennen. Viele Glanzlichter habe es gegeben in dieser Zeit, auch traurige Momente: Prechtl denkt an den plötzlichen Tod von Lehrern im Kollegium oder an tragische Ereignisse in den Reihen der Schüler. "Das ist Wahnsinn, wie das eine Schule erschüttert." Durchstehen müsse man dies. "Aber das verbindet auch wieder."

Nicht ständig anpassen


Eine Schule, findet Prechtl, müsse auf den Zeitgeist reagieren. Sie müsse sich aber nicht ständig gesellschaftlichen Veränderungen anpassen. "Ein wichtiger Punkt für mich ist: Wir müssen uns immer wieder drüber unterhalten, was kann man mittragen und was brauchen wir nicht."

Mützen im Schulgebäude


Dazu nennt der Rektor ein banales Beispiel - Mützen im Schulgebäude. "Das ist schon eine Sache der Höflichkeit", sagt Prechtl über die Regel, wonach Mützen innerhalb des Schulgebäudes eben abgenommen werden. "Bestimmte Werte erachten wir für so wichtig, dass wir die einfach an der Schule beibehalten, durchsetzen und pflegen." Auch das Grüßen gehöre zum normalen mitmenschlichen Umgang. Bei allen schulinternen Regeln sei aber wichtig, dass alle Beteiligten immer am gleichen Strang zögen Für Schüler, Lehrer und die weiteren Mitarbeiter im Haus hat Willi Prechtl nur Lob. Vieles sei ohne große Worte erledigt worden. "Da bist du gerne Chef." Auch die Nachfolge ist in seinem Sinne bestens geregelt: Den Chefposten besetzt Claudia Strobl-Dietrich, die bisherige Konrektorin. (Info-Kasten)

Mittelschule-Verbund federt Probleme des demografischen Wandels gut abIm Gespräch mit dem NT erzählt Willi Prechtl von besonderen Herausforderungen, vor allem seit 2001. Damals wurde er Rektor. Als erste Schule im Landkreis Tirschenreuth setzte die Mittelschule auf Ganztagsunterricht. "Das ist schon ein Umbruch, weil du ganz anders arbeitest." Dabei unterstreicht der Rektor den gewachsenen pädagogischen Anspruch: In die Ganztagsschule brächten Schüler Probleme mit, von denen Lehrer früher kaum wussten. Eine Hilfe sei da die Sozialarbeiterin an der Schule. Voraussetzung für die Einführung der Ganztagsschule 2007 sei die Gebäudesanierung gewesen - "ein großer Akt", sagt Prechtl. "Wir haben super Rahmenbedingungen", unterstreicht der Rektor die Zusammenarbeit mit der Stadt. Den Verbund der Waldsassener mit den Einrichtungen in Wiesau und in Mitterteich sieht Prechtl der Demografie wegen als gute Lösung, "... eine, die uns trägt und auch hilft." Verbindungen habe es schon gegeben durch die M-Klassen; außerdem habe keiner der drei Bürgermeister "sein eigenes Süppchen" kochen wollen und im Verbund gedacht. "Es war ein großes Plus, dass keiner seine Schule in den Vordergrund rücken wollte", sagt Prechtl, der diese Woche den Posten des Verbundkoordinators an die Mitterteicher Rektorin Gisela Kastner abgegeben hat. Prechtl unterstreicht die Berufs-Qualifizierungen - mit "... Maßnahmen ohne Ende" aber auch mit dem entsprechenden Erfolg. Der könnte bei den Mädchen noch besser sein, wenn die sich mehr für technische Berufe entscheiden könnten. "Die Schülerzahlen geben vor, was aus der Schule wird", sagt Prechtl. 135 Mädchen und Buben gehen in die Mittelschule. Früher, als Prechtl Lehramtsanwärter war in Waldsassen, sind es 520 gewesen - mit eigenen vollwertigen Schulen in Neualbenreuth und in Konnersreuth. Diese Problematik werde gut im Verbund abgefedert. Prechtl ist davon überzeugt, dass die Mittelschule Waldsassen "klein aber fein" bestehen bleibt. Dabei verweist der Rektor auf gewachsene und bewährte Einrichtungen - etwa Schulpartnerschaften mit Pencoed und mit Eger. Die Partnerschule dort unterhält auch Kontakte mit der Grund- und Mittelschule in Vilseck ist, dem Heimatort von Willi Prechtl. (pz)
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