„Sepperln“ feiern sich selbst

Der Name Josef hat in Münchenreuth Tradition. Wie die beiden Organisatoren Josef Ernst (links) und Josef Hecht kommt auch "Taferlmädchen" Josepha aus dem kleinen Pfarrdorf. Bilder: jr (2)
Vermischtes
Waldsassen
20.03.2016
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Der Namenstag des Heiligen Josef hat in Münchenreuth eine besondere Tradition. Erst gemeinsam beten, dann kräftig miteinander feiern - so hielten es viele Namensvettern auch diesmal.

Münchenreuth. Das strahlten die beiden Organisatoren Josef Ernst und Josef Hecht um die Wette. Zum Gottesdienst mit Kapplpfarrer Friedhelm Czinczoll war die Dreifaltigkeitskirche voll besetzt, und auch bei der anschließenden weltlichen Feier im Kappl-Wirtshaus gab es keinen freien Platz mehr. "Sepperln" aus der ganzen Region waren gekommen, um am Samstagabend ihren Namenstag zu feiern.

Nur eines fiel auf: Es gibt ein akutes Nachwuchsproblem. Die meisten Namensverwandten sind schon im gesetzteren Alter. Dabei gibt es doch mit Pep Guardiola, dem Trainer des FC Bayern, einen weltbekannten Vertreter mit dem Namen Josef. Auch der ehemalige Nationaltorhüter Sepp Maier machte seinem Vornamen alle Ehre. Aber auf den Namen Josef werden in jüngster Zeit kaum noch Kinder getauft.

"Wir wollen die Tradition des einstigen Feiertages, der 1967 abgeschafft wurde, aufrecht erhalten", sagte Josef Ernst im Gespräch mit unserer Zeitung. Seit 1995 organisiert er mit Josef Hecht, beide aus Münchenreuth, diese Josefifeier. Früher war die Pfarrkirche dafür der Treffpunkt. Bei der Wiedergründung 1995 half entscheidend der damalige Pfarrer Josef Triebenbacher mit, der heute in Marktredwitz wirkt.

Siebenjährige führt Zug an


Immer mit dabei ist die Münchenreuther Bauernkapelle unter der Leitung von Konrad Wilfling. Die Musiker verleihen vor allem dem Gottesdienst eine ganz persönliche Note. Die Feiern begannen am Samstagabend mit einem Kirchenzug aller Namensvettern. Traditionell trägt der jüngste Teilnehmer immer das "Taferl". Diese ehrenvolle Aufgabe kam diesmal der siebenjährigen Josepha aus Münchenreuth zu, die ganz stolz den Zug anführte. Gekommen waren rund 45 Josefs, Josefas, Josefinen und eben die kleine Josepha. Einige nahmen viele Kilometer Anfahrt auf sich, um bei diesem Treffen dabei zu sein. Beim Gottesdienst ging Pater Friedhelm Czinczoll auf die Rolle des biblischen Josef ein. "Josef war ein guter Vater", sagte der Pater und bat, diesem Beispiel zu folgen. Zudem sei der Heilige auch Patron des Handwerks, speziell der Zimmerer und Schreiner.

Name heute selten


Im Anschluss ging es zur Feier ins Wirtshaus. Fast ausschließlich Männer stießen kräftig auf den eigenen Namenstag an und speisten zünftig. "Dieses Fest soll auch eine Erinnerung daran sein, dass früher die Welt scheinbar noch in Ordnung war, als es Josefs in Hülle und Fülle gab", sagte Josef Ernst mit einem Augenzwinkern. Josef Hecht ergänzte: "Früher gehörten ein Hans und ein Sepp zum Haus. Das ist heute leider nicht mehr so." Beide hegen die Hoffnung, dass der Name Josef durchaus wieder eine Renaissance erleben kann. "Und nächstes Jahr feiern wir an einem Sonntag", freuen sich die Organisatoren schon jetzt.
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