Stadt im zweiten Anlauf

Blick in die Prinz-Ludwig-Straße um 1910, die damals noch als "Bahnhofstraße" bezeichnet wurde - sie führte ja zum Bahnhof. Bilder: hfz/ Archiv Treml
Vermischtes
Waldsassen
14.11.2016
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120 Jahre - das klingt in der Geschichte einer Stadt nicht nach einer besonders großen Spanne. Dennoch hat sich in dieser Zeit in Waldsassen sehr viel getan.

Auf breites Interesse stieß schon im April der Lichtbildervortrag von Heimatpfleger Robert Treml, der zur Einführung in das Jubiläumsjahr auf die Zeit seit 1896 zurückblickte. Nun bestand nochmals Gelegenheit, sich die Entwicklung Waldsassens vor Augen zu führen. Manfred Brunner als Vorsitzender des Gerwig-Kreises hieß die Besucher willkommen.

Wie Treml ausführte, bildete die Stadterhebung vom 23. Februar 1896 für den früheren "Ackerbürger-Markt" die Initialzündung zum weiteren Aufschwung. Man fühlte sich gegenüber den Nachbarstädten Bärnau und Tirschenreuth nun endlich "gleichberechtigt". Möglich geworden war die erst im zweiten Anlauf erlangte Stadterhebung nach intensiven Bemühungen und durch eine Reihe kultureller und wirtschaftlicher Faktoren - angefangen von der Eröffnung des neuen Frauenklosters 1864 und der Eisenbahnlinie von Mitterteich nach Eger im Oktober 1865 über die Industrieansiedlung ab 1884 bis hin zur Tätigkeit vieler Behörden.

Eigene Zeitung positiv


Positiv hatte sich auch ausgewirkt, dass in Waldsassen seit 1884 eine eigene Zeitung erschien, dass sich ansehnliche Handwerkszweige und Mittelstandsbetriebe angesiedelt hatten wie die Rollo-Fabrik Glück, die sich seit 1885 am Ort nachweisen lässt. Auch das Frauenkloster verfügte inzwischen über mehrere wirtschaftliche Betriebe.

Mit der aufstrebenden Entwicklung gab es eine ansehnliche Zuwanderung. 1898 entstand das Lagerhaus am Bahnhof, eine zweite Porzellanfabrik und 1906 eine zweite Glashütte. Daher stieg die Einwohnerzahl rasant und war bis 1910 auf über 5000 geklettert, führte der Heimatpfleger aus. Die Stadtverwaltung war gefordert, insbesondere für die Verbesserung der Infrastruktur. Treml nannte die Einführung des Telefons, die Vergrößerung des Friedhofs, die Ausweisung des neuen Baugebietes von der Pötzlstraße bis zur Bahnlinie, die Erschließung neuer Quellen und der Bau der Hochdruckwasserleitung 1910 und die Vergrößerung des Krankenhauses.

Schwere Zeiten


Schwere Zeiten ergaben sich mit dem Ersten Weltkrieg, aus dem fast 180 Söhne der Stadt nicht mehr heimkehrten. Zum Gedenken errichtete die Stadt 1922 das Krieger-Ehrenmal am Basilikaplatz. Mit Josef Hierl als rechtskundigem Bürgermeister seit 1919 gelang es, die Entwicklung der Stadt auf vielen Gebieten voranzubringen. Dabei erhielt Waldsassen das neue Stadtbad, das neue Verwaltungsgebäude am Johannisplatz, das große Schulgebäude am Lämmeracker. Straßen und Plätze wurden gepflastert.

Im Zweite Weltkrieg waren 377 gefallene und 164 vermisste Mitbürger zu beklagen, ganz zu schweigen von den weiteren, katastrophalen Auswirkungen. Treml schilderte den Neubeginn nach 1945 als langwierigen Prozess, erinnerte an die Lager mit den Heimatvertriebenen, die Wohnungsnot und die neue Lage am Eisernen Vorhang. "Als 1960 mit Franz Fischer ein neuer Bürgermeister ins Rathaus einzog, ergab sich wieder eine erfolgreiche Ära für die Entwicklung, wobei sich auch das Stadtbild merklich verbesserte." Der Sprecher nannte das neue Rathaus, die neue Mittelschule, den Kindergarten und das Stiftlandmuseum. Bedeutsam war 1972 die Eingliederung der drei Nachbargemeinden.

Wiederbelebung


Unter den Bürgermeistern Hans Schraml und Herbert Hahn bewältigte die Stadt weitere Projekte. Seit der Grenzöffnung 1990 ergaben sich völlig neue Aufgaben und Herausforderungen. Robert Treml zählte dazu die Lösung des Verkehrsproblems ebenso wie die Wiederbelebung verfallender Immobilien, aber mehr noch die Bewältigung der Folgen aus dem demografischen Wandel. Hauptziel der Kommunalpolitik bleibe, den Menschen eine lebens- und liebenswerte Heimatstadt zu erhalten, unterstrich der Heimatpfleger.
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