Stille Einkehr am Waldrand

Am 15. Mai 1966 fand die feierliche Einweihung der Kapelle St. Josef durch den damaligen Münchenreuther Pfarrer BGR Karl Rauscher statt.
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Waldsassen
28.05.2016
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Die Waldkapelle St. Josef am Rundwanderweg Nr. 5 besteht heuer seit 50 Jahren. An der gleichen Stelle soll bereits um das Jahr 1804 erstmals eine Kapelle errichtet worden sein. Archivbilder: hfz

50 Jahre ist sie alt, die idyllisch gelegene Waldkapelle St. Josef am Rundwanderweg Nr. 5, der von der Konnersreuther Straße zum Groppenheimer Weg bzw. zur Waldabteilung "Jägersteig" und zur Kappl führt. Am Samstag, 4. Juni, steht dazu eine Feier an.

Pater Friedhelm Czinczoll wird um 19 Uhr einen Festgottesdienst bei der Kapelle zelebrieren. Dabei wird an Entstehung und Weihe des am Waldrand gelegenen Kirchleins erinnert. Dazu sind alle Interessierten willkommen.

Wie aus alten Aufzeichnungen hervorgeht, soll die ursprüngliche Waldkapelle an dieser Stelle bereits um das Jahr 1804, also kurz nach der Säkularisation des Klosters, zur Abwendung einer damals herrschenden Hungersnot von den Gläubigen errichtet worden sein. Dies ist jedoch insofern erstaunlich, als gerade zu dieser Zeit aufgrund der behördlichen Anweisungen alle Feldkapellen beseitigt werden sollten.

"Rote Kapelle"


In der Kapelle befand sich anfangs auch ein Gnadenbild, zu dem die bedrängten Menschen pilgerten. Viele Votivgaben waren Ausdruck des Dankes für die Gebetserhörungen. Da die erste Kapelle einen roten Anstrich trug, nannte man sie allgemein die "Rote Kapelle". Im Laufe der Jahrzehnte nagten Wind und Wetter an dem kleinen Heiligtum, so dass man sich wohl schon 1864 und auch wieder im Sommer 1939 zu einer durchgreifenden Renovierung entschloss. Die Betreuung in den 1930er-Jahren lag in den Händen von Felix Zintl und vor ihm bei Michael Lehner. Bei der Instandsetzung 1939 wurde Zintl unterstützt von Michael Güntner, Georg Weiß, Franz Josef Ernstberger und Karl Preisinger. Die Kosten für das Material hatten etliche Wohltäter gestiftet. Die Einweihung am 6. August 1939 vollzog der damalige Waldsassener Stadtpfarrer Josef Wiesnet.

Neubau durch Spenden


Danach zogen wiederum bewegte Zeiten ins Land und die beliebte Kapelle bot für viele eine Möglichkeit zur stillen Einkehr. Im Laufe der Jahrzehnte zeigten sich aufgrund der Witterung wiederum Verfallserscheinungen. So setzten sich 1965 die damaligen Betreuer Franz Kastl und Wendelin Ernstberger für einen Neubau der Kapelle ein, was dann im Frühjahr 1966 auch verwirklicht wurde. Dank der gesammelten Gelder in Höhe von rund 700 DM sowie der eingegangenen Spenden an Bauholz und anderen Baumaterialien konnte das kleine Kirchlein neu errichtet werden, wobei auch mehrere Handwerker beim Aufbau mithalfen.

Im Fundament unter dem Altar wurde eine Kupferrolle eingemauert, die Aufzeichnungen zur Baugeschichte enthält, wo aber auch die Namen der Spender festgehalten sind. Am Sonntag, 15. Mai 1966, fand dann bei strahlendem Sonnenschein die feierliche Einweihung der Kapelle durch den damaligen Münchenreuther Pfarrer, BGR Karl Rauscher (1923-1995) statt. Danach folgte eine kurze Maiandacht. Die eindrucksvolle Feierstunde wurde seinerzeit musikalisch umrahmt vom Männergesangverein 1865 Waldsassen unter der Leitung des Dirigenten Heinrich Bornschlegl und von der Bauernkapelle Münchenreuth. Bei der Feier richtete der Münchenreuther Bürgermeister Johann Zintl ein kurzes Grußwort an die zahlreich erschienenen Gläubigen und dankte dabei den Initiatoren für das Werk sowie allen Spendern für ihre Aufgeschlossenheit. Auch Barbara Kneidl, bekannt als "Stiftlands-Bärwl", widmete dem Gnadenbild ein erzählendes Gedicht.

Leider blieb die Waldkapelle im Laufe der Jahrzehnte auch von Spitzbuben und Dieben nicht verschont. So wurde schon mehrfach in der Kapelle eingebrochen und dabei unter anderem das ursprünglich verehrte Gnadenbild entwendet. Durch das Engagement der ehrenamtlichen Betreuer ist es aber erfreulicherweise gelungen, die Kapelle stets in einem guten Zustand zu erhalten.

Dabei hatte es sich nach der erwähnten Mannschaft in den 1930er-Jahren der schwer Kriegsbeschädigte Wendelin Ernstberger (1919-2003) etwa seit 1954 zur Aufgabe gemacht, die Kapelle zu betreuen, wobei er auch von seiner Ehefrau Franziska Ernstberger (1930-2015) unterstützt wurde. Seit 1996 besorgen dies nun dankenswerterweise die Familien Hans und Andreas Grillmeier. So fügt sich die kleine Waldkapelle harmonisch ein in den Kranz vieler alter und neuer Flur- und Kleindenkmäler unserer Heimat, die es zu erhalten und auch den nächsten Generationen zu überliefern gilt.
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